Reiseziel Israel: Mahnmale des Terrors und der Geschichte existieren hier eng nebeneinander
WORLD INSIGHT-CEO Otfried war vor Ort in Israel 5. März 2026

Israel – mehr als ein Reiseziel

Otfried Schöttle

Israel ist für WORLD INSIGHT CEO Otfried Schöttle mehr als ein Reiseziel. Er war Anfang 2026 vor Ort bezieht klar Stellung gegen den aufkeimenden Antisemitismus.

Lasst mich diesen Artikel mit einer provokanten Frage beginnen: Kann man das Thema „Israel“ Deutschland aktuell überhaupt zumuten? Erst die schlimme Geschichte, die uns Deutschen stets die Schamesröte ins Gesicht steigen lässt, jetzt auch noch das Gaza-Thema? Die Meinungen sind gespalten, der Shitstorm vorprogrammiert. Nachdem ich das Buch ‚Gezeichnete‘ von Irit Amiel in den Händen hielt, das mir ihr Sohn und unser Country-Manager für Israel, Oni, bei seinem Besuch in unserem Büro in Köln geschenkt hat, war mir klar: Man kann nicht nur, man MUSS über Israel schreiben. Gerade als deutscher Reiseveranstalter. Und gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus weltweit und auch in Deutschland wieder präsenter ist, denn je. Wir haben uns im Land umgeschaut – in vier Tagen reisten unser Videograph Sven und ich durch das Land, das nicht größer ist als Hessen, besuchten Jerusalem, das Gelände des Nova-Festivals, die Negev-Wüste, das Tote Meer, Tel Aviv und sind unterwegs interessanten Menschen begegnet. Im Gepäck haben wir eine neue Reise für unsere Gäste mitgebracht – und natürlich unsere Geschichte.

Otfried und Sven in der Negev Wüste

Otfried und Sven in der Negev Wüste

Otfrieds Lektüre im Flugzeug das Buch "Gezeichnete"

Das Buch “Gezeichnete” als Lektüre im Flugzeug

Prolog

Ich sitze im Flugzeug nach Tel Aviv. Neben mir Sven. Vor mir das Buch „Gezeichnete“. Es beinhaltet Geschichten von Menschen, die den Holocaust überlebt haben – und über ihr Leben danach. Geschrieben wurde es von Irit Amiel, die selbst als Kind in Polen verfolgt wurde, im Versteck überlebte, fast ihre gesamte Familie verlor und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel auswanderte. In kurzen Erzählungen beschreibt sie nicht die historischen Grausamkeiten, sondern die Folgen: Wie Überlebende mit Schuldgefühlen, Verlust und innerer Leere leben, wie Beziehungen zerbrechen, wie Schweigen zur Sprache wird. Das Buch zeigt, dass Überleben kein glückliches Ende bedeutet, sondern oft ein lebenslanges Weitertragen von Erinnerungen. Beim Landeanflug auf Tel Aviv beende ich die letzte Seite. Eine besondere Reise mit besonderen Begegnungen beginnt. Und sie startet dort, wo Irit Amiels Erzählungen ihren Anfang haben: In den Bildern, Filmen, Kleidungsstücken, die das dunkelste Zeitalter der Neuzeit beleuchten und ihrer Opfer gedenken, in der Gedenkstätte Yad Vashem:

Wandtext im Holocaust Museum

Wandtext im Holocaust History Museum

orthodoxer Jude fotografiert Exponat im Museum

Auseinandersetzung mit der Geschichte eines Volkes

Jerusalem (1) – Abstieg in den Felsen

Das Holocaust History Museum von Yad Vashem ist in den Felsrücken des Har HaZikaron, dem „Berg der Erinnerung“, hineingetrieben. Man steigt quasi in die Erde, in den Abgrund. Der Weg führt zunächst in das jüdische Leben vor 1933 – in eine Welt voller Kultur, Würde, Alltag. Erst schleichend, dann immer schneller setzt das Pogrom gegen jüdische Menschen ein: erst Hetze, dann Massen, die dem deutschen Kanzler zujubeln, der sich nun „Führer“ nennt. Propaganda. Entmenschlichung, zuerst in der Sprache, dann in grausamen Taten. Es folgen Ghettos, Deportationen, Vernichtungslager. Die Gesichter der Täter, die wir kennen. Die Gesichter der Opfer, die wir nicht kennen – und hinter jedem ein grausames Schicksal: der Verlust der Familie, der Verlust des Lebens, Demütigung und Entwürdigung bis in den Tod.

