Expertentipps 2. Juni 2015

Fotografieren auf Reisen

Die Fotoausrüstung so leicht wie möglich halten, robuste Spiegelreflexkameras verwenden und spontan fotografieren – unsere Weltentdecker und WORLD INSIGHT-Fotografen geben Tipps für die perfekten Reisefotos.

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Mit dem richtigen Zubehör lassen sich auch nachts tolle Motive einfangen

Der kleine grüne Frosch im Regenwald Costa Ricas, der aufsteigende knallrote Ballon in Myanmar, das Lächeln eines Kindes in Äthiopien – es gibt Momente auf Reisen, die möchte man einfach festhalten und zuhause mit anderen teilen. Die Kamera ist zu unserem ständigen Reisebegleiter geworden. Aber was gilt es beim Fotografieren unterwegs zu beachten und welche Ausrüstung ist zu empfehlen? Wo gibt es die schönsten Fotomotive? Wir haben bei unseren Weltentdeckern und WORLD INSIGHT-Fotografen nachgefragt.

Wer in fernen Ländern unterwegs ist, möchte seine Eindrücke gern in Form von Fotos mit nach Hause nehmen. Was sind deine Tipps für das Fotografieren auf Reisen?

Martin Buschmann: Tipp 1: Genügend Akkus, Batterien und Speicherkarten mitnehmen. Tipp 2: Die Fotoausrüstung so leicht wie möglich gestalten (es muss nicht unbedingt jedes Objektiv mit), denn Gewicht belastet auf Reisen – sei es beim Wandern oder bereits am Flughafen (Handgepäck). Tipp 3: Später für die Diashow, diese entsprechend mit geografischen Informationen versehen. Wer es genau machen will, der lässt ein GPS mitlaufen.

David Hettich: Mein Tipp für interessante Bilder: Fotografieren Sie nicht nur die touristischen Höhepunkte eines Landes, sondern auch die Begegnungen am Wegesrand. Tauchen Sie mit der Kamera ein in den Alltag der Einheimischen, fremde Kulturen und suchen Sie etwas andere Perspektiven. Die Vielfalt der Bildmotive macht es für einen selbst und für Freunde und Familie später beim Anschauen der Bilder sehr viel interessanter.

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Bei Portraitaufnahmen sollte man sich Zeit für die Menschen nehmen

André Schumacher: Ich habe es mir zur Regel gemacht, langsam zu reisen: mit dem Fahrrad – und immer öfter auch zu Fuß. Das bringt nicht nur viele Erlebnisse mit sich, an denen der Flug-, Bus- und Taxitourist vorbeieilt. Ich spüre auch den Wind auf der Haut, beißende Kälte im Gesicht, die Sonne im Nacken. Ich rieche die Gräser am Wegesrand. Solche sensorischen Erlebnisse lassen mich anders auf die mich umgebende Natur schauen. Ich bin dann ein Teil von ihr und bewege mich mit Maß und Respekt. Für mich ist diese langsame Art der Wahrnehmung die Essenz des Unterwegsseins. „Schönheit entsteht durch Betrachtung“, sagte Salvador Dalí. Betrachtung braucht Zeit. Wenn ich Zeit habe, entdecke ich die Dinge.

Daniel Snaider: Man sollte sich Zeit nehmen. Bei Portraitaufnahmen natürlich Zeit für die Menschen, um sich gegenseitig kennenzulernen. Aber auch Zeit in der Natur, um Stimmungen einzufangen. Oft macht eine ungewöhnliche Perspektive aus einem alltäglichen Motiv schon ein besonderes Foto.

