Interview 27. Juni 2016

Vom Lao Way Of Life

Neujahr im April und gelebte Tradition: WORLD INSIGHT-Country Managerin Sabine Kaiser sprach im Interview mit WORLD INSIGHT-Redakteur Oleg Zurmühlen über das Neujahrsfest „Pi Mai“ und das Lebensgefühl in Laos.

Unsere Country Managerin für Laos, Sabine Kaiser,  war zum Neujahrsfest in der laotischen Königsstadt Luang Prabang und wurde ordentlich nassgespritzt. Im Interview erzählt sie von ihren Erlebnissen während des „Wasserfestes“ in Luang Prabang, von Begegnungen mit den Laoten und von den Eigenheiten des Landes.

Sabine, du warst zum Neujahrsfest „Pi Mai“ in Laos. Warum feiert man dort im April das neue Jahr?

Nach dem buddhistischen Mondkalender beginnt das neue Jahr im April. Der April ist der heißeste Monat des Jahres und auch das Ende der Trockenzeit, und es beginnt die „Green Season“, in der der Dunst in den Bergen verschwindet und alles wieder anfängt zu wachsen. Pi Mai ist ein buddhistisches Fest, es findet zum Bespiel auch gleichzeitig in Thailand, Myanmar und auch in Kambodscha statt.

Wie hast du das Fest in Luang Prabang erlebt?

Bei einem traditionellen Tanz wird die Geschichte von Ramayana erzählt.

Traditionell geschmückte Tänzerinnen führen das laotische Nationalepos Phra Lak Phra Lam auf. (Foto von Cyril Eberle)

Für mich war das sehr spannend, denn es war mein erstes „Wasserfest“ und man denkt zunächst mal an viel Wasser und die ganzen Partys wie in den großen Städten Thailands. In Laos geht das Fest jedoch mit vielen alten buddhistischen Traditionen einher, in allen Wats (Anm. d. Red.: buddhistische Tempel) werden die Buddhafiguren mit Wasser übergossen, damit alles Schlechte des vergangenen Jahres abgewaschen wird und das neue Jahr gut beginnen kann. Der wohl berühmteste Buddha der Stadt, der Prabang wird am Neujahrstag vor dem Wat Mai für drei Tage zum Übergießen aufgestellt und das laotische Nationalepos Phra Lak Phra Lam aufgeführt. Ein Highlight ist die Parade durch die Stadt mit traditioneller Musik, schön geschmückten Festwagen und bis zu 5.000 Teilnehmern: zwischen Menschen verschiedenster ethnischen Gruppen mischen sich auch Mönche aus der Region. Bestandteil des Festes ist auch die Wahl der Miss Luang Prabang. An einem Tag findet zudem ein großer Markt statt, an einem anderen Tag gehen alle zum Ufer des Mekongs und des Nam Khans und bauen Stupas aus Sand mit Gebetsfahnen – und natürlich darf in den Familien eine Baci-Zeremonie  nicht fehlen (Anm. d. Red.: Bei der traditionellen Baci-Zeremonie wird den Teilnehmern ein Segen erteilt und es werden verschiedene kleine Köstlichkeiten gereicht). Zur Freude der Kinder hier bin schließlich auch ich das ein oder andere Mal nass geworden, mein Jahr in Laos kann also nur gut beginnen.

Die Königsstadt Luang Prabang gilt als Geheimtipp unter den Reisezielen Südostasiens, zu Recht?

Luang Prabang von oben: Die Königsstadt gilt als eine der schönsten Städte in Südosastien.

Blick vom Mount Phousi auf Luang Prabang: Die Königsstadt gilt als eine der schönsten in Südostasien. (Foto von Cyril Eberle)

Luang Prabang ist sicherlich für alle Kulturinteressierten ein „Must See“. Hier werden viele der Traditionen noch gelebt, was aber auch für alle anderen Teile von Laos gilt. Meiner Meinung nach ist Luang Prabang verdientermaßen UNESCO-Weltkulturerbe. Mir fällt in der Region Indochina keine weitere Stadt ein, die in Sachen Architektur und Stadtbild so gut erhalten ist – hier lassen sich die alten Zeiten im Gesicht der Stadt ablesen und dadurch entsteht einfach eine besondere Atmosphäre. Man sollte einen gemütlichen Bummel durch die vielen kleinen Straßen und Gassen machen und zwischendrin eine Pause bei einer Tasse leckeren Original Kaffee Lao (heiß oder auch auf Eis) in einem der vielen kleinen Cafés nicht auslassen.

