Abenteuer Jordanien 27. August 2015

Im Königreich der Haschemiten

WORLD INSIGHT Reisegast

Glutheiße Wüste, Kletterpartie durch einen Wassercanyon, ein schaukelnder Kamelritt und uralte, beeindruckende Felsbauten: Bärbel Franz hat sich auf die aufregende Rundreise durch Jordanien gewagt – und es nicht bereut!

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Die zerklüfteten Felslandschaften sind ein Markenzeichen Jordaniens

Der Reiseverlauf dieser Jordanien-Tour hat es mir angetan, versprach er doch viel Abwechslung und etwas Abenteuer. Kurz vor der Reise beschäftigte ich mich intensiver damit und schaute mir auch Videos auf YouTube von einer Wanderung durch den Wassercanyon Wadi Al Mujib an, denn diese Tour stand auch im Programm. Oh Schreck! Da war die Rede von glitschigen Felsen, Strecken, die teilweise geschwommen werden müssen, Brillen, die verloren gehen, wenn man an Wasserfällen vorbei klettert, sieben Meter hohen Felsen, die mit Hilfe von Kletterseilen überstiegen werden müssen! Was hatte ich denn da für ein Abenteuer gebucht?! Ich bekam ein ziemlich mulmiges Gefühl. Gleichzeitig sah aber die Landschaft so atemberaubend schön aus, dass ich auch nicht auf diesen Ausflug verzichten wollte. Kurzerhand rief ich bei WORLD INSIGHT an, um zu erfahren, was es denn damit auf sich habe. Ob das nicht zu „gefährlich“ sei! Ich bekam eine nette Produktmanagerin an den Apparat, die die Reise im Vorjahr getestet hat. Sie sagte, es hätte einen Heidenspaß gemacht und man könne notfalls auch zurück bleiben und auf die Gruppe warten, die den gleichen Weg zurückkommt. Das hat mich beruhigt und ich habe mir geeignete Wasserschuhe gekauft. Meine Vorfreude auf die Reise stieg. Wenige Tage vor Reisebeginn flatterte noch eine Info von WORLD INSIGHT ins Haus. Der MERS-Virus grassierte und es hieß, er würde vermutlich auch von Kamelen übertragen. Wer also die Kamelsafari nicht machen möchte, könne auf Jeep umsteigen. Auch das noch. Aber ich könne mich vor Ort entscheiden. Das ist gut.

Endlich geht es los. Leider ist es trotz der recht kurzen Flugzeit ein Nachtflug! Um 3 Uhr früh bin ich vor Ort im Bett, um 4 Uhr ruft der Muezzin und um 8.30 Uhr ist Frühstück. Entsprechend müde bin ich am ersten Tag in Amman. Aber Mahmoud, unser Reiseleiter verschont uns nicht. Ein Ausbund an Energie und mit Leidenschaft gibt er sein Wissen weiter. Manchmal zu viel, aber man gewöhnt sich daran und vermisst es irgendwann, wenn es still ist.

Zunächst geht es zