13. November 2020 Neu denken, bewusst reisen

Das Rad des Konsums verlangsamen

Otfried Schöttle

Nachhaltigkeit darf kein Luxus sein. Aber Nachhaltigkeit ist immer ein Problem, solange in Masse produziert und konsumiert wird, meint unser Geschäftsführer Otfried Schöttle und zieht Schlüsse.

Viel Geld zu verdienen war nie mein Anspruch. Schon immer wollte ich mit WORLD INSIGHT schöne Reisen machen – echte Substanz eben. Durch unseren direkten Vertriebsweg auch zum sehr guten Preis. ReiseleiterInnen und andere Leistungsträger fair zu entlohnen war und ist für uns nicht nur Ehrensache, sondern auch Teil unseres Qualitätsmanagements: Einen Guide, den du nicht gut behandelst oder schlecht bezahlst, macht für dich auch keine „Reisen mit Herz“ – und damit werben wir unter anderem.

Unsere Reisen haben jedes Jahr mehr und mehr Menschen gefallen. Die Teilnehmerzahlen pro Jahr stiegen ebenso wie die Anzahl der MitarbeiterInnen. Die Banken gratulierten uns zu unseren Zahlen, auch, weil wir immer solide wirtschafteten. Und dann ertappt man sich selbst: Man findet Gefallen an dem steten Wachstum und das Rad dreht sich immer schneller und schneller.

Digitalisierung muss den Menschen dienen und nicht umgekehrt

Corona hat uns deshalb nicht nur Lasten auferlegt, sondern auch Chancen gezeigt. Die Chance zum Innehalten und Nachdenken. Wir mussten harte Entscheidungen treffen, das Team verkleinern, damit das Unternehmen nicht auf Sand gebaut ist, wenn es wieder losgeht. Unsere Verbindungen mit unseren Partnern weltweit haben wir weiter verstärkt: Viele Anzahlungen ließen wir vor Ort und anders als andere Unternehmen, die ihr Fernreiseprogramm auf ein Minimum beschränkt haben, blieben wir in der gesamten Welt stark. Einmal, weil wir glauben, dass mit dem absehbaren Impfstoff eine Wende kommt und viele Länder wieder bereisbar werden. Zum anderen aber auch als wichtiges Zeichen gegenüber langjährigen Partnern, dass wir sie nicht einfach vergessen, nur, weil man vielleicht hier im kommenden Jahr nichts erwirtschaften kann. Ich erinnere mich an den Tsunami im Jahr 2003: Die Spendenaktionen waren ohne Frage gut und richtig, viel wichtiger waren für die einheimische Bevölkerung jedoch die ersten Gäste – nicht, weil sie viel Geld brachten, sondern weil es ein Zeichen dafür war, dass es wieder vorwärtsgeht.

Eine weitere Maßnahme im Zusammenhang mit Corona war der Ausbau von Europareisen – auch wenn dieser schon vor Corona auf der Agenda stand, so wurde er durch die Pandemie beschleunigt. Aber: Wir haben diesen immer nach dem Motto „weniger ist mehr“ betrieben. Lieber langsam Reiseziel für Reiseziel neu aufbauen, dafür mit ganz viel Liebe zum Detail. Es sind Reisen entstanden, die alle in ihrer Art einzigartig sind, wo man Land und Leute wirklich erlebt; viel Gehirnschmalz ist geflossen, viel wurde mit den Partnern vor Ort diskutiert, bis wir die tatsächlich besten Touren hatten, echte Erlebnisreisen eben. Die Feedbacks von Reisegästen, die von diesen Touren zurückkehrten, sind entsprechend begeistert – so etwas ist durch nichts zu bezahlen!

