Reisebericht Kaukasus 29. August 2016

Ein Dutzend Gründe für eine Reise in den Kaukasus

WORLD INSIGHT Reisegast

WORLD INSIGHT-Reisegast Maria Kaußler war mit uns auf Tour durch den vielseitigen Kaukasus und ist begeistert: Hier sind ihre 12 persönlichen Gründe, warum Georgien, Armenien und Aserbaidschan eine Reise wert sind!

Es gibt ein Dutzend Gründe, warum man in den Kaukasus reisen sollte, auch wenn man zuvor die Länder Armenien, Georgien und Aserbaidschan vielleicht nicht als „must-have“-Reiseziel auf dem Schirm hatte. Ein Dutzend Gründe? Ja. Ich habe die Reise im Sommer 2016 gemacht und hier kommt mein Dutzend Argumente, warum auch Sie diese Reise machen sollten:

1. Eine Tour durch Länder, über die man kaum etwas weiß

Armenien, Georgien, Aserbaidschan… In welche Richtung die drei Staaten liegen, wusste ich vor der Reise. Aber mal ehrlich: Ob ich sie exakt auf der Landkarte gefunden hätte? Ich bin mir nicht sicher. Über die Gegend zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer hatte ich kaum Kenntnisse, weder über die Geschichte noch über die Sehenswürdigkeiten. Ab und zu (letztmalig im April 2016) tauchten Armenien und Aserbaidschan im Rahmen des Bergkarabach-Konflikts in den Nachrichten auf. Aber von den Höhlenstädten in Georgien, den verwunschenen Klöstern in Armenien, der futuristischen Architektur in Tiflis und der fantastischen Landschaft entlang der Georgischen Heerstraße hatte ich vor meiner Reise noch nichts gesehen oder gehört. Und je mehr ich mich mit der Gegend befasste, desto mehr merkte ich, dass die unzähligen Wellen an Eroberern eine faszinierende Geschichte, aber auch ein tückisches ethnisches Puzzle hinterlassen haben. In der Geschichte existierten nur selten eigenständige Staaten. Heerstraße 2 (c) WORLD INSIGHTDennoch lebten die Einwohner der drei Länder in Republiken, Königreichen, Emiraten, Khanaten und Satrapien großteils friedlich zusammen. Der Roman „Ali und Nino“ von Kurban Said erzählt sogar die Geschichte einer Liebe zwischen einer georgischen Christin und eines moslemischen Aserbaidschaners während des Ersten Weltkrieges, die funktionierte, weil jeder die Grenzen und kulturellen Eigenheiten des anderen respektierte. Umso trauriger ist es, dass der Isthmus zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer heute immer wieder von ethnischen Konflikten und Gebietsstreitigkeiten zerrissen wird. Macht euch am besten selbst ein Bild über die drei Länder und ihre Geschichte und verpasst nicht die großartigen Bauwerke und Städte, die hier noch fast ungestört vom Tourismus vor sich hin schlummern. Damit komme ich gleich zu Argument Nummer zwei…

2. Einmal wie Indiana Jones fühlen

5 Geghard (c) WORLD INSIGHTTa-ta-ta-ta ta-ta-ta, ta-ta-ta-ta, ta-ta ta ta ta (bitte denkt euch an dieser Stelle die Titelmelodie von Indiana Jones). Wenn ihr einmal im Leben in dunklen Klöstern, auf Grabplatten stehend, von geheimnisvollen Steinkreuzen umgeben, im flackernden Licht von hundert Kerzen, über steile Treppen durch in den Stein geklopfte rudimentäre Türrahmen treten wollt, dann seid ihr in Armenien genau richtig. Die Armenier haben eindeutig ein Händchen dafür, einsame, verwunschene Klosteranlagen an exponierter Stelle anzulegen. Und sie haben jede Menge davon! Chor Virap, Noravank, das Geghard-Kloster – jedes Mal hatte ich das Gefühl, dass sich gleich Indiana Jones mit einem Seil durch eines der schmalen Fenster schwingt, ein Grab aufhebelt und in einen verborgenen Geheimgang abtaucht, um Schätze aus vergessenen Welten zu bergen. Im Chor Virap-Kloster kann man über einen engen Stein-Korridor und eine 7 m lange Leiter in das steinerne Verlies des Heiligen Gregor klettern, im Geghard-Kloster verspricht eine Quelle ewige Jugend und im Haghpat-Kloster geben die rätselhaften Löcher im Boden der Bibliothek Rätsel auf. Überall finden sich filigran gemeißelte Steinkreuze, manchmal von Flechten überwuchert, manchmal ganze Geschichten aus der Bibel erzählend. Wenn man meint, mit dem Grenzübertritt nach Georgien ist die Indiana-Jones-Zeit vorbei, so täuscht man sich, denn in den Höhlenstädten von Wardzia und Uplisziche geht es weiter…

