Reisebericht Kirgistan 27. Oktober 2023

Auf den Spuren der Nomaden: Eine Reise durch das Herz Kirgistans

WORLD INSIGHT Reisegast

Komm mit unserem WORLD INSIGHT-Reisenden Klaus auf ein Abenteuer in Kirgistan: Berge, Nomaden und die Seidenstraße erwarten dich.

Schon vorab mein endgültiges Urteil: Diese Reise war eine der schönsten, die ich jemals mit WORLD INSIGHT unternommen habe, und das will wirklich etwas heißen, denn diese Tour war schon meine zehnte Reise mit Euch!

Klare Sicht in Bischkek: Das Brillen-Malheur

Die Wahl der Fluglinie „Turkish Airlines“ ist goldrichtig, denn mit der Pünktlichkeit und dem Service an Bord kann man absolut zufrieden sein. Obwohl der Flug von Frankfurt nach Istanbul nur rund zweieinhalb Stunden dauert, erhält man ein warmes Essen und ein Fläschchen Wein gibt’s kostenlos obendrauf. Gleiches gilt für den Weiterflug nach Bischkek.

Die Ankunft in der kirgisischen Hauptstadt beginnt allerdings für mich mit einem Malheur. Um besser schlafen zu können, hatte ich meine Brille in das Ablagefach vor mir im Flieger abgelegt. Ich muss mich wohl im Schlaf etwas zu viel bewegt haben, denn als ich aufwache, besteht meine dringend benötigte Brille (-11 Dioptrin links und -9 Dioptrin rechts) aus zwei Teilen; der Steg in der Mitte ist gebrochen. Die rasche Suche nach der Ersatzbrille im Koffer am Flughafen bringt nichts, so muss ich mich bis zur Ankunft im Hotel gedulden, um endlich wieder normal sehen zu können. Natürlich informiere ich sofort unsere Reiseleiterin Gülsada, die sich der Sache annehmen will. Zum Glück gibt es am Rande des von uns spätnachmittags besuchten Basars einen richtigen Optiker. Die Optikerin bricht die Gläser aus meinem alten Gestell heraus, ich darf mir ein passendes Kunststoffgestell aussuchen und die Gläser werden darin eingepasst. Um die restliche Gruppe nicht zu lange warten zu lassen, vereinbart Gülsada mit der Optikerin, dass diese die fertige Brille per Taxi ins Restaurant nachschicken soll, in dem wir an diesem Abend speisen. Alles klappt wie am Schnürchen, vor allem durch die Übersetzungs- und Organisationsleistung unserer Top-Reiseleiterin. So habe ich bereits am ersten Abend unfreiwillig mein erstes „Souvenir“ aus Kirgistan, gekostet hat mich das Malheur 22,50 € (20 € + 2,50 € Taxikosten). Ein ganz dickes Lob an unsere Powerfrau Gülsada!

Bischkek, die Hauptstadt von Kirgistan, die wir an diesem Nachmittag ausführlich durchstreifen, entspricht ehrlicherweise nicht ganz meinem Geschmack, natürlich gibt es in der 1,5-Millionen-Metropole alles, aber die architektonischen Sehenswürdigkeiten halten sich doch eher in Grenzen. Vielmehr atmet die Stadt (Post-)Kommunismus mit ihren grau-weißen Repräsentationsbauten, sogar ein Lenin-Denkmal ist noch aufgestellt. Die von World Insight ausgesuchten Restaurants sind jedoch sehr gut, und erfreulich ist auch, dass unser Reiseveranstalter fast immer die Essenskosten übernimmt. Erlebenswert ist in der Tat auch der Basar mit seinem breiten Angebot etwa an getrocknetem Obst und Zigaretten, die einzeln verkauft werden.

 

Ein Zigaretten-Verkäufer in Bischkek.

 

Serpentinen und Bergpanoramen 

Am nächsten Tag fahren wir 11, aufgeteilt auf zwei Mercedes Sprinter, mit den Fahrern Ernesto und Tokto Bek – welch kluge Entscheidung angesichts der meisten Straßen hier und der zu überwindenden Steigungen – eine Stunde zum Nationalpark Ala Artscha. Statt Picknick erhalten wir ein Lunch-Paket, von Gülsada und ihrem Mann selbst liebevoll zubereitet. Beim Abendessen in Hotelnähe muss Gülsada tatkräftig beim Lesen der Speisekarte helfen, denn diese gibt es nur auf Kyrillisch. Das Hotel „Garden“ erfüllt hohe Ansprüche. Gleich daneben gibt es einen „Globus“-Supermarkt, die Flasche Bier bekommt man hier für 70 bis 90 Som (rund 74 bis 95 Cent).