Bilder der Holocaust Opfer

Wichtige Arbeit: hier wird den Opfern des Holocausts ein Gesicht gegeben

Nach dem jüdischen Leben, nach den ersten Demütigungen bis hin zur Vernichtung, der Shoa, endet der Gang durch das Museum mit einem Blick in die Weite des Berglandes rund um Jerusalem. Ein Blick auf ein Land, das Menschen jüdischen Glaubens nicht nur Heimat, sondern auch Zuflucht sein soll. Ohne Grenzbeamte, die an Ufern Schiffe zurückweisen im Wissen um den sicheren Tod der Hilfesuchenden: Nicht nur die Täter haben sich schuldig gemacht, auch diejenigen, die jüdischen Menschen die Einreise verweigerten, unter anderem die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada und Australien. Eine kollektive Schuld, die 1947 im UN-Teilungsplan und schließlich 1948 in der Ausrufung des Staates Israel durch David Ben-Gurion mündete.

Schild aus Ausschwitz

Zahlreiche Exponate aus der Zeit bringen die Geschichte näher

Blick aus dem Museum in das Bergland um Jersualem

Blick aus dem Museum in das Bergland rund um Jerusalem

Nach dem Museumsbesuch gehen wir zur eigentlichen Gedenkstätte. In ihrem Zentrum steht eine Skulptur in Form eines zersprungenen Weinglases, in dessen Innerem ein ewiges Feuer brennt. Das Weinglas steht im jüdischen Kulturgut für Freude, Gemeinschaft, für Würde und Kontinuität – für all das, was jüdisches Leben vor der Shoa ausmachte. Das zerbrochene Glas symbolisiert das gewaltsame Zerschlagen dieses Lebens in Deutschland und Europa.  In die Stille hinein werden die Namen der Opfer verlesen. Unweit davon die Kindergedenkstätte. Es ist nur eine echte Kerze, die durch Spiegel unendlich vervielfältigt zu brennen scheint, symbolisch für die etwa 1,5 Millionen ermordeten Kinder. Unvorstellbare Zahlen. Einige davon bekommen am Eingang der Gedenkstätte ein Gesicht, alle bekannten Namen werden über Lautsprecher verlesen. Millionenfaches unvorstellbares Leid, das ein deutscher Politiker einer rechtsextremen Partei „als Fliegenschiss der Geschichte“ verhöhnte, einer Partei, die mehr und mehr Zulauf erfährt. Sven und ich sind an diesem Tag offenbar die einzigen Deutschen in Yad Vashem. Wir begegnen Israelis, Menschen aus Nord- und Südamerika, keine Europäer. Deutsch hören wir nur aus den Lautsprechern: aus alten Filmaufnahmen, in denen Goebbels oder Hitler ihre menschenverachtende Propaganda schreien, von „Ungeziefer“, „Parasiten“, „Krebsgeschwüren“.

Bilder aus der Kinder Gedenkstätte

Ca. 1,5 Millionen jüdische Kinder wurden von den Nationalsozialisten ermordet

Eine Kerze brennt in der Kinder Gedenkstätte

Das durch zersplitterte Spiegel reflektierte Licht einer einzelnen Kerze steht stellvertretend für die ermordeten Kinder