 

14 Wardzia (c) WORLD INSIGHT3. Wardzia

Die Höhlenstadt Wardzia ist ein unvergessliches Erlebnis. Selbst mit bloßem Auge sind in dem steilen Hang Öffnungen zu erkennen, die sich durch Treppen, Galerien und Terrassen miteinander verbunden über 13 Etagen erstrecken. Man schreibt die Gründung der Höhlenstadt im Kleinen Kaukasus Giorgis III. und seiner Tochter, Königin Tamara, im 12. Jahrhundert zu. Die Höhlen, zu denen auch ein Kloster gehörte, konnten bis zu 50.000 Menschen aufnehmen, wenn sich feindliche Heere näherten. Sie verfügten über Vorratsräume, riesige Wein- und Wasserbehälter und eine raffinierte Wasserversorgung mittels keramischer Rohre, die man noch heute sieht. Einige bestens getarnte unterirdische Gänge führten in den Berg. Einen der Gänge nutzt man später, um Wardzia wieder zu verlassen und zwischen den Steintreppen und Tunnelgängen herumturnend kam ich mir selbst wie Indiana Jones vor. Es heißt, dass sowohl die Mongolen als auch die Osmanen Wardzia nur habhaft werden konnten, weil sie durch Verrat von der Lage der unterirdischen Gänge erfuhren. Als ein Erdbeben Anfang des 19. Jahrhunderts die meisten Stollen und Säle zum Einsturz brachte, schien es um Wardzia geschehen. Doch Wardzia erwies sich als zäh und heute ist ein Teil wieder zugänglich und einige Höhlen sind wieder von Mönchen bewohnt. Früher standen übrigens angeblich jedem Mönch 1 1/2 Liter Wein pro Tag zu, was die großen Weintanks erklärt und damit komme ich zu Argument Nummer 4…

 

4. Das hervorragende Essen und der Wein

Georgiens Küche galt zu Sowjetzeiten als die Haute Cuisine der UdSSR. Ich muss sagen, dass ich keinen großen Unterschied zwischen Armenien und Georgien entdeckt habe, nur Aserbaidschan ist deutlich orientalisch geprägt. Vom Essen hatte ich mir nicht viel erwartet und war völlig überrascht von den sich unter dem fantastischen Speisen biegenden Tischen. Insbesondere die Mittagessen bei Familien waren ein Highlight. Dutzende von Schalen und Tellern standen auf dem Tisch, gefüllt mit eingelegten Auberginen mit gehackten Walnüssen, Tomaten-und-Gurken-Salaten, verschiedenen Brotsorten, Käse, Krautwickeln, Schaschlik, Sauerrahm, einem großen Bündel diverser Kräuter, weitere Salate aller Art, Hühnchen, eingelegte Zucchini, Aprikosen und alles war soooo lecker! Jedes Essen war ein neuer Höhepunkt auf der Reise – und dann kam noch der Wein. Der Besuch einer georgischen Weinkelterei ist ein Muss, denn Georgien rühmt sich die Wiege des Weins zu sein. Die ältesten Nachweise für die Weinkelterei in der Region sind 7.000 Jahre alt! Auf einer assyrischen Keilschrift-Tafel aus dem 9. Jh. v. Chr. findet sich eine Aufzählung aller unterworfenen Völker, die ihren Tribut an das Herrscherhaus in Gold zahlten, mit Ausnahme der Georgier, die ihre Abgabe in Wein zu leisten hatten. Ich finde, das sagt viel aus!

