Reisebericht 10. Februar 2016

Geheimtipp Kolumbien

WORLD INSIGHT Reisegast

Für Maria Kaußler war die Rundreise durch Kolumbien eine neue Erfahrung: kaum Tourismus und dafür viel Sehenswertes wie eine gigantische Salzkathedrale, die bizarre Tatacoa-Wüste und die schillernde Metropole Bogota.

Eine Reise nach Kolumbien – denken Sie jetzt auch an Kokain-Handel und Guerillas? Vor meiner Kolumbien-Reise ging es mir ähnlich. Und doch hat mich irgendwas an der Rundreise von WORLD INSIGHT angesprochen. „Venezuela oder Kolumbien?“ war die Frage bei mir. Und ich habe mich für Kolumbien entschieden, allein deshalb, weil ich niemanden kenne, der vor mir in Kolumbien Urlaub gemacht hätte. Und ich kann Ihnen sagen: Meine Entscheidung war kein Fehler. Kolumbien bietet so viel mehr, als man in Europa weiß. Das viertgrößte Land Südamerikas gilt als ökologischer Hotspot. Kein anderes Land (bis auf das viel größere Brasilien) bietet eine ähnlich große Vielfalt unterschiedlicher Pflanzen. Dazu trägt auch die Topographie bei, die uns von Berg-Regenwäldern in großer Höhe bis ins karibische Tiefland führte.

Und das Beste ist: Es gibt noch kaum Tourismus, ausgenommen in Cartagena. Viele Straßen waren vor fünf Jahren noch unmöglich zu befahren, was ich mir im Nachhinein kaum vorstellen kann. Und obwohl es heißt, der „Kolumbianer klaue sogar ein Loch“, war es in allen Hotels unbedenklich möglich, die Wertsachen lediglich im Koffer einzuschließen, ohne Angst vor Diebstahl haben zu müssen. Machen wir uns nichts vor: Man sollte einige Gebiete besser meiden, wie zum Beispiel die Slums um Bogotá, aber gleiches gilt für Rio, Johannesburg und viele andere Städte. Im Land habe ich mich immer sicher gefühlt, auch abends und selbst in den entlegensten Gebieten.

Kolumbien_Kaußler (c) WORLD INSIGHT 2Was man in Kolumbien ansehen kann? Nun, zuerst einmal das Goldmuseum in Bogotá. Dort bekommt man einen kleinen Eindruck davon, wieviel Gold die Spanier zu Kolonialzeiten aus Südamerika exportiert haben und vor allem welche Kunstschätze unwiederbringlich verloren sind, weil sie eingeschmolzen zu Goldbarren über Cartagena ihren Weg nach Europa fanden. Der Flughafen in Bogotá heißt nicht umsonst „El Dorado“.Kolumbien_Kaußler (c) WORLD INSIGHT 9

Besonders beeindruckend fand ich die Salzkathedrale von Zipaquirá, von der ich zuvor noch nie gehört habe. Mit 120 m Länge ist sie eines der größten religiösen Bauwerke der Welt. Eine Viertel Million Tonnen Gestein und Salz wurden aus dem Berg geholt, um dieses Meisterwerk zu schaffen. Und Sie können sich sicher sein, dass alles aus Salz ist, ich habe an einer der Mauern geleckt und es war eindeutig Salz! Die dunklen Gänge zusammen mit der prachtvoll illuminierten Höhlenkirche schaffen eine faszinierende Atmosphäre. Tief in einem alten Stollen, nicht weit entfernt von aktuell noch genutzten Stollen, befinden sich ein Kreuzgang der besonderen Art und eine Kathedrale, die mit ihren Licht-Spielen einmalig ist.

San Agustín, das geschichtliche Highlight jeder Kolumbien-Reise, mit den alten Steinfiguren musste man bis vor kurzer Zeit aufgrund der Guerilla noch weiträumig meiden. Inzwischen hat sich der kleine Ort zu einer ernstzunehmenden Touristen-Attraktion gemausert. Riesige aus Lavastein und Basalt gehauene Statuen zeigen, dass sich Kolumbien geschichtlich vor anderen mittel- und südamerikanischen Ländern nicht zu verstecken braucht. Die mächtigsten Statuen mit bis zu 7 Metern stammen aus der Blütezeit der San Agustín-Kultur, die von 200 v. Chr. bis 700 n. Chr. stattfand.

Haben Sie von Cartagena gehört? War vielleicht schon jemand aus Ihrem Bekanntenkreis mit einer Karibik-Kreuzfahrt einen Tag dort und hat von dem kolonialen Charme der Stadt geschwärmt? Ich muss Sie enttäuschen – Cartagena ist nett, aber der einzige Ort, der touristisch schon ziemlich gut erschlossen ist, was man an den Preisen, den Menschen und dem Leben in den Straßen merkt. Was die kolumbianischen Städte betrifft, war Popayán mein Favorit. Aufgebaut wie eine klassische spanische Kolonialstadt mit einem Hauptplatz um den sich die Kathedrale und weitere wichtige Bauten sammeln, hat mir vor allem das Leben dort gefallen. Abends versammeln sich die Einheimischen am Platz, man kann toll einkaufen oder einfach in einem kleinen Lokal bei superleckeren frisch gepressten Fruchtsäften sitzen (die übrigens überall problemlos auch für den europäischen Magen geeignet waren). Und immer ist man in Popayán „mittendrin“ und fühlt sich fast selbst wie ein Kolumbianer.