Die mittägliche Einkehr bei Nomaden am nächsten Tag erfüllt unsere Erwartungen voll und ganz. Der traditionelle Kurut, ein Trockenkäse, ist jedoch nicht nach jedermanns Geschmack. Die ganztägige Fahrt durchs Gebirge über gar nicht so viele Kilometer (ca. 300) lässt uns erstmals die Größe des Landes erahnen. Wir übernachten an einem großen Stausee in einem einfachen Gästehaus.

Auch der nachfolgende Tag ist wieder fast ein kompletter Fahrt-Tag. Die abendliche kurze Wanderung zum kleinen Wasserfall am Stadtrand von Arslanbob ist durchaus der Mühe wert, geht doch der Weg vorbei an einer Vielzahl von Ständen, die allerdings fast nur Krimskrams feilbieten. Einige von uns treffen eine junge Frau, die etwas Deutsch spricht und erzählt, dass sie mehrere Monate in Deutschland gearbeitet habe. Wir führen einen kleinen Smalltalk mit ihr.

Eine freundliche Verkäuferin auf dem Basar kann sich ein wenig auf Deutsch mit uns unterhalten.

 

Die Wanderung am kommenden Tag kann sogar ich mitmachen, da es nur allmählich, wenn auch stetig bergauf geht. Bis zum eigentlichen Wasserfall gelangen aber nur die Sportlichsten unserer Kleingruppe von 11 Personen. Nachmittags geht es dann, als von Gülsada organisiertes Zusatzprogramm, per Jeeps zum Walnusswald und zu einem schönen Aussichtspunkt, dessen Attraktion eine motorbetriebene Schaukel ist, die einen ganz schön in die Luft schleudert, was vier Mitreisende inklusive mir, Gülsada und Fahrer Tokto Bek, bestätigen können. Die Unterkunft bei einer usbekischen Familie ist zwar einfach, aber vollauf genügend, die Gemeinschaftsdusche ist warm und funktioniert anstandslos. Auch das Essen ist passabel und landestypisch. Überhaupt werden wir auf dieser Reise nahezu alle für Kirgistan typischen Gerichte verkosten dürfen. Berühmt sind etwa die Teigtaschen mit Rindfleischfüllung.

Zum folgenden Fahrttag kann berichtet werden, dass es wirklich traumhaft schöne Serpentinenstraßen sind, wo wir immer wieder auf den Pässen an den richtigen Stellen Fotostopps einlegen.
Die Gebirgslandschaften sind total beeindruckend. Da diese Passstraßen nahezu durchgängig Schotterpisten sind, gilt es jedoch immer rechtzeitig das Fenster hochzukurbeln, um nicht zu viel Staub schlucken zu müssen. Mit einem normalen Reisebus wären diese Straßen niemals zu erklimmen.

 

Kirgistan ist für seine atemberaubenden Landschaften bekannt. Auf unseren Fahrten durchs Land sehen wir majestätische Berglandschaften, weite Täler und beeindruckende Schluchten.

 

Nomadenleben am Söngkul-See

Für das mittägliche Picknick hat Gülsada gut und reichlich eingekauft. Das Wasser des an unserem Picknickplatz vorbei fließenden Baches ist so klar, dass man bedenkenlos seine Wasserflaschen darin auffüllen kann. Die Idee eines „Bergfestes“ am achten Tag unserer Reise am höchsten Pass von ca. 3500 Metern mit einem Glas Sekt und Gruppenbild finden wir alle großartig. Vielen Dank für das zugeschickte Gruppenbild zu diesem Anlass!

Das uns erwartende Jurtenlager am Songkülsee ist erstaunlich gut ausgestattet mit richtigen Sitz-Toiletten und warmen Duschen. Die zwei Nächte mit zwei anderen Männern gestalten sich problemlos, auch zwei Frauen teilen sich je eine Jurte. Was unser Kälteempfinden angeht, meinen es die Nomaden jedoch etwas zu gut mit uns. Als wir nach dem Abendessen in unsere Behausungen zurückkehren, hat das Personal den in der Jurte befindlichen Ofen so angeheizt (rein ökologisch mit Kuhdung!), dass innen fast Sauna-Temperaturen herrschen. In dieser Nacht schlafe ich auf- und nicht unter der Bettdecke. Für die nächste Nacht bitten wir Männer darum, das Einheizen bitte zu lassen, unsere Damen machen von dem Angebot aber gerne wieder Gebrauch.