 

5. Tiflis

Tiflis 1Tiflis 2Tiflis 330 TiflisKommen wir zu meiner Lieblingsstadt auf der Reise: Tiflis bzw. Tbilisi, wie man in Georgien sagt. Die Stadt liegt effektvoll zwischen zwei Bergrücken am Mtkvari Fluss und auf dem gleichen Breitengrad wie Rom. Der Legende nach wurde Tiflis im 5. Jahrhundert von König Wachtang Gorgassali gegründet. Er soll auf der Jagd gewesen sein, als ein verwundetes Reh in eine heiße Schwefel-Quelle fiel und wundersam geheilt wurde. Tatsächlich hat Gorgassali die Stadt von den Persern zurück erobert, die die Festung Nariqala oberhalb der Stadt errichteten. Zumindest besteht kein Zweifel daran, dass Tiflis wunderbare heiße Quellen der Stadt den Namen gaben („Tbili“ = warm) und auch heute noch gibt es ein Bäderviertel mit typisch arabischen Hammams. Die Bäder verdankt Tiflis den arabischen Eroberern im Jahr 645, die die Stadt vier Jahrhunderte lang als Emirat hielten. Unter König David erlebte Georgien sein Goldenes Zeitalter und Tiflis wurde dank der Lage am Schnittpunkt von sieben europäisch-asiatischen Handelswegen zur multikulturellen und einer der reichsten Städte des Mittelalters. Die Ära endete 1235 mit der Rache der Mongolen, gefolgt von der Pest, dem Eroberer Timur (Tamerlan), der die Stadt 1386 zerstörte, und den Persern, die sie 1540 eroberten. An Tiflis sieht man die bewegte Geschichte der Region. Perser, Georgier, Araber, Türken, Georgier, Mongolen, Usbeken, Perser, Russen, Georgier und wieder die Russen, die Stadt wechselte regelmäßig die Herrschaft und war unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt. Insgesamt ergibt sich ein äußerst ansprechendes Bild: alte Balkone, Bäder, eine Synagoge, daneben eine armenische Kirche. Um die Ecke eine Moschee, die Nariquala-Festung am Berg und dazwischen futuristische Gebäude wie die Konzerthalle und die Friedensbrücke, die nachts von 30.000 LED-Leuchten beleuchtet wird. Was für eine Mischung! Eines war mir recht schnell klar: Zwei Tage reichen für Tiflis nicht aus, hierher muss ich unbedingt nochmals länger zurückkommen. Und weil wir gerade bei Städten sind, kommt als nächstes Argument…

6. Baku

Baku (c) WORLD INSIGHTVon Baku hatte ich mir sehr viel versprochen. Das berühmte Foto aus der Altstadt mit den drei Flame-Towers im Hintergrund versprach sehr interessante Kontraste. Tatsächlich war ich dann ein bisschen enttäuscht. Baku ist definitiv eine Reise wert, hat eine wunderschöne Uferpromenade und liegt in einer faszinierenden Umgebung, aber die Altstadt war mir persönlich zu sehr renoviert. Man hatte fast das Gefühl, als wäre die Altstadt abgerissen und komplett neu gebaut worden. Dennoch ist Baku ein Grund, diese Reise zu machen. Hier spürt man den Orient an jeder Ecke. Im Kontrast dazu ist Baku trotzdem eine sehr moderne und westliche Stadt, mit Läden aller bekannten Designer in einer wunderschönen Fußgängerzone. Woher das Geld kommt? In der Region um Baku sprudeln seit Jahrtausenden natürliche Ölquellen. Ab dem 10. Jahrhundert wurde das Öl aus Oberflächenbohrungen abgeschöpft und als 1872 professionelle Ölbohrungen begannen, wurde Baku zur Boom-Stadt. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Ölfelder von Baku die größten der Welt, 1905 förderte die Gegend 50 % der weltweiten Erdölproduktion. Unermesslich reiche Öl-Barone bauten sich luxuriöse Anwesen. 1935 wurde die Suche nach Öl in die seichten Küstengewässer des Kaspischen Meers ausgedehnt. Seit 1994 haben Ölfirmen Milliarden ausgegeben, um die Ressourcen auszubeuten und es wurde die mit 1.760 km zweitlängste Ölpipeline „BTC“ (Baku-Tiflis-Ceyhan) bis Ceyhan in der Türkei gebaut. An der südlichen Stadtgrenze Bakus befindet sich das James-Bond-Ölfeld, dessen Name daher stammt, dass hier die Eröffnungsszenen zu „Die Welt ist nicht genug“ gedreht wurden. Das Ölfeld ist inzwischen erschöpft und mit Bäumen rekultiviert, aber spannend ist es trotzdem. Da ich vorher von einer modernen und westlichen Stadt geschrieben habe, kommen wir nun zu Punkt 7:

