Produktmanagerin Carina Hormann 24. Mai 2017

Individuell durch Sri Lanka

WORLD INSIGHT-Produktmanagerin Carina Hormann macht den Selbsttest: Auf ihrer Sri Lanka-Rundreise mit WORLD INSIGHT Individuell begegnet sie einem Guide names DJ, einem bedrohlichen Elefanten und einer Schildkröte.

Carina Hormann ist WORLD INSIGHT-Produktmanagerin für die Reisevariante Individuell.

Lange Zeit war Sri Lanka aufgrund des Krieges zwischen den militanten Tamil Tigers und der Regierung nur ein Randfleck auf dem touristischen Radar. Doch nach dem Waffenstillstandsabkommen 2009 ist das kleine Land im Indischen Ozean stark im Kommen und lockt auf einer Fläche kaum so groß wie Bayern mit allem, was das Travellerherz begehrt: jahrtausendealte Kulturschätze, üppig grüne Naturjuwelen, kulinarische Hochgenüsse und paradiesische Strände.

Auch mich zieht es gemeinsam mit meinem Freund in diesem März nach Sri Lanka. Obwohl es bei unserer Landung bereits tief in der Nacht ist, ist die Luft bei noch 27 °C schwül und schwer. Ein krasser Kontrast zu dem regnerisch trüben Wetter, bei dem wir gestartet sind. Willkommen in den Tropen!

Unterwegs mit DJ

Wir treffen in der Empfangshalle auf Dulanjana, unseren Driver-Guide für die nächsten Tage. „You can call me DJ“ ist sein zweiter Satz nach der Begrüßung und auf der Fahrt ins kulturelle Dreieck am nächsten Tag erzählt uns DJ mehr über sein Heimatland. Zum Beispiel dass Colombo das Handelszentrum und der Regierungssitz ist, dass die Stadt in die Bezirke 1 bis 15 eingeteilt ist und jeder Distrikt eine eigene Funktion erfüllt. Die Stadtteile 5 bis 9 sind beispielsweise die Shopping Area. Hier gibt es allerdings zumeist nur Produkte aus China mit schlechter Qualität, schiebt DJ umgehend hinterher.

Die sri-lankische Wirtschaft lebt größtenteils vom Tourismus sowie der Textilindustrie und der Landwirtschaft. Auf dem Weg raus aus der Hauptstadt sind wir heilfroh, nicht selbst am Steuer zu sitzen, denn der Verkehr ist chaotisch und unübersichtlich. Überall kreuzen rote, blaue und grüne Tuk Tuks, die wegen der günstigen Steuern aus Indien importiert werden, unseren Weg. Fürs Überholen gibt es nämlich keine Verkehrsregeln. Oder sind sie nur für uns nicht ersichtlich? Eine durchgezogene Linie hat vermeintlich keine Bedeutung und Hupen ist auf jeden Fall immer hilfreich.

Von Elefanten und Ayurveda

Unseren ersten Eindruck von der geschichtsträchtigen Kultur des Landes erhalten wir in Polonnaruwa. In der zweiten Hauptstadt des alten Königreiches Rajarata wurde von 1070 bis 1200 das Geschehen auf der Insel bestimmt. Die mächtigen Ruinen des alten Königspalastes, kunstfertige Säulen, aufwendig in Stein gehauene Inschriften und ein vom Stausee gespeistes Bad lassen uns die einstige Pracht der Anlage erahnen.

Wir verlassen die idyllischen Ruinen, bevor die Sonne zur Mittagszeit zu sehr brennt und setzen unser Sightseeing wild fort. Eine Safari führt uns in den 89 km² großen Minneriya-Nationalpark, der Wasservögeln und Wildtieren eine Heimat bietet.

Eine Elefantenherde versammelt sich am Stausee.

Bereits nach einer halben Stunde Pirschfahrt sind wir erfolgreich: Eine Herde von 65 Elefanten hat sich am Stausee versammelt, um zu baden und zu fressen. Nur 5 m von uns entfernt stehen einige der sanften Riesen und grasen unbeeindruckt von den Zuschauern in aller Seelenruhe weiter.

Wie viel Kraft ein ausgewachsenes Tier mit rund 2.000 kg haben muss, machen wir uns erst bewusst, als wir mit unserem Jeep in einem Schlammloch stecken bleiben und der Bulle immer näher kommt, um seine Herde zu verteidigen. Nach einer gefühlten Ewigkeit schafft es unser Fahrer den Wagen zu befreien und wir düsen davon.