 

Die Geschichte der Jurtencamps reicht Jahrhunderte zurück. Als nomadisches Volk lebten die Kirgisen in Jurten, um den Bedingungen des wechselnden Klimas und der saisonalen Tierweidebedürfnisse gerecht zu werden.

 

Statt der Wanderung zu den Petroglyphen mache ich am Folgetag Fotos in der Ebene. Die Szenerie dort am Söngkul-See ist ja auch wirklich idyllisch. Friedlich grasende Ziegen, Pferde und Kühe, die nichts aus der Ruhe bringen kann. Ein schöneres Tierleben ist kaum vorstellbar.

Am Nachmittag „reiten“ – nun ja, die Pferdegangart ist eher Schritt – begleitet von richtigen Reitern, einige von uns zum benachbarten Jurtenlager. Nach dem kleinen Ausflug erwartet uns im eigenen Lager ein echtes Spektakel!

Für unser und das Nachbar-Jurtenlager werden Nomaden-Spiele organisiert und ausgetragen. Als Erstes gibt es die „Mädchenverfolgung“. Dabei muss ein Reiter das etwa 50 Meter vor ihm reitende Mädchen einholen. Schafft er es, bekommt er einen Kuss von ihr, schafft er es nicht, bekommt er Peitschenhiebe. Krass!

 

Die „Mädchenverfolgung“ dient nicht nur der Unterhaltung, sondern kann auch als eine Möglichkeit zur Partnerfindung dienen.

 

Beim zweiten Spiel ringen zwei Reiter auf den Pferden sitzend einander nieder, Verlierer ist natürlich der, welcher zu Boden geht. Das tollste Spiel allerdings ist, nach meiner Bezeichnung, „Hammel-Polo“. Dabei kämpfen zwei Mannschaften zu je sechs Reitern um einen Hammelbalg. Dieser wird vom Schiedsrichter am Spielfeldrand ausgelegt, dann preschen alle 12 Reiter darauf zu und versuchen sich gegenseitig den Balg abzujagen; ein Tor erzielt diejenige Mannschaft, der es gelingt, den Balg in einen alten Autoreifen zu werfen. Die beiden Mannschaften „Druschba“ (russisch für „Freundschaft“) und „Song-Kül“ kämpfen verbissen und ernsthaft gegeneinander; es ist also bei weitem nicht nur eine Show für uns Touristen, wie uns Gülsada, die leidenschaftlich anfeuert, glaubhaft versichert. Mit einer großen Fotoausbeute bereiten wir uns allmählich aufs Abendessen vor. Dabei erfahren wir, dass es sogar eine Weltmeisterschaft in diesen Nomadenspielen gibt, und Kirgistan ist immer ganz vorne mit dabei.

 

Gedränge beim Nomadenpolo. Neben Spiel und Spaß wird die Reitfertigkeit gefördert und die Gemeinschaftsbindung gestärkt.

 

Kirgisische Kultur-Erlebnisse: Filz und Folklore

Und wieder hat uns die Straße. Bergab besteht der Belag oftmals nicht nur aus hellem Schotter. Wieder einmal an den richtigen Stellen (Gülsada kennt die Strecke wirklich in- und auswendig) legen wir unsere Fotostopps ein. Um die Mittagszeit besuchen wir den Tiermarkt in Kotschkor. Meiner Meinung nach jedoch interessanter ist die Filzproduktion, die uns in der Frauenkooperative vorgeführt wird, wobei wir ausdrücklich zum Mitmachen, wie dem Aufstampfen auf dem gerollten Filz nach Musik, aufgefordert werden. Die geschäftstüchtigen Frauen verkaufen – zu absolut fairen Preisen – kleine Souvenirs aus Filz, so erstehe ich ein kleines Männchen aus diesem Material. WIE günstig in der Tat die Souvenirs sind, soll sich später in einem Souvenirgeschäft in der Stadt Karakol zeigen, wo für vergleichbare Sachen das Fünf- bis Sechsfache verlangt wird.