Jerusalem (2) – Die Heilige Stadt gestern und heute

Unsere Reiseleiterin Theresa begleitet uns auf unserer weiteren Tour durch Jerusalem. Wir erreichen die Klagemauer, den letzten erhaltenen Stützmauerrest des Zweiten Jüdischen Tempels, der im Jahr 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde. Für Juden ist sie der heiligste zugängliche Ort. Menschen stehen, sitzen, wiegen sich leicht, lesen Psalmen, sprechen leise oder laut mit Gott. So zynisch es klingen mag: Der ausbleibende Tourismus lässt Raum für echte Reiseerlebnisse – ich war schon öfters hier, aber noch nie habe ich das Leben an der Klagemauer so ungetrübt beeindruckend erlebt. Kein Drängeln, keine Millionen von Selfies, nur die Betenden, wir erleben ganz besondere Momente!

orthodoxe Juden beim Gebet an der Klagemauer

Orthodoxe Juden beim Gebet an der Klagemauer

Sven und Theresa in Jerusalem

Unsere WORLD INSIGHT-Guide Theresa führt uns durch die Geschichte Jerusalems

Unmittelbar über der Klagemauer liegt der Tempelberg, im Islam Haram al-Scharif genannt, mit dem Felsendom und der al-Aqsa-Moschee, zwei der wichtigsten islamischen Heiligtümer. Der Tempelberg steht unter muslimischer Verwaltung; jüdisches Gebet ist dort nicht erlaubt. Auch ohne Stacheldraht sind die unsichtbaren Grenzen zwischen jüdischem und muslimischem Glauben in dieser Stadt deutlich spürbar. Und doch: Es ist friedlich. Das Leben geht seinen Gang. Man spürt, dass sich die Menschen arrangiert haben – wissend, dass es auf beiden Seiten Hardliner gibt. „Die meisten jedoch, Juden wie Muslime, wollen einfach nur eines: in Frieden miteinander leben“ versichert uns Theresa. Wir spazieren durch enge Gassen, genießen die Sonne eines Januartages, essen für wenig Geld hervorragendes Falafel, Hummus und Shawarma in Theresas liebster „Hummusiya“ in Ostjerusalem und erreichen schließlich die Grabeskirche.

Im Souk in Jerusalem

Eine Hummusiya in Ost-Jerusalem

Erinnerung und Glaube sind allgegenwärtig

Glaube und Erinnerung sind in Jerusalem allgegenwärtig

Auch hier das gleiche Bild wie an der Klagemauer: Statt langen Schlangen von Touristen erwartet uns eine griechisch-orthodoxe Zeremonie: Männer in schwarzen Gewändern und mit langen Bärten singen Psalmen auf Altgriechisch. Weihrauch liegt schwer in der Luft, Glocken klingen gedämpft. Erst berühren die Priester den heiligen Felsen, auf dem das Kreuz Christi gestanden haben soll, dann die Gläubigen. Und weil heute niemand anstehen muss, denke ich mir, dass diese Berührung auch mir nicht schaden kann. Die Grabeskirche ist ein streng aufgeteiltes Mosaik verschiedener christlicher Strömungen: Griechisch-orthodoxe, römisch-katholische, armenische, syrische und koptische Christen teilen sich das Gebäude. Seit dem 19. Jahrhundert ist bis ins kleinste Detail festgelegt, wer welchen Bereich nutzt – selbst minimale Veränderungen können Konflikte auslösen. Unweigerlich fragt man sich, wie kleingeistig wir unsere Gottheiten gemacht haben und ich finde es fast schon blasphemisch, Schöpferinnen und Schöpfer einer so wunderbaren Welt in solch derart engstirnige Korsette zu zwängen.

Eine Katze in den nächtlichen Straßen Jerusalems

Nachts in den Straßen von Jerusalem

Nächtliches Treiben in Jerusalem

Nächtliche Szenen in Jerusalem

Das Gegenteil aller Spiritualität erleben wir dann am Abend auf dem Mahane-Yehuda-Markt. Tagsüber ist es ein klassischer Lebensmittelmarkt, der sich am Abend in eine Partymeile mit Bars, Musik und ganz viel Leben verwandelt. Hier treffen sich Studierende, Intellektuelle, Nachtschwärmer – Menschen jeden Alters, die offen für Begegnungen sind, auch für uns Reisende. Sven und ich sitzen keine fünf Minuten in einer Bar, da sind wir schon im Gespräch mit zwei Israelis. Ganz wie bei uns im weltoffenen Köln.

Straßenszenen in Jersualem

Junge Menschen auf den Straßen der Heiligen Stadt

Gruppe an jungen Menschen in Jerusalem

Junge Menschen auf den nächtlichen Straßen Jerusalems

Weite, Ruhe, landschaftliche Schönheit: Negev und Totes Meer

Nach unserem bewegenden Aufenthalt in Jerusalem reisen wir weiter in die Negev, die rund sechzig Prozent der Fläche Israels umfasst. Sie ist keine Wüste „aus einem Guss“, sondern ein geologisch hochkomplexer Raum, geprägt von tektonischen Bewegungen, Erosion und extremen Klimabedingungen. Kalkstein, Dolomit und Sandstein wurden über Millionen Jahre von Wasser und Wind geformt – eine Landschaft von spektakulärer Schönheit. Wir verlassen bei Arad die Straße 31 und fahren auf Schotterpisten in die karge Weite. Vor uns liegt der Jordangraben, Teil des großen Afrikanisch-Arabischen Grabenbruchs, der sich von Ostafrika bis in den Libanon zieht. Zuvor waren wir noch auf dem Gelände des Nova-Festivals, nahe Re’im, im sogenannten Gaza Envelope (Otef Aza). Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in diese Region – umso erstaunlicher, dort Reisebusse mit Touristen aus den USA und Mexiko zu sehen. Und natürlich Angehörige, die hier ihrer Liebsten gedenken. Wir haben uns bewusst darauf eingelassen, weil uns unsere israelischen Partner sehr gut vorbereitet haben: Überall stehen Schutzräume, die im Ernstfall innerhalb von etwa 30 Sekunden erreicht werden müssen. Die Menschen hier wirken dennoch erstaunlich gelassen. Man lebt in einem dauerhaften Spannungsfeld und geht auch in den umliegenden Kibbuzim seinem Alltag nach. Die Region gilt als eine der landwirtschaftlichen Kernzonen Israels. Für uns Europäer sind solche Bedrohungslagen schwer vorstellbar. Sven und ich sind auch deshalb hierhergekommen, um besser zu verstehen, wie sich das Leben vor Ort anfühlt – bevor man urteilt.

Plakat zur Geiselfreilassung nach den Anschlägen des 7.10.2023

Man sieht überall im Land noch die Auswirkungen des 07.10.2023

Die Wand hinter der Kaffeemaschine ist mit Bildern zu Opfern des Anschlags vom 07.10.2023 gepflastert

Der 07.10.2023 ist allgegenwärtig

Am Abend erreichen wir unsere Unterkunft „Top of the View“ in Metzoke Dragot. Es gibt zahlreiche Hotels am Toten Meer, doch viele davon empfinden wir als wenig ansprechend. Ein wichtiger Teil unserer Dienstreisen für World Insight ist die sorgfältige Begutachtung von Unterkünften: Was passt zu unseren Gästen, zu unserer Art zu reisen? Wir mögen es landestypisch. Große Hotelkomplexe internationaler Ketten mögen luxuriös sein, mit hunderten identischer Zimmer und garantiertem Meerblick – der Charme der großen Hotels am Toten Meer erinnert uns jedoch eher an die Idee der „Wohnmaschine“ eines Le Corbusier. Deshalb entscheiden wir uns für Metzoke Dragot: kleine, zweckmäßige Apartments, schlicht, aber schön, ein gemütliches Restaurant und ein Publikum, das zu unseren Gästen passt – entspannt, offen, lebensfroh, neugierig, normal. Erst am nächsten Morgen, beim Sonnenaufgang, offenbart sich die ganze Schönheit dieses Ortes: der Blick hinab in den Grabenbruch, die scharf geschnittenen Wadis Jordaniens, die aufgehende Sonne über dem Toten Meer. Ein Moment, den wir euch hoffentlich bald wieder erleben lassen können.

Videograf Sven bei der Arbeit

Unser Videgraf Sven bei der Arbeit am Toten Meer

Sven von hinten beim Filmen am Toten Meer

Beeindruckende Landschaften am Toten Meer

Die ältesten bekannten Abschriften des Alten Testaments

Die Entdeckung von Qumran gehört zu den archäologischen Sensationen des 20. Jahrhunderts – nicht, weil sie geplant war, sondern weil sie zufällig geschah. Im Jahr 1947 warf ein junger beduinischer Hirte in den kargen Hügeln oberhalb des Toten Meeres einen Stein in eine Höhle – und hörte das Klirren von Keramik. Was er fand, veränderte unser Verständnis der Bibel und des antiken Judentums grundlegend: Tonkrüge mit jahrtausendealten Schriftrollen. Es waren die später sogenannten Qumran-Schriften. Keine 20 Minuten Autofahrt von unserer Unterkunft „Top of the View“ entfernt, tauchen wir am Ufer des Toten Meeres in die 3.000-4.000 Jahre alte Geschichte ein.

Otfried in der Negev Wüste

Otfried in der Negev Wüste

Die Quelle Q

Fundstellen der Quelle Qumran

Es war vermutlich eine Gemeinschaft der Essener, die die ältesten bekannten Texte des Alten Testaments auf Schriftrollen übertrug. Eine Zeit, in der bereits die Maya-Hochkulturen in Zentralamerika, die Han-Dynastie in China und das Römische Reich im Mittelmeerraum existierte. Qumran hingegen war abgelegen, karg, lebensfeindlich. Gerade deshalb zog sich die Gruppe bewusst hierher zurück. Zwischen 20 und 50 Menschen lebten in Askese, in einem strengem Tagesrhythmus aus rituellen Waschungen, Studium heiliger Texte, präzisem Abschreiben und gemeinschaftlichen Mahlzeiten. Weil auch hier die großen Reisebusse und Touristen fehlen, können wir Reisende uns in die Zeit von damals leichter hineinversetzen: Die Stille tief unter dem Meeresspiegel, das aschfahle Licht, die kargen Felsen, daran hat sich auch in den Jahrtausenden nichts geändert. Während israelische Jugendliche Qumran an diesem Tag als Klettergarten nutzen, blicken Sven und ich von unten hinauf und fragen uns, wie die Essener es einst ohne Seil und Sicherung geschafft haben, die Schriftrollen dort oben zu verstecken.

Landschaft des großen Jordangrabens

Beeindruckende Landschaften im großen Jordangraben

Landschaften und Bewohner (Ziege) der Negev Wüste

Die Landschaft der Negev Wüste

Jerusalem betet, Tel Aviv lebt …

… sagen die Israelis, und allein dieser Satz drückt mehr aus als alle Daten und Fakten. Schon allein die geografische Lage am Mittelmeer verspricht Lebensfreude: Von den modernen Bürogebäuden „fällt“ man quasi auf den weitläufigen Strand, der sich an der Küste wie ein Teppich entlangzieht und nach Relaxen oder sportlichen Aktivitäten oder beidem schreit. Menschen joggen barfuß an der Promenade, mittags sitzt man in Straßencafés zwischen Laptop, Espresso und Meerblick, abends verwandeln sich ganze Viertel in eine Bühne aus Musik, Gesprächen und Licht. Architektonisch ist die Stadt ein Kontrastprogramm: In der „Weißen Stadt“ stehen Hunderte Bauhaus-Häuser, klar, funktional und doch voller Geschichte. Daneben wachsen moderne Glasbauten in den Himmel, während wenige Straßen weiter der Carmel-Markt laut, bunt und sinnlich pulsiert.