Clemens Walzl: Mit einem guten Bild kann man wirklich Glücksmomente mit nach Hause bringen, oder besser gesagt, die Erinnerung daran. Mit der Kameratechnik sollte man sich zu Hause vertraut machen. Da kann man auch seine Testbilder am (kalibrierten!) Monitor kritisch betrachten. Auf Reisen gehe ich dorthin, wo das Licht gut ist. Da zahlt es sich schon aus, bereits vor Sonnenaufgang aufzustehen und die spannende Zeit zu erleben, in der der Tag erwacht. Ich bewege mich meist langsamer als andere Reisende, weil ich diese Zeit benötige, die Besonderheit und die Magie der besuchten Orte zu spüren. Besonders schön finde ich es, wenn ich eine ganze Geschichte in einem Bild erlebbar machen kann. Ist dies nicht möglich, versuche ich mit Bildsequenzen Geschichten zu erzählen. Das ist dann auch für Betrachter interessant, die nicht mit auf der Reise waren.

 

Welches Fotoequipment benutzt du selbst, wenn du auf Tour bist? Welches würdest du einem Hobbyfotografen empfehlen?

Martin Buschmann: Wer es mit dem Fotografieren ein bisschen ernster nimmt, der hat eine Spiegelreflexkamera dabei, oder zumindest eine Bridgekamera. Mittlerweile schenken sich die Hersteller in Qualität und Preis kaum mehr etwas. Die Höhe des Anschaffungspreises bestimmt die Fähigkeiten der Kamera. Wer genau weiß, was er will, kann gerne im Internet kaufen. Ansonsten empfehle ich immer die persönliche Beratung beim Händler vor Ort. Ich selbst benutze Kameras der Marke Canon in verschiedenen Ausführungen.

David Hettich: Ich bin Unterwasserfotograf. Das bringt natürlich umfangreiches Equipment mit sich. Ich arbeite mit Spiegelreflexkameras und Objektiven von 16-180 mm. Einem Hobbyfotografen empfehle ich eine leichte reisefreudige Spiegelreflexkamera mit einem Objektiv von etwa 16/20 bis mindestens 135 mm. Zum dezenten Aufhellen (auch bei Sonne!) von Gesichtern hilft ein Blitz und für Landschaftsaufnahmen bei blauem Himmel ist ein Pol-Filter gut geeignet. Für die Unterwasserfotografie eignen sich Kompaktkameras in wasserdichten Gehäusen. Unter Wasser sollte man immer nah an die Motive heranschwimmen, um schöne Kontraste und Perspektiven zu erhalten.

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Die Fotoausrüstung darf auch leicht sein

André Schumacher: Das hängt sehr vom Projekt ab. Wenn es über mehrere Monate oder gar Jahre gehen soll, empfiehlt sich eine robuste Kamera, auch wenn es dann mehr zu tragen gibt. Bei Staub, Feuchtigkeit und ständiger Rüttelei nützt einem die leichteste Kamera nichts, wenn sie im entscheidenden Moment versagt. Meine Ausrüstung beschränkt sich bei langen Reisen auf das nötigste: Eine Canon EOS 5D Mark II oder III und eines der enorm universellen Superzooms von Tamron. Ist mehr Platz im Gepäck, kommt ein extremes Weitwinkel (Canon EF 14mm f/2.8 L II USM) und das ausgezeichnete SP 24-70mm F/2.8 Di VC USD von Tamron hinzu. Für Tieraufnahmen verwende ich als Zweitkamera gerne die schnelle EOS 7D mit bildstabilisiertem Canon 70-200/4,0 L IS USM – eines der besten Objektive, die je gebaut wurden. Prinzipiell jedoch gilt: Was zählt, ist das Auge, nicht die Kamera! Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, mit dem Herzen zu schauen, voller Neugierde und Offenheit, das ersetzt jede teure Anschaffung.