Das Highlight an diesem Tag ist der Folklore-Abend mit einem gemischten Quartett (2 Männer und 2 Frauen). Nach einem langen Zitat aus dem Hauptwerk des Dichters Manas, bei dem der Vortragende beinahe in Trance verfällt, folgen etwa eine dreiviertel Stunde lang wunderschöne Gesänge und Instrumentalstücke auf typisch kirgisischen Instrumenten, wie einer Art dreisaitiger Gitarre, verschiedenen Flöten und Maultrommeln. Die Erläuterungen der Chefin des Quartetts werden trefflich von Gülsada übersetzt. Das Konzert in der Jurte ist wahrlich ein Augen- und Ohrenschmaus. Leider haben die an der örtlichen Musikschule ausgebildeten Musiker keine CD im Angebot, sondern nur kleine Souvenirs und Postkarten. Noch lange haben wir die authentischen kirgisischen Klänge im Ohr.

 

Folkloreabende in Kirgistan sind lebendige Veranstaltungen, bei denen traditionelle Musik, Tänze und Geschichten aus der kirgisischen Kultur präsentiert werden.

 

Die Künste der Nomaden: Jurtenbau und Adlerjagd

Am kommenden Tag besuchen wir ein Dorf, in dem vor allem die Kunst des Jurten-Machens ausgeübt wird. Die Handwerker müssen in Handarbeit und mit großem Geschick viele einzelne Schritte ausführen, bis ein solches Gebilde fertiggestellt ist; kein Wunder, dass eine Jurte, je nach Größe, mehr als 10.000 € kosten kann.
Im Anschluss zeigt uns ein Adlerjäger seine Künste. Schon im Alter von wenigen Wochen hat er das weibliche Tier aus dem Horst entnommen, langsam an den Menschen gewöhnt und den natürlichen Instinkt des Adlers zur Jagd für seine Zwecke einzusetzen verstanden. Natürlich ist für jeden von uns ein Bild mit Adler auf dem Arm Pflicht. Auch in die Kunst des Bogenschießens weist uns der Adlerjäger mit seinen zwei Begleitern kurz ein; gar nicht so einfach, die Scheibe in 10 Metern Entfernung zu treffen, „in echt“ wird auf 60 Meter Entfernung geschossen.

 

Die erfahrenen Falkner trainieren die majestätischen Steinadler, um Beute wie Füchse und Hasen in den bergigen Regionen Kirgistans zu jagen. Mit der Tradition erhalten sie die enge Verbindung zur Natur und zur kirgisischen Kultur.

 

Vom Märchenwald nach Karakol

Heute unternehmen wir einen kurzen Abstecher zu den von Gülsada als „Märchenwald“ beschriebenen wundersam anmutenden Felsformationen. In der Tat verzaubern die verschieden farbigen Felstöne uns Touristen. Mit etwas Fantasie sind Gesichter zu erkennen.

 

Die bizarren Felsformationen in der Märchenschlucht Skazka sind das Ergebnis jahrtausendelanger Erosion und geologischer Prozesse.

 

Für das Picknick hat unsere Reiseleiterin wieder ein sehr schönes Plätzchen ausgesucht und bestens eingekauft. Die Wanderung danach mache ich nur ein Stück weit mit.

In der Stadt Karakol schaffen wir es gerade so, noch Einlass in die hölzerne russisch-orthodoxe Kirche zu erhalten, in der leider nicht fotografiert werden darf.
Die dunganische Moschee darf nur von außen besichtigt werden, den Frauen ist das Tragen eines Kopftuchs vorgeschrieben. Wie uns Gülsada erläutert, handelt es sich bei den Dunganen um eine Mischung aus Arabern und Chinesen, die schon seit dem 19. Jahrhundert hier in Kirgistan leben und eine der ca. 80 Ethnien des Landes bilden. Vielfalt der Religionen!

 

Der Jeti Oguz Canyon bei Karakol beherbergt einzigartige Felsformation aus tertiären roten Konglomeraten – Sedimentgestein aus der Tertiärzeit. Die Tertiärzeit begann vor etwa 65 Millionen Jahren und endete vor etwa 2,6 Millionen Jahren.

 

Weil Karakol seit langem mal wieder eine richtige Stadt ist, besteht letztmals die Möglichkeit Geld zu tauschen und in einem sehr teuren Souvenirgeschäft einzukaufen. In Anbetracht des horrenden Preisniveaus, z. B. 3000 Som (30 €) für einen Hut, der in der Frauenkooperative gerade mal 600 Som (6 €) kostete, erspare ich mir einen Kauf.