Was hat dein Interesse an Laos geweckt und was fasziniert dich an dem Land heute?

Ich bin vor etwa acht Jahren das erste Mal für meinen damaligen Job eher durch Zufall für nur vier Tage nach Laos (Vientiane und Luang Prabang) gekommen. Es herrschte Regenzeit, ich hatte einen Jetlag und auf einmal war alles so ruhig und entspannt – geradezu entschleunigt.

Inzwischen hat sich auch hier einiges verändert, aber diese laotische Ruhe mag ich immer noch sehr. Freude habe ich auch immer am „Lao way of life“, der mir immer wieder lustige Momente beschert und man denkt sich – ja, so geht es doch eigentlich auch.

Die ethnische Vielfalt in Laos ist besonders hoch. Wir begegnen auf unseren Reisen etwa den Khmu im Norden und den Lao Loum in Zentrallaos. Wie hast du die Menschen in Laos kennengelernt?

Die Menschen hier in Laos erlebe ich immer wieder als sehr freundlich, offen und auch hilfsbereit. Mein Lao ist noch nicht sehr gut – und egal ob beim Einkauf auf dem Markt oder im Restaurant, oder im direkten Gespräch, alle freuen sich sehr, wenn man ein paar Worte Lao spricht. Gerade auf dem Markt gibt es immer wieder eine kleine Lektion umsonst.

Laos (c) WORLD INSIGHT 6

Fünf Ethnien von Laos fotografiert in Luang Prabang: Lao Lanten, Lao Yao, Lao Hmong, Lao Khmu und Lao Akha (v. l. n. r.). (Foto von Cyril Eberle)

Laos ist sicherlich eines der Länder mit der höchsten Vielfalt an verschiedenen ethnischen Minderheiten, die hier alle friedlich miteinander leben, sich auf den lokalen Märkten treffen und dort gemeinsam ihre Waren verkaufen. In vielen der Dörfer kann man noch die gelebte Tradition beobachten, viele Menschen tragen noch Tracht und üben die traditionellen Handwerkskünste aus. In Luang Prabang bekommt man im Traditional Arts and Ethnology Centre einen schönen Überblick über die kulturellen Besonderheiten der verschiedenen Ethnien.

Laos rückt dieses Jahr politisch in den Fokus: Im März wurde mit Bounnhang Vorachith ein neuer Präsident ernannt. Im September wird US-Präsident Obama in der Hauptstadt Vientiane zum Ostasien-Gipfel erwartet. Hast du trotz der Feierlichkeiten auch ein politisches Momentum ausmachen können?

Ich bin nun erst seit Anfang Februar dauerhaft in Laos. Als Außenstehender bekommt man nicht viel von der gelebten Politik mit. Im Allgemeinen sind die Laoten sehr unpolitisch und reden auch selten über Politik. Es gibt in Laos auch in dem Sinne keinen Wahlkampf. Einige Laoten engagieren sich auf örtlicher oder Provinzebene in der Partei, aber auch hier findet das Politische überwiegend in den Sitzungen oder Ausschüssen statt.

Was hat Laos als Reiseland seinen großen Nachbarn Thailand und Vietnam voraus?

Einiges­ – es ist ein Reiseziel, das sicherlich mehr zu bieten hat als nur eine kurze Durchreise. Laos hat eine sehr geringe Bevölkerungsdichte, und man findet hier immer noch sehr viel Dschungel und Natur sowie unzählige kleine Dörfer, die zum Teil immer noch nur zu Fuß oder per Boot erreichbar sind. Entsprechend bietet Laos neben all den verschiedenen Ethnien und gelebten Bräuchen auch viel Abenteuer und Aktivität, wie zum Beispiel per Langboot das Höhlensystem von Konglor zu erkunden oder die beeindruckende Landschaft von Vang Vieng auf dem Drahtesel zu entdecken.

Auf der kulturellen Ebene ist sicherlich auch das Tak Bat, der morgendliche Almosengang der Mönche erwähnenswert, eine alte buddhistische Tradition, die hier in Laos noch gelebt wird, und die man auch als Außenstehender am frühen Morgen beobachten kann. Natürlich immer mit der Bitte, all diese Traditionen mit Respekt und bei Bedarf auch etwas Abstand zu begegnen.

Das Titelfoto ist ein Foto von Cyril Eberle. Das Interview führte Oleg Zurmühlen.

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