Stadtpanorama von Tel Aviv am Tag

Wo Jersualem alt ist, ist Tel Aviv modern und neu

Eindrücke aus Tel Aviv

Eindrücke aus Tel Aviv

Wir erreichen die letzte Station unserer kurzen Israel-Tour und sind mit Dany verabredet, Reiseleiter seit vielen Jahren, und weil die Zeit knapp ist, fokussieren wir unseren gemeinsamen Spaziergang auf Jaffa, der Altstadt. So jung Tel Aviv ist, so antik ist Jaffa, das als eine der ältesten historischen Hafenstädte der Welt gilt. Phönizier, Römer, Osmanen, Briten: Sie alle haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die Gassen sind eng, aus hellem Stein gebaut, abgenutzt von Jahrhunderten. Es riecht nach Meer, nach Kaffee, nach Gewürzen. Treppen führen scheinbar ziellos bergauf und wieder hinunter, vorbei an alten Holztüren, kleinen Galerien, Werkstätten und versteckten Innenhöfen. Am alten Hafen setzen wir uns in ein Café, blicken auf Fischerboote, Spaziergänger, Jogger und Musiker, und Dany beginnt, von seinem Leben im Kibbutz zu erzählen. Wie er als Jugendlicher eher zufällig dort landete, von der Schule, von der täglichen Arbeit – vor allem als Fischer auf dem See Genezareth. Er erzählt von den Nächten auf dem Wasser, von Lampen, die die Fische anlockten, von Netzen und der Ruhe vor dem Morgen. Er spricht vom Gemeinschaftsleben, vom Wohnen der Kinder in eigenen Häusern, vom Alltag ohne Geldbörse, vom Kino, von Vorträgen, Tanzabenden und Theater – von einem Leben, das vollständig gemeinschaftlich organisiert war und starken Zusammenhalt schuf. Und schließlich von der Veränderung der Kibbutzim heute: vom Abschied vom alten Idealismus, von wirtschaftlicher Realität, von Löhnen, Verantwortung und neuen Strukturen.

Videograf Sven im Gespräch mit Dany

Sven und Dany bei einem Gespräch über Geschichte, Politik und Verantwortung

Wal-Skulptur in Tel Aviv

Eindrücke aus Tel Aviv

Wir hören Dany gebannt zu und die Zeit vergeht wie im Flug. Tel Avivs Nachtleben beginnt und wir wollen an diesem Abend noch einen ganz besonderen Menschen treffen.

Blick auf die Skyline von Tel Aviv bei Nacht

Blick auf die Skyline von Tel Aviv bei Nacht

Von Herzen “Danke Oni” für deine Freundschaft

Oni wird an diesem Abend von Christina begleitet, unserer wunderbaren Country-Managerin in Israel. Wir sprechen über das Buch seiner Mutter, über das Wunder der deutsch-israelischen Freundschaft nach all den Gräueltaten unseres Volkes an Menschen jüdischen Glaubens. Wir sprechen über aktuelle Entwicklungen in Europa, über den wieder aufkeimenden Antisemitismus in der Welt. Natürlich sprechen wir auch über die schrecklichen Bilder aus Gaza – und darüber, wie kritisch viele Menschen in Israel ihre eigene Politik beleuchten, wie offen und ehrlich sie denken, wie bedroht man sich fühlt, teilweise auch von der Welt im Stich gelassen.

Sven und Otfried mit unseren Partnern Oni und vor Ort

Sven und Otfried mit unseren Partnern Oni und Christina vor Ort

An der Weltpolitik können wir nichts ändern, aber wir können dazu beitragen, nicht zu vergessen. Für mich persönlich bleibt die Erkenntnis, zwar keine Schuld am Holocaust zu tragen, aber als deutscher Staatsbürger in der Verantwortung zu stehen, Irit Amiel und allen jüdischen Menschen meinen Teil gegen ein Vergessen beizutragen. Dass mich Oni wie einen Freund empfängt, ist für mich nicht selbstverständlich und zeugt von großer menschlicher Größe. Auch er weiß: Ich bin ohne Schuld. Doch wie oft tragen Völker ihren Hass über Generationen weiter – gerade in heutiger Zeit.

Mit Dankbarkeit fliegen Sven und ich am Tag darauf zurück nach Deutschland. Israel ist kulturell und landschaftlich ein außergewöhnliches Reiseziel – und für uns Deutsche ein ganz besonderes. Wir hoffen, dass wir Israel bald wieder in unser Programm aufnehmen können, denn ein Reisekatalog ohne Israel wäre für uns nicht vollständig.

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