Bei einer dunganischen Familie bekommen wir abends eines der besten Essen während unserer kompletten Reise. Der Tisch biegt sich geradezu vor Köstlichkeiten wie diversen Fleischgerichten.

 

Entdeckungen in der Semenovka-Schlucht

Wir fahren im Norden des Issyk Kul Sees in eine gleichsam versteckte Schlucht. Dieser Eindruck stellt sich jedenfalls bei mir ein, wenn ich die vielen kleinen abenteuerlichen Brücken sehe, über die wir immer tiefer in die Semenovka Schlucht fahren, bis wir an ihr Ende gelangen. Dort entfaltet sich ein weites Tal, das großartige Blicke auf hohe Berge freigibt. Nach dem Motto „erst die Arbeit = wandern, dann das Vergnügen = picknicken“ starten wir die Wanderung hoch zum Bergsee Suttuu Bulak auf fast 2600 Metern Höhe. WIR heißt allerdings ohne mich, denn fast 600 Höhenmeter sind mir dann doch zu anstrengend. Aber auch mir wird im Tal nicht langweilig, denn ich begebe mich auf Foto-Tour und kann schöne Aufnahmen von Pferden, Schafen, Rindern und Jurten machen, mal ganz abgesehen von der herrlichen Berglandschaft. Ja, sogar ein kleines Gespräch mit einer Bergbäuerin, die mich einlädt, ihre Jurte genau zu inspizieren, ergibt sich. Sie spricht einige Wörter deutsch, die sie noch aus ihrer Schulzeit kann.

 

Eine alte Bäuerin bringt mit einem sogenannten Samowar mithilfe von Holzkohle ihr Wasser zum Kochen.

 

Die Gruppe bringt schöne Bilder vom türkisblauen See mit und ist sogar früher als ich am Picknickplatz bei unseren Bussen. Nachdem wir uns gestärkt haben, geht die Fahrt auch schon weiter.

Eine ganze Zeit lang fahren wir über eine sehr gut ausgebaute Schnellstraße, auf der sogar Radfahrer und Mähdrescher unterwegs sind. Hier sind wir auf der „Neuen Seidenstraße“ unterwegs, an der vor allem China Interesse hat. Dementsprechend hat der östliche Nachbar Kirgistans diese Teerstraße auch gebaut. Dann geht es über deutlich schlechtere Straßen in das Heimattal von Gülsada und ihrem Ehemann. Dort in Tschong Kemin erwartet uns eine sehr schöne und wunderbar gelegene Lodge, in der bald das Abendessen ansteht.

 

Mit Lederbändern und Geschick zur perfekten Jurte

Am heutigen Tag unternehmen wir eine letzte kleine Wanderung, an der auch ich teilnehmen kann. Zwar geht es stetig leicht bergauf, dies aber Gottlob nicht allzu lange. Bald haben wir einen tollen Aussichtspunkt erreicht, der uns einen Überblick über das Tal von Tschong Kemin bietet. Sogar Gülsadas süße vierjährige Tochter begleitet uns auf dieser Tour sowie Busfahrer Ernesto.

 

Unsere Reiseleiterin Gülsada zusammen mit ihrer vierjährigen Tochter.

 

Nach Einnahme des Mittagessens im Freien steht ein ungewöhnlicher Programmpunkt an: der Bau einer Jurte.

Dazu ist extra ein Rollkommando aus sechs Männern mit dem Lastwagen angereist. Mit flinken Händen errichten sie diese mobile Behausung, die so typisch für Kirgistan ist. Wir Touristen dürfen ein wenig mithelfen, aber brauchen würden die Profi-Handwerker unsere Hilfe eigentlich nicht. In etwa einer Stunde ist die Jurte fachgerecht aufgebaut, und wir Touris konnten jeden Einzelschritt mitverfolgen. Alles klappte wie am Schnürchen, was man wörtlich nehmen könnte, denn nirgends muss auch nur eine Schraube mit einem Elektroschrauber eingedreht werden, stattdessen halten Lederbänder die Konstruktion zusammen. Alles ist pure Handarbeit, wirklich, Chapeau!

 

Die Jurten werden ausschließlich mit Lederbändern befestigt. Ein Schraubbohrer ist hier fehl am Platz. Das erlaubt den geübten Nomaden jedoch den einfachen Auf- und Abbau, um zum nächsten Weideplatz zu ziehen.

 

Den Rest des Tages verbringt jeder nach seinem Gusto. Ich gönne mir ein längeres Nickerchen und eine erfrischende Dusche. Für das Lagerfeuer nach dem Abendessen lassen sich unsere Gastgeber Zeit. Beim Hinsetzen sollte man immer die Windrichtung im Blick haben, sonst weht einem der Rauch unangenehm ins Gesicht.

 

Letzter Abend in Bischkek:

Am vorletzten Tag unserer Reise wartet ein architektonisches Highlight auf uns: Das Minarett von Burana. Kaum zu glauben, dass das aus dem 11. Jahrhundert stammende Bauwerk einmal 45 Meter hoch war, nach einem Erdbeben steht jetzt immerhin noch die Hälfte. Die Wagemutigen von uns machen sich auf, das Bauwerk zu besteigen. Wie gut war doch der Rat von Gülsada, eine Taschenlampe einzustecken oder mit dem Handy Licht zu machen. Die Wendeltreppe kann nur entweder nacheinander nach oben oder nacheinander nach unten bestiegen werden, so eng ist sie. Von oben bietet sich dann ein schöner Ausblick.

Beeindruckend sind auch die Vielzahl an Petroglyphen in der Ebene: Die steingesichtigen Figuren, sogenannte Balbals, sind rund 1500 Jahre alt und liebevoll individuell gestaltet.
Direkt nebenan gibt es ein kleines Museum, Kirgistan hat also auch geschichtlich etwas zu bieten. Im Souvenirladen kann man schöne und preiswerte Souvenirs erstehen. So erwerbe ich einen Miniatur-Balbal und ein blaues T-Shirt, auf dem in der Landkarte Kirgistans wichtige Stationen der Seidenstraße aufgeführt sind.

In Bischkek streifen wir ein letztes Mal über einen großen Basar. Viele von uns decken sich aus dem verlockenden Angebot von Nüssen und Trockenfrüchten schon für zu Hause ein, kein Wunder bei den Schnäppchenpreisen für uns.

 

Immer wieder begegnen wir sympathischen Einheimischen: Hier eine Großmutter mit ihren Enkeln.

 

Abends gehen wir in dem Lokal, in dem wir bereits unser erstes Essen auf kirgisischem Boden einnahmen, ein letztes Mal gut kirgisisch essen. Unser wohl eloquentester Mitfahrer Horst spricht für unsere Gruppe einige Sätze und bedankt sich für die überragende Reiseleitung von Gülsada. In der Tat zählt sie zu den allerbesten Reiseleitern, die ich auf einer World Insight Tour je hatte, und diesen Eindruck habe bei weitem nicht nur ich. Gülsada hatte sich auf dieser Tour mit Leib und Seele und oftmals sehr persönlich, zum Beispiel bei Berichten zu Hochzeiten in ihrer Familie, eingebracht. Auch ihre Tanzeinlagen sahen sehr gekonnt aus, und natürlich waren ihre ausgiebigen Erläuterungen in bestem Deutsch zu allen möglichen Themen, die sie abwechselnd in beiden Bussen zu Gehör brachte, äußerst interessant. Gülsada, neben ihrem Beruf als Reiseleiterin auch noch zweifache Mutter und Ehefrau, ist eben eine echte Powerfrau!

 

Abschied von Kirgistan

Der Flughafen von Bischkek mit dem Kürzel FRU für Frunse, dem Namen Bischkeks in sowjetischer Zeit, ist eine dreiviertel Stunde Fahrtzeit entfernt von der Innenstadt. Allzu früh muss man sich dennoch nicht dort einfinden, denn der Hauptstadtflughafen ist vergleichsweise klein.

Die beiden Flüge klappen wie geplant, wieder mal geht mein Wunsch Fensterplatz in Erfüllung. In Frankfurt läuft mein Koffer als einer der ersten übers Band, sodass ich den von mir eigentlich nicht erwarteten Zug um 18:34 Uhr locker erreiche; die Turkish Airlines war pünktlich um 17:40 Uhr in Frankfurt gelandet.

Eine fantastische Reise zur Seidenstraße ist zu Ende gegangen!

 

Erinnerungsfoto: WORLD INSIGHT Reisender Klaus übt sich als Falkner.

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