 

7. Europa in Asien finden

Aserbaidschan ist ein moslemisches Land – vor Ort bekommt man davon aber wenig mit. Es wird Alkohol getrunken, die Menschen laufen abends händchenhaltend über die Promenade, auf den Treppen zum Kaspischen Meer sitzen eng umschlungen die Pärchen, die Frauen sind modern gekleidet mit kurzen Röcken und ohne Kopftücher und vom Ramadan war nichts zu merken. Hier lebt man einen sehr moderaten Islam. Baku ist definitiv eine europäische Stadt. Das gleiche gilt meiner Meinung nach für Tiflis. Außerhalb der großen Städte sieht man in Armenien und Georgien oft den russischen Einfluss. Baku und Tiflis könnten hingegen genauso gut am östlichen Ende der Europäischen Union liegen. Gleiches gilt für Batumi…

 

8. Batumi

Batumi (c) WORLD INSIGHTBatumi 2 (c) WORLD INSIGHTiNoch nie von Batumi gehört? Ich vor der Reise auch nicht. Dabei ist Batumi eine richtig tolle Stadt. Am Schwarzen Meer gelegen stellt sie Georgiens Sommerurlaubs-Hauptstadt dar. Sie entwickelte sich im späten 19. Jahrhundert als westliches Ende der Eisenbahnstrecke von Baku, die damals 1/5 der weltweiten Ölproduktion transportierte. Sie war außerdem die Lieblingsstadt von Michael Saakaschwili, dem letzten Präsidenten Georgiens, der hier diverse Bauvorhaben umsetzte. Die Stadt wird von steilen Hügelketten eingeschlossen, die im Vorfeld des Kleinen Kaukasus liegen. Subtropisches Klima führt zu einer üppigen Vegetation und auch wenn die Wasserqualität nicht gerade zum Baden einlädt, ist ein Bummel entlang der 7 km langen Strandpromenade ein Erlebnis. Hier findet man neben einem Denkmal für „Ali & Nino“, den Turm des georgischen Alphabets (der außen umlaufend die Buchstaben des georgischen Alphabets zeigt), den futuristischen Bau der Amerikanisch-georgischen Technischen Universität (mit Riesenrad im oberen Drittel des Gebäudes), den Chacha-Turm (aus dessen Springbrunnen angeblich ab und zu alkoholischer Chacha sprudelt) und äußerst moderne Hotelbauten von Kempinski, Sheraton, Trump usw. – ein Bummel entlang der Strandpromenade am Schwarzen Meer ist also ein echtes Muss in Batumi. Bereits die Taurier und die Skythen, die die nördlichen Küsten des Schwarzen Meeres bewohnten, bezeichneten ihr Meer als „dunkel“ – wahrscheinlich im Vergleich zum Türkis des Mittelmeeres. Grund für die dunklere Färbung sind die zahlreichen unter der Wasseroberfläche lebenden Braunalgen. Doch die Reise bietet nicht nur Meer, sondern viel mehr…

 

9. Im wilden Kaukasus über die Georgische Heerstraße fahren

Heerstraße (c) WORLD INSIGHTEin weiteres Argument für die Reise ist die Fahrt durch den Kaukasus entlang der Georgischen Heerstraße. Das absolute Kontrastprogramm zum Meer in Batumi und das Highlight für alle, die bis jetzt vergeblich nach Bergen und Schnee in meinem Artikel gesucht haben! Hier findet man den berühmten Berg Kasbek, an dem der Legende nach Prometheus angekettet wurde, nachdem er den Menschen das Feuer gebracht hatte. Kilometerlang schlängelt sich die Straße Richtung Berge und dann in atemberaubenden Serpentinen bis auf den 2.395 m hohen Jvari-Pass. Die frühesten schriftlichen Überlieferungen von der Existenz eines Karawanenwegs, der kürzesten, zugleich aber auch beschwerlichsten Route zwischen dem Norden und dem Orient, stammen aus dem 1. Jh. v. Chr. Schon zu jener Zeit war der Bergweg hart umkämpft. Der heutige 207 km lange Georgische Militär-Highway führt bis Vladikavkaz in Russland und wurde erstmals im 19. Jahrhundert mit dem russischen Einmarsch im Kaukasus zur ordentlichen Straße ausgebaut. In den Wintermonaten wird die Straße von meterhohen Schneebergen blockiert und selbst Ende Juni waren abseits der Straße noch Schneefelder zu sehen. Und weil wir gerade bei Bergen sind, kommen wir zu Argument Nummer 10:

 

10. Einmal den Ararat sehen

Der Ararat, der Berg, an dem Noahs Arche laut der Bibel 1 Jerewan (c) WORLD INSIGHTanlegte! Der Berg, den die Armenier so sehr vermissen und der heute auf türkischem Staatsgebiet liegt! Vorher konnte ich den Hype um diesen Berg nicht verstehen, aber hat man ihn einmal gesehen, so weiß man, was ihn so besonders macht. Manche Berge überzeugen einfach durch ihr Aussehen. Der Ararat gehört dazu. Bereits von Jerewan aus konnte man ihn gut erkennen, was aber reines Glück ist, denn manchmal versteckt er sich wochenlang in den Wolken. Deshalb ist die Beschreibung dieses Arguments ein bisschen kürzer und ich komme lieber zu etwas, was Sie garantiert sehen werden:

 

11. Die bunten Märkte, auf denen man ALLES bekommt

Kutaissi (c) WORLD INSIGHTIch LIEBE Märkte. In jedem Land der Welt kann ich Stunden damit verbringen über den Markt zu bummeln. Und im Kaukasus führten die Märkte alles: Von Gemüse und Obst über Käse, Geflügel, Fisch und sonstigem Fleisch, bis zu Kleidung, Haushaltswaren, Schuhen, Heimwerkerbedarf, Stoffe, Fernbedienungen, Sonnenbrillen, lebenden Hühnern… Jeder Spaziergang auf dem Markt war ein Erlebnis. Die Gerüche, die Farben und die Händler… wow!

12. Den Bergkarabach-Streit von beiden Seiten betrachten

Nun gut, last but not least, muss ich wohl doch auf das Streitobjekt der Gegend kommen: Bergkarabach. Der Zankapfel zwischen Armenien und Aserbaidschan kam erst im April 2016 wieder in den Nachrichten, als neue Kämpfe aufgeflackert sind. Nachdem ich beide Seiten gehört habe und beide Länder kennen gelernt habe, bin ich komplett zwiegespalten und muss ratlos bekennen, dass mir keine Lösung für den Konflikt einfällt. Ich kann nun beide Seiten verstehen und es tut mir sehr leid, dass solche zauberhaften Länder seit fast 30 Jahren im ständigen Kriegszustand sind. Wie kam es eigentlich dazu? Der Name Bergkarabach (Nagorno-Karabakh) stammt aus drei verschiedenen Sprachen: „Nagorno“ bedeutet „Berg“ auf russisch, „Kara“ „schwarz“ auf türkisch und „bakh“ „Garten“ auf persisch. Rechtlich ist Bergkarabach ein Teil von Aserbaidschan, besucht werden kann es aber lediglich von Armenien aus. Stalin separierte Bergkarabach in den 1920er-Jahren von Armenien und machte es zur autonomen Region in Aserbaidschan. 1987 und 1988 wurden die Rufe sich mit Armenien zu vereinigen lauter, bis die Nationalversammlung für die Unabhängigkeit stimmte. Damit begannen die Feindseligkeiten. Nach dem Untergang der UdSSR 1989 eskalierte der Krieg. 1994 wurde ein Waffenstillstand ausgerufen, seitdem sind die Grenzlinien unverändert. Der Krieg kostete unzählige Menschenleben und führte zu einer Massenemigration, bei der hunderttausende Aserbaidschaner aus Bergkarabach und den umliegenden, vom Krieg verwüsteten Gegenden flohen. Aserbaidschan befindet sich noch heute im Kriegszustand mit Armenien. Internationale Verhandlungen sind wiederholt fehlgeschlagen. Allein, um diesen Konflikt objektiv beurteilen zu können, ist es wert in beide Länder zu fahren und sich unabhängig bei den Einheimischen umzuhören. Man bekommt einen anderen Blick auf die Dinge – leider aber keine Lösung.

So, hier habt ihr also ein Dutzend Argumente, in den Kaukasus zu fliegen. Ich könnte jetzt noch weitere Gründe aufzählen, aber ich glaube die wichtigsten Dinge habe ich euch erzählt. Zumindest die Dinge, die mich persönlich am meisten beeindruckt haben und die ich nie vergessen werde.

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