Kolumbien_Kaußler (c) WORLD INSIGHT 4Apropos Essen: Durch unseren Reiseleiter kamen wir in den Genuss jeden Tag original-kolumbianischen Essen kaufen zu können. Seien es „Empanadas“ (gefüllte Teigtaschen) oder „Arepas“ (Mais-Gebäck) oder das berühmte „Comida corriente“. Bei „Comida corriente“ handelt es sich um ein vollständiges Essen inklusive Getränk und Suppe, das für zwei bis drei Euro zu haben war. Und natürlich schwelgten wir alle in den unzähligen Obst-Arten. Mangos, Bananen, Papaya, Ananas, dazu ein paar exotischere Sachen wie Guanabana, Zapote oder Grenadillas. Es gab nichts, was wir nicht probierten und auch nichts, was nicht schmeckte. Allein die Märkte waren ein Augenschmaus mit ihren bunten Farben, vielfältigen Gerüchen und teilweise kuriosen Angeboten wie z. B. übergroßen Avocados oder komischen schwarzen Fischen, die an die Scheibenputzer-Fische im Aquarium erinnerten. Und blauäugig bestellte ich mal die Tagessuppe, die als Mombongo (oder so ähnlich) beschrieben war. Schmeckte sehr lecker! Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass es sich um eine Suppe mit Eingeweiden handelt. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich sie vermutlich eher nicht angerührt, aber sie war so lecker gewürzt, dass ich sie heute bedenkenlos wieder bestellen würde.

Kolumbien_Kaußler (c) WORLD INSIGHT 10Kolumbien hat vielleicht keine so bekannten Stätten zu bieten wie Machu Picchu in Peru oder eine so berühmte Wüste wie die Atacama-Wüste in Chile oder eine Stadt mit so klangvollem Namen wie Rio de Janeiro in Brasilien, aber es hat all das in noch unbekannterem Umfang in EINEM Land zu bieten. Ausgrabungsstätten, die vor 10 Jahren noch im Guerilla-Gebiet lagen und die zu dieser Zeit selbst die Einheimischen nicht zu Gesicht bekamen wie zum Beispiel die Tatacoa-Wüste, die mit ihren roten Gesteinsformationen und Kakteen an den Wilden Westen erinnert. Und natürlich Bogotá, das als Reiseziel durchaus Eindruck macht. Wer von Ihren Bekannten war schon mal in Bogotá?

Sollten Sie davor zurückschrecken, dass die letzten Tage in Palomino in „einfachen Strand-Bungalows ohne Strom“ stattfinden, so kann ich sie beruhigen. Aufgrund langjähriger Erfahrung mit WORLD INSIGHT hatte ich vermutet, dass die letzte Unterkunft nicht so rudimentär ausgestattet ist, wie es auf den ersten Blick anmutet. Tatsächlich handelt es sich um eine entzückende Anlage am Strand, die wir komplett nur für unsere Gruppe hatten. Kolumbien_Kaußler (c) WORLD INSIGHT 13Die Hütten sind alle ausgestattet mit Balkon mit Hängematte und einem schönen „Outdoor-Bad“, bei dem zwar das Dach fehlt, aber aufgrund der gemauerten Wände die Privatsphäre nicht zu kurz kommt. Und keine Angst vor dem fehlenden Strom: An der Rezeption gibt es Strom (und WLAN) und auch hier kann man unbesorgt Laptop und Handy zum Laden liegen lassen. Ich habe es selbst ausprobiert und kein Mensch hat meine Elektrogeräte angerührt. In den Zimmern gibt es genügend Kerzen in großen Gläsern, so dass man auch nachts ein Licht brennen lassen kann. Okay, die erste Nacht war ungewohnt, aber bereits am zweiten Abend hatte ich es im Griff bei Tageslicht noch die wichtigsten Dinge herzurichten und dann mit Taschenlampe und Kerze herumzulaufen. Und mal ehrlich: Es ist wirklich romantisch abends in der mit Kerzen beleuchteten Anlage zu sitzen. Wir hatten viel Spaß nach Einbruch der Dunkelheit eine Flasche Wein am Balkon aufzumachen und im Kreis von fünf/sechs Leuten bei Kerzenschein das laue Klima und das Rauschen des Meeres zu genießen.

So, habe ich Sie jetzt neugierig auf Kolumbien gemacht? Ich kann Ihnen die Reise nur empfehlen. Aufgrund der enormen Entfernungen kommen die Wanderlustigen ein bisschen zu kurz, aber das ausgewogene Verhältnis von Programm und Freizeit lässt genügend Freiraum, um am späten Nachmittag noch allein die Stadt oder die Gegend zu erkunden. Und warum ich Ihnen Kolumbien besonders ans Herz legen will: Noch ist das Land touristisch kaum erschlossen und man hat das Gefühl zu den „ersten Touristen“ zu gehören. Sollte die politische Lage so bleiben bzw. sich noch verbessern, so bin ich mir sicher, dass aufgrund der tollen, vielfältigen Natur und der Geschichte wie z. B. in San Agustín in den kommenden Jahren das Land vom Geheimtipp zum Touristenmagneten wird. Und ich bin stolz darauf „davor“ dort gewesen zu sein.

 

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