Thema digital: Es ist in aller Munde! Aber wofür wollen wir digitalisieren? Um noch effektiver zu sein? Um Gewinne zu maximieren? Wir haben für uns entschieden, dass unsere Digitalisierung Menschen dienen soll. Heißt, es soll Prozesse einfacher machen, es soll einen Wust an Papier vermeiden, es soll aber nicht Menschen abschaffen und durch Maschinen ersetzen. Deshalb wird es auch bei uns zukünftig so sein, dass wir dich persönlich als Mensch beraten und nicht lapidar die Information geben, „alle Infos findest du im Internet…“

Die Welt groß lassen – aber mit dem richtigen Bewusstsein

Wir können die Welt nicht komplett verändern, aber zumindest Anstöße geben: Während Corona wollten und wollen wir zu Zeiten, in denen es überall heißt „bleib Zuhause“ die Welt durch unsere Artikel und die Worte unserer Partner groß lassen, damit wir diese nicht vergessen. In den Zeiten danach möchten wir durch unsere Reisen ein Bewusstsein des Genießens und nicht des Konsumierens beim Reisen schaffen. In ein Flugzeug zu steigen ist per se umweltschädlich, aber es ist auch nicht verdammungswürdig, wenn man es in einem Maße betreibt, dass wir nicht heute hier, morgen dort sein müssen: Der Kurztrip auf die Malediven muss wirklich nicht sein, den Genuss des Entdeckens von anderen Ländern und Kulturen wollen wir uns aber nicht nehmen lassen. Deshalb bleiben unsere Reisen immer überdurchschnittlich lang und inhaltlich spannend, damit du dein Reiseziel wirklich erlebst.

Das Gleiche gilt für das Thema Fleischverzehr, Kleidung, Smartphone etc. Man muss auf ein gutes Steak nicht verzichten, wenn man weiß, das Tier wurde zu Lebzeiten gut behandelt. Oder die Milch zum Kaffee? Von einer Kuh auf der Weide, die nicht ständig künstlich befruchtet wird, ist es ein Genuss ohne faden Beigeschmack. Eine Uhr oder ein Smartphone, das repariert werden kann und ganze lange hält – das klingt für mich nachhaltig!

Was tun? Wirklich leben und auf Qualität statt nur auf Zahlen schauen

Für mich persönlich heißt das: Meine 10 Kilometer zur Arbeit fahre ich täglich mit dem Rad, Fleisch gibt es vom Biobauern einmal pro Woche, Gemüse je nach Saison vom Bauern aus dem Bergischen, Milchprodukte nur aus nachhaltiger Tierhaltung, wo ich die Haltung kenne.

Für unser Unternehmen bedeutet es: Wirkliche Erlebnisreisen zum Ankommen, die möglichst nachhaltig sind, Sensibilisierung der Partner vor Ort für das Thema, ReiseleiterInnen und andere Leistungsträger, die fair entlohnt sind, für unsere Gäste jederzeit ehrliche Leistung zum ehrlichen Preis, weiter keinerlei Reisevermittler, damit Geld in faire Leistung und nicht in den Verkauf fließt. Büro intern: Umstellung aller Dienstwagen auf Elektro, Möglichkeiten zu Dienstfahrrädern, weniger Papier durch Digitalisierung und gute Behandlung eines nun etwas kleineren, aber sehr feinen Teams, hinter dem ich 100prozentig stehe!

2020 waren durch Corona unsere Gästezahlen natürlich unbefriedigend und wir erwarten auch für 2021 nicht die Zahlen von 2019 – aber sind diese Zahlen wirklich wichtig? Viel wichtiger ist für uns, dass du begeistert und mit vielen neuen Eindrücken von deiner Tour zurückkommst. Und mit einem glücklichen Lächeln! Für den Moment müssen wir alle die Zahl der Covid-19-Infektionen reduzieren, anschließend wäre es mindestens genauso wichtig, das Rad des Konsums zu verlangsamen. Das bedeutet nicht den völligen Verzicht, aber bewusstes Denken, Handeln und auch genießen; so springen wir dem Konsum von der Schippe – das tut nicht nur dem Planeten gut, sondern auch uns selbst.

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