Auf den Schreck gönnen wir uns am Abend ein Lion Beer und eine ayurvedische Kräutermassage. DJ hat lange Zeit in einem Ayurveda Hotel gearbeitet und kennt die besten Adressen. Viele Spas haben nicht mehr viel mit den traditionellen Behandlungen zu tun und möchten durch Modernität punkten, sagt er, und führt uns zu einer Geheimtipp-Adresse.

Unser Ayurveda Zentrum ist eine spitz zulaufende Hütte aus Lehm und mit einem Palmenblattdach, die durch die zahlreichen Kerzen und die Lage mitten im Dschungel eine mystische Atmosphäre versprüht. Mit wohlduftendem Kräuter- und Lotusöl bewaffnet, macht sich der Masseur daran durch kreisende Bewegungen unseren Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen, bevor durch die folgende Klopfmassage die Muskeln entspannt werden. Nach dem abschließenden Besuch der Kräutersauna fallen wir am Ende unsres Tages tiefenentspannt ins Bett.

Der Löwenfelsen und das stolze Kandy

Am nächsten Morgen wartet schon das nächste Highlight: der Felsentempel von Sigiriya. Unser lokaler Guide ist mit 66 Jahren der älteste seiner Garde und führt bereits seit 32 Jahren mindestens zwei Mal am Tag Touristen die 1.200 Stufen zum Löwenfelsen hoch. Er spricht acht Sprachen und heißt Albert. „Typisch deutscher Name“, sagt er mit einem Lächeln und entblößt dabei ein paar kleine und große Zahnlücken.

Die Sicht vom Löwenfelsen ist spektakulär.

Er erzählt uns von den über 500 Konkubinen aus Indien, Japan, Nepal und dem rauschenden Leben, dass die alten Herrscher hier einst führten. Nach dem schweißtreibenden Aufstieg genießen wir die einmalige Aussicht über die weite grüne Ebene, die nur von einem See oder einer Felsenansammlung unterbrochen wird.

Mit einem Stopp bei dem Höhlentempel von Dambulla geht es weiter südlich nach Kandy, wo wir uns von DJ verabschieden, da er für die nächsten Wochen andere Kunden aus Deutschland betreuen wird. Für ihn übernimmt Amila, der sich ebenso durch das Verkehrsgewusel zu kämpfen weiß und uns am nächsten Tag die beliebte Stadt rund um den Kandy-See zeigt.

Amila erzählt uns, dass die Bewohner von Kandy besonders stolz auf ihre Stadt waren, weil sie als letzte Königsstadt des Landes nie von einer fremden Macht besiegt wurden. Wir besuchen den botanischen Garten – den zweitgrößten Asiens – und den Zahntempel, der die heiligste Stätte des Landes ist. Ein Zahn von Buddha ist hier hinter gut verschlossenen Türen aufbewahrt und die gläubigen Buddhisten durchstreifen die Tempelanlage mit großer Ehrfurcht.

Palmen, Wasserfälle und hybrider Reis

Der zweite Teil unserer Rundreise steht ganz im Zeichen der Natur und wir brechen auf in die Gebirgszüge der Knuckles. Circa zwei Stunden von Kandy entfernt führt der Weg größtenteils über eine Schotterstraße, so dass wir durchgeschüttelt in unserer Unterkunft mitten in der Natur ankommen. Aber der beschwerliche Weg war alle Mühe wert: Die Knuckles gelten noch als Geheimtipp bei Touristen und sind vor allem bei Einheimischen für die idealen Wandermöglichkeiten und die abwechslungsreiche Natur bekannt.

Auch wir schnüren tags darauf  die Wanderschuhe und brechen früh auf, um den Gebirgszug zu erkunden. Wir laufen entlang der von Tannen bewachsenen Hügel, vorbei an Pfefferpflanzen, Kokosnusspalmen, Wasserfällen und Reisterrassen.

Tee- und Reisfelder dominieren das ländliche Bild Sri Lankas.

Bei einem der Reisfelder bleibt Amila stehen und erzählt uns etwas angesäuert, dass die Regierung den Anbau neuer, hybrider Reissorten fördert. Diese sind zwar ertragreicher, aber dafür nicht so gesund sind wie die alten Sorten. Die Lebenserwartung in den Dörfern der Region hat sich so um circa sieben Jahre auf 73 Jahre für Männer und auf 80 Jahre für Frauen verringert.

Und überhaupt, so stellen wir fest, sollte man sich genau überlegen, wann man ein gesundheitliches Problem hat. Ein Arzt kommt immer nur mittwochs aus Kandy und die Fahrt dorthin im Falle eines medizinischen Notfalles dauert rund zwei Stunden.

Unsere Wanderung endet zum Glück unverletzt am Kotaganga-Wasserfall. Das Wasser, das hier in sieben Kaskaden runterfließt, ist so klar, dass man auch an der tiefsten Stelle jeden Stein sehen kann. Wir nehmen ein erfrischendes Bad vor dieser idyllischen Kulisse und bleiben nicht lange allein. Zur Mittagszeit hat sich eine kleine Gruppe Jugendlicher hier verabredet, die sich nach Schulschluss ebenfalls im kühlen Nass abkühlen wollen.

Erst Tee dann das Ende der Welt

Für uns geht es schließlich weiter in das Hochland nach Nuwara Eliya, der einstigen Sommerfrische der Briten und aufgrund des milden Klimas auch bei den Sri Lankern sehr beliebt. Uns fallen vor allem die riesigen Teeplantagen auf: Soweit das Auge reicht, sind die Hügel von den buschigen, circa 1 m hohen Sträuchern gesäumt und wirken wie ein unendlicher, grüner geknüpfter Teppich. In Nureliya, wie die Stadt gerne abgekürzt wird, wird vor allem der beliebte Schwarztee geerntet und nachdem die Blätter gepflückt, getrocknet und fermentiert wurden, werden sie auf einer Auktion in Colombo an Lipton und Co. verkauft.

Ein weiteres Highlight der Region ist der Horton Plains-Nationalpark, in dem wir auf einem Rundwanderweg das – zum Glück nicht buchstäbliche – Ende der Welt erreichen. World’s End ist ein beliebter Aussichtspunkt, für den die Besucher unbedingt schwindelfrei sein sollten: 880 m fällt hier die Klippe senkrecht ins Tal ab. Auch in der Kleinstadt Ella geht es hoch hinaus: Hier bieten uns der Ellas Rock und der Little Adams Peak einmalige Ausblicke auf die üppigen Landschaften, die wirken, als hätte man einfach einen grünen Batikschleier über die Hügel gelegt.

Mit Affenzahn zum Leoparden

Carina Hormann hatte Glück und sah einen Leoparden auf Pirsch.

Dann wird es wieder tierisch: Auf Safari im Yala-Nationalpark fahren wir mit einem Allradfahrzeug durch die urwüchsige Landschaft und treffen auf Elefanten, Pfauen, Hirsche, Warzenschweine, Wasserbüffel und Krokodile. Während wir in unserem bequemen Geländewagen die Flora und Fauna an uns vorbei ziehen lassen, bekommt unser Fahrer einen Anruf, dreht abrupt um und brettert mit einem Affenzahn über die Schotterpisten, so dass wir in dem Wagen bei jeden Schlagloch nur so in die Höhe schießen.

Wir schauen uns fragend an, bis wir eine Ansammlung anderer Safarifahrzeuge erreichen und alle aufgeregt auf einen Baum zeigen. Hoch oben in den Kronen döst ganz entspannt ein Leopard und fragt sich wohl nur, was auf einmal der Aufruhr soll. Wir sind leider ein ziemliches Stück entfernt und können das anmutige Tier nur schemenhaft erkennen. Und als ihm die Aufregung schließlich zu viel wird verabschiedet er sich in das grüne Dickicht.

Eine Schildkröte zum Abschied

Die Sandstrände in Sri Lanka sind ideal für die Eiablage der Meeresschildkröten.

Den entspannten Abschluss unserer Reise verbringen wir bei Tangalle an der Südküste. Einsame von Palmen gesäumte Strände und die rauschenden Wellen des indischen Ozeans bilden eine perfekte Kulisse. Der nahegelegene Rawani Beach ist bei Schildkröten für die Eiablage besonders beliebt und dieses Naturschauspiel wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Nachdem ein Weibchen auf dem Weg zum Strand gesichtet wurde, machen wir uns zu Fuß auf den Weg durch die Dunkelheit. Schließlich entdecken wir in einer Sandkuhle eine circa 50 cm breite und 80 cm lange Meeresschildkröte, die gerade ihre weiß glänzenden, kugelrunden Eier in den Sand legt. Anschließend vergräbt sie die Eier sorgfältig und schleppt ihre 150 kg nach getaner Arbeit wieder zurück ins Meer.

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