Reisebericht Albanien 19. September 2016

Das letzte Geheimnis Europas

WORLD INSIGHT Reisegast

Birgit Clauss hatte vor ihrer Reise nach Albanien keine Vorstellung von dem europäischen und doch so unbekannten Land. Klare Bäche, liebevoll renovierte Altstädte und ein herrliches Bergpanorama haben sie überzeugt.

Unsere Reise nach Albanien startet am 21.April. Wir haben keine Bilder im Kopf von diesem gar nicht weit entfernten und uns trotzdem unbekannten Land und so sind wir gespannt, was uns erwartet. Am Flughafen von Tirana werden wir von unserem Reiseleiter Bruno empfangen und wir fahren los nach Shkodra. Als wir dort gemütlich in einem Restaurant am See sitzen, bekommen wir den ersten Eindruck von der großartigen Landschaft, die Albanien zu bieten hat. Hinter dem blauen See erheben sich die schneebedeckten Berge. Von der Burg oberhalb Shkodras sieht man auf weite Täler, durch die sich breite Flüsse in ihrem natürlichen Flussbett schlängeln. In unserem Hotel, das wie ein Kleinod zwischen den hohen Gebäuden liegt und liebevoll restauriert ist, werden wir freundlich empfangen. Natürlich hat der sozialistische Baustil seine Spuren in der Stadt hinterlassen, aber die Fußgängerzone ist schön renoviert. Dicht nebeneinander gibt es eine Moschee, eine orthodoxe und eine katholische Kirche. Hier ist ein friedliches Nebeneinander der Religionen möglich.

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Wie mit Puderzucker überzogen: Die Berge sind auch im April noch mit Schnee bedeckt.

Am nächsten Tag geht es auf einer abenteuerlichen Straße durch eine wunderschöne Landschaft zum Koman-See. Die große Fähre verkehrt im April noch nicht und so haben wir für die zwei Tage im Valbona-Tal einen Rucksack gepackt und steigen in ein kleines Boot. Noch ist Vorsaison und wir sind ganz alleine in der Schlucht unterwegs – wir genießen die Ruhe und das Panorama. Im Guesthouse werden wir von unserer deutschen Wirtin empfangen. Von ihr können wir aus erster Hand etwas über das Leben im Valbona-Tal erfahren. Die erste große Wanderung führt uns, umgeben von schroffen schneebedeckten Bergen, über steile Wanderpfade Richtung Shepards Hut Pass. Leider schlägt das Wetter um und wir müssen vorzeitig umkehren. In einem kleinen Bergbauernhof machen wir Rast. Kaum sitzen wir auf der überdachten Terrasse, fängt es an zu regnen. Der freundliche Besitzer schenkt uns Tee und Kaffee ein und wir trinken zum ersten Mal den berühmten Raki. Die Stimmung steigt und wir machen uns beschwingt auf den Rückweg. Auch der abendliche Stromausfall stört uns nicht. So essen wir eben bei Kerzenschein.

Am nächsten Tag ist das Wetter nicht besser und mit 11°C auch recht kalt. Trotzdem müssen wir mit dem offenen Boot die 2 1/2 Stunden über den Koman-See zurück zu unserem Bus. Wir ziehen alles, was wir dabei haben übereinander an. Der Kapitän spendiert uns, um 9 Uhr morgens, einen Raki – er soll warme Füße geben – und so wird es trotz Kälte und Regen eine lustige Bootsfahrt. Sie wird uns bestimmt unvergesslich bleiben. Als wir, vermummt bis zur Nasenspitze, durchgefroren am Bus ankommen, heizt unser Busfahrer Xhani kräftig ein so dass uns schnell wieder warm wird.

In Kruja, unserem nächsten Ziel, erleben wir den Stolz der Albaner auf ihren Nationalhelden Skanderbeg. Er war nur 25 Jahre in der langen Geschichte der Skipetaren, der „Söhne des Adlers“, an der Macht, hat aber durch sein militärisches und diplomatisches Geschick einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Unser Hotel liegt direkt am alten Basar, durch den man abends noch bummeln kann.