Daniel Snaider: Meistens habe ich 2 Spiegelreflexkameras (Ersatzgehäuse) mit verschiedenen Wechselobjektiven dabei. Sehr gerne fotografiere ich mit meinem lichtstarken (1:2.8)  Weitwinkel 14-24 mm. Blitz und Stativ sind immer dabei. Zur Sicherung der Bilder habe ich immer meinen kleinen Laptop mit 2-3 externen Festplatten dabei. Jedem Freizeitfotografen würde ich empfehlen, nur das nötigste mitzunehmen: Kamera, Stativ und eventuell ein Wechselobjektiv. Am Ende macht nicht die Kamera, sondern das Auge des Fotografen ein gutes Bild. Fotografieren lernen, bedeutet viel ausprobieren und experimentieren. Jeder entwickelt dadurch seinen Stil und merkt, welches Equipment er wirklich braucht.

Clemens Walzl: Ich selbst benutze eine vollformatige Spiegelreflexkamera (Nikon D700), eine kleinere als Zweitgehäuse (D5200), ein lichtstarkes Standardzoom (24-70 mm), ein Telezoom (80-200 mm) und ein 70 mm Makroobjektiv. Bei Destinationen mit Schwerpunkt Tierfotografie nehme ich noch zusätzlich ein Telezoom 200-400 mm sowie Stativ, Blitz und Fernauslöser mit. Insgesamt versuche ich, mit möglichst leichter Ausrüstung zu reisen, da sonst die Lust am Fotografieren bei hohen Temperaturen rasch schwinden kann… Ich empfehle grundsätzlich hochwertige Komponenten. Mir ist lieber, eine Kompaktkamera mit Fixbrennweite und wirklich guter Qualität dabei zu haben, als ein mittelmäßiges 10fach-Zoom, das nur unscharfe Bilder liefert. Was nützt z.B. ein leichtes Stativ, wenn es wackelt?

 

Was ist dein Lieblingsland zum Fotografieren? Hast du ein Lieblingsmotiv/Lieblingsbild?

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Ungestellte Portraits wirken besonders ausdrucksstark

Martin Buschmann: Mein Lieblingsland zum Fotografieren ist Afrika, und dort natürlich die Wildkatzen.

David Hettich: Am liebsten bin ich am oder im Wasser. Ich komme gerade von einer Reise auf die Philippinen und Mikronesien zurück. Das war einzigartig. Wir konnten die größten Fische der Welt porträtieren: Walhaie mit bis zu 14 m Länge.

André Schumacher: Träume ich von Weite und Leere, dann kommt mir als erstes Patagonien in den Sinn – einer der letzten unbeschriebenen Landstriche unseres Planeten, ein Ort, an dem sich die Erde so zeigt, wie sie ausgesehen haben mag, bevor die Menschen erschienen. Denke ich hingegen an Farben, Gerüche, Sinneseindrücke, an das Menschsein also, dann reise ich nach Nepal – das Land der Götter. In beinahe grenzenloser Toleranz leben hier alle Religionen seit Jahrhunderten beisammen: Hindus und Moslems, Buddhisten und Christen. Ja, das Leben ist so bunt und so chaotisch, dass im Hinblick auf sämtliche uns Europäern lieb gewonnenen Strukturen nur eines bleibt: sie aufzubrechen. Nichts ist planbar. Das lässt Raum für Überraschungen und Wunder. Und sagenhafte Fotos!

Daniel Snaider: Viel Freude habe ich an Portraits, insbesondere dann, wenn sie nicht gestellt, sondern spontan entstanden sind. Oft transportieren sie eine Stimmung oder haben einen ganz besonders starken Ausdruck. In jedem Ort auf der Welt gibt es starke Motive, sogar bei mir zu Hause in unserem kleinen Dorf in Oberbayern.

Clemens Walzl: Ich liebe die Vielfalt der Kulturen in Myanmar (mein Lieblingsland!), aber auch bei den Weiten Afrikas und Südamerikas werde ich sehr erregt! Mein momentanes Lieblingsbild ist ein Schnappschuss aus Myanmar: Ein Mädchen sitzt in einer Seidenweberei und freut sich, fotografiert zu werden.

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