Chapada Diamantina 14. September 2016

Vom Diamantenboom zum Naturparadies

Christian Greiner

Diamantrausch, Reichtum und Glücksritter. All das klingt nach vergangenen Zeiten im Westen der USA, spielte sich allerdings ähnlich im Osten Brasiliens ab. Eine Tour durch die Chapada Diamantina, angefangen bei Lençóis.

Start in der Diamantenstadt

bunte Häuser Lencois (c) WORLD INSIGHT

In der Region Bahia findet man überall die kleinen bunten Häuser.

Ausgangspunkt Lençóis: Wir befinden uns mitten in der Provinz Bahia, Brasilien. Die Straßen sind kopfsteingepflastert und die Häuser des kleinen Ortes zeugen von der einstigen Pracht einer Kolonialstadt. Fast könnte man meinen, die bunten Häuser, die alle Wege säumen, seien direkt aus Kuba importiert und hier wieder aufgebaut worden. Prachtstück der Ortschaft bildet die außergewöhnlich gut erhaltene Kolonialvilla, von der aus der frühere Siedlungsherr die Geschicke der Stadt lenkte. Zu lenken gab es in Lençóis auch tatsächlich einiges, als man die Stadt anlässlich eines großen Diamantenbooms, der sich zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts im angrenzenden Nationalpark ereignete, in kurzer Zeit aus dem Boden stampfte. Plötzlich war sie voller Glücksritter, die in den Minen unweit der Stadt ihren Reichtum in Form von Diamanten suchten und auch so lange fanden, bis das Vorkommen erschöpft war. Mit dem Schwinden der Diamantengräber entfiel auch das Haupteinkommen der Stadt, sodass sie wirtschaftlich komplett einbrach.

Seit dem Ende des Diamantenbooms bildet Lençóis also nun den Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark Chapada Diamantina und erwirtschaftet so einen Teil des früheren Glanzes zurück. Vor rund 30 Jahren wurde der Nationalpark als solcher eröffnet und bietet mit mehreren eindrucksvollen Naturspektakeln ein großartiges Erlebnis in Brasilien.

Wasserfälle und brasilianischer Machu Picchu

Eines davon ist die Cachoeira da Fumaça, ein gigantischer Wasserfall, der sich rund 340 Meter in die Tiefe stürzt und seinen Namen vom rauchartigen Aussehen hat, da er von Aufwinden aus dem Tal fast komplett verwirbelt wird, bevor das Wasser den Grund berührt.

Wasserfall (c) WORLD INSIGHT

Wunderschöne Wasserfälle findet man im Chapada Diamantina überall.

Dieses Naturspektakel befindet sich ein gutes Stück südwestlich von Lenҫois und kann je nach Jahreszeit auch komplett ausgetrocknet sein. Trocken geben sich auch die Felsen, auf die die Siedlung Igatu im Süden der Chapada ziemlich geschickt gebaut wurde. Das Örtchen ist ähnlich wie Lençóis von simplen und teils verlassenen Steinhäusern geprägt, die die vielen Bergarbeiter hier ursprünglich errichteten. Die vielen Ruinen sind es auch, die dem Ort unter Einwohnern der Provinz Bahia den Namen „brasilianisches Machu Picchu“ einbrachten. Generell ist die Stadt ein schöner Anblick: Zwischen sechs Wasserfällen gelegen wechseln sich im Ortskern besagte Steinhäuser mit bunt verputzten Bauten ab, in denen heute noch einige Menschen wohnen, leben und arbeiten. Wenn sie gerade nicht beschäftigt sind, wissen die Einwohner des Dörfchens aber auch, wie man es krachen lässt: Wenn nämlich der Tag des heiligen Johannes (in Brasilien das zweitwichtigste Volksfest nach Karneval) im Juni jedes Jahres ansteht, erhellen große Feuer die Nacht und die ganze Siedlung feiert ausgelassen.

Die Geschichte von Inácio und ein teuflischer Pool

Zurück im Norden der Chapada verspricht der Morro do Pai Inacio ein spektakuläres Panorama: Der geschichtsträchtige Tafelberg erhebt sich rund 1.150 m über den Meerespiegel und hält für Wanderer einen 360°-Ausblick über die saftig grünen Hügellandschaften der Chapada bereit. Gerade bei Sonnenuntergang wirkt das Naturparadies so besonders magisch. Der Name des Berges geht übrigens auf eine regionale Legende zurück, die besagt, dass der Sklave Inácio sich einst in die Frau eines mächtigen, örtlichen Obersts verliebte und eine Liebschaft mit ihr begann. Als der Oberst von dieser Romanze erfuhr, sandte er Auftragsmörder, um Inácios Leben ein Ende zu senden. Während seiner Flucht vor den Häschern kesselten diese ihn schließlich auf dem Bergplateau des Morro do Pai Inacio ein. Inácio überlegte nicht lang, nahm sich den Schirm seiner Geliebten und sprang mit ihm vom Felsplateau. Der Überlieferung nach landete er sanft im Tal, flüchtete und kam nie wieder zurück.

Eine willkommene Erfrischung im paradiesischen Grün der Chapada bietet der Poҫo do Diabo, zu Deutsch: Teufelspool, in der Nähe des Morro do Pai Inacio. Das natürliche Schwimmbecken wird durch einen Wasserfall gespeist und bietet gerade in der Trockenzeit zur Mitte des Jahres eine hervorragende Bademöglichkeit unter der heißen brasilianischen Sonne – nach einer aufregenden und erlebnisreichen Tour durch das beeindruckende Chapada Diamantina genau das Richtige!

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