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Kunstvolle Teppiche wie auf diesem Bild verführen nicht selten zu einer authentischen Shopping-Tour.

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Der Turm einer Moschee ragt aus dem Häusermeer: Nach der Türkei und Kosovo ist Albanien das europäische Land mit dem dritthöchsten muslimischen Bevölkerungsanteil.

Die Besichtigung der Altstadt von Berat gleicht schon fast einer Bergtour. Es geht durch steile Gassen bergauf und bergab und zum Schluss noch auf die Burg hinauf. Die Altstadt ist schön renoviert und jede Ecke bietet neue Fotomotive.

Der Ohridsee ist ein weiteres Highlight. Das Wetter zeigt sich inzwischen wieder von seiner sonnigen Seite. Wir übernachten im hübschen Badeort Tushemisht. Über Nacht hat es in den Bergen geschneit und die Gipfel rund um den blauen See sind schneebedeckt. Wir sind gespannt, ob wir unsere Wanderung im Galicica-Nationalpark, die bis auf 2000 m Höhe geht, überhaupt machen können. Der Grenzübertritt nach Mazedonien gestaltet sich recht langwierig, obwohl wir die einzigen sind, die die Grenze passieren möchten. Wir warten eine halbe Stunde und nur mit viel Bakschisch werden wir schließlich durchgelassen. Die Stadt Ohrid in Mazedonien mit ihren vielen großen und kleinen byzantinischen Kirchen, einem Amphitheater und einem herrlichen Blick über den See ist wunderschön, genauso wie die Bootsfahrt zum Kloster Sveti Naun.

Am Nachmittag fahren wir dann tatsächlich in den Galicica-Nationalpark auf 1600 m Höhe. Auf dem Wanderweg liegt teilweise Schnee. Trotzdem stapfen wir los und obwohl es zeitweise durch 20 cm tiefen Schnee geht, schaffen wir es auf den Gipfel. Der Blick auf den Ohrid- und Prespasee ist überwältigend. Wir sind, trotz teilweise durchnässten Schuhen, stolz und glücklich, diese Wanderung gemacht zu haben.

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Für eine atemberaubende Aussicht tut man alles, auch durch 20 cm hohen Schnee stapfen.

In Korca möchten wir eine orthodoxe Kirche besichtigen, in der gerade ein Gottesdienst stattfindet. Durch den Gesang ist die Atmosphäre besonders schön und wir bleiben lange stehen, um diesen Moment zu erleben. Weiter geht es Richtung Permet. Die Straße dorthin ist ein echtes Abenteuer: Zuerst geht es in Schlangenlinien über eine Schotterpiste, um den größten Schlaglöchern auszuweichen, dann geht es stundenlang in Serpentinen bergauf und bergab durch eine fast menschenleere, grandiose Landschaft. Wir bewundern mit welcher Ruhe und Sicherheit unser Fahrer Xhani diese kurvenreiche Strecke fährt und dabei noch gut gelaunt ist. Die vorgesehene Wanderung durch eine Schlucht ist leider nicht möglich, da der Fluss zu viel Wasser führt. Dafür ist das Bad in den warmen Quellen umso schöner. In Permet holt uns der Sozialismus mit seinen Bauwerken wieder ein. Die versteckt auf einem Berg liegende Leusa-Kirche mit ihren Wandmalereien ist jedoch ein Kleinod, das wir ohne unseren Reiseleiter Bruno nie gefunden hätten.

Girokastra ist der schönste Ort, den wir besuchen. Dort bummeln wir durch die Altstadt und sitzen gemütlich im Straßencafe. Bei endlich wieder blauem Himmel genießen wir den Blick auf die Stadt und die Landschaft mit weiten Tälern und schneebedeckten Bergen. Die Quelle Syri i Kalter – blaues Auge – trägt ihren Namen zurecht. Das Wasser schimmert fast unwirklich in allen Blauschattierungen zwischen einer üppigen Vegetation. Dies ist der einzige Ort in Albanien, den wir mit zwei anderen Reisebussen teilen. Albanische Jugendliche auf einem Schulausflug machen lautstark mit viel Gelächter an den unmöglichsten Stellen und in den unmöglichsten Positionen Selfies, so dass sie fast ins kalte Wasser fallen – Jugendliche sind eben überall gleich.

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Reiseleiter Bruno zeigt unseren Reisegästen auch versteckt liegende Ausgrabungsstätten.

Antike Ausgrabungsstätten hat Albanien ebenfalls zu bieten. In Butrint, genauso wie einige Tage später in Apollonia, macht Bruno eine interessante, fachkundige Führung und zeigt uns auch Ausgrabungen, die versteckt liegen und nicht beschildert sind. Nach so viel Kultur haben wir einen Nachmittag am Meer verdient. Der Strand mit karibischem Flair verlockt uns in das kristallklare Wasser zu springen, obwohl die Temperatur des Meeres noch recht frisch ist.

Eine Wanderung zu einem Bergdorf beschert uns noch ein weiteres schönes Erlebnis. Bei der Besichtigung der kleinen Kirche erscheinen der Mesner und kurz darauf seine kleine, lebhafte Frau. Sie fordert Bruno auf, für uns zu übersetzten und setzt zu einem Redeschwall an. Bruno hat fast keine Chance zu Wort zu kommen, während ihr Mann geduldig danebensteht und ab und zu lächelnd mit dem Kopf schüttelt. Bei diesem glücklich wirkenden, alten Ehepaar weiß man, wer das Sagen hat. Mit Musik, die aus den Gärten klingt und dem Duft von gebratenem Lamm – es ist das orthodoxe Osterfest – machen wir uns beschwingt auf den Rückweg. Leider schlägt das Wetter wieder um und es beginnt zu regnen. So können wir die geplanten Wanderungen im Llogara-Nationalpark nur verkürzt und unter erschwerten Bedingungen machen.

Zum Schluss der Reise besichtigen wir Tirana. Auf den ersten Blick eine laute, verkehrsreiche Stadt. Auf den zweiten Blick eine sympathische Stadt, die ihre Vergangenheit nicht verdrängt, sondern ihr mahnende Denkmäler setzt. Sie lenkt den Blick in eine bessere Zukunft und lässt die Bevölkerung über die Entwicklung mitentscheiden. Die vielen jungen Menschen machen eine Aufbruchsstimmung sichtbar, die sich in Albanien hoffentlich verwirklichen lässt.

Natürlich gehören zu Albanien die vielen, in sozialistischer Zeit gebauten, renovierungsbedürftigen Wohnblöcke, die verfallenen und verrosteten Industrieanlagen, die halb fertig gestellten Häuser und die Bauruinen, vor allem im Großraum Tiranas, genauso wie die Bäche und Flüsse, an deren Uferböschung der Müll hängt. Bettelnde Kinder schickt Bruno energisch weg mit der Aufforderung, lieber in die Schule zu gehen und zu lernen als zu betteln. Betreten gehen die Kinder dann fort.

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Auf Reisen in Albanien wandern die Blicke oft auf weite Seen und schneebedeckte Berge.

Mir aber bleibt vor allem die herrliche Bergwelt mit ihren klaren Bächen, die weiten Täler, die freundlichen Menschen, die liebevoll renovierten Altstädte und Hotels, die vielen Kulturgüter und das gute Essen in Erinnerung. Immer wieder wurden wir von Einheimischen angesprochen, woher wir seien und blickten in strahlende Gesichter, wenn wir sagten, wie schön dieses Land sei. Wer gerne in den Bergen wandert – hohe Trekkingschuhe sind empfehlenswert – wird bei dieser Reise voll auf seine Kosten kommen. Von Bruno, unserem sympathischen Reiseleiter, der alle Führungen, bis auf die in Mazedonien, selbst gemacht hat, haben wir viel über Land und Leute erfahren. Er war überall bekannt und ermöglichte uns bei vielen Gelegenheiten, in Kontakt mit den Menschen zu kommen. Xhani, unser immer gut gelaunter Busfahrer und stiller Held, hat uns mit großer Gelassenheit über die schwierigsten Bergstraßen gefahren. So hat uns diese Reise durch ein unbekanntes Land viel Spaß und viele neue Erfahrungen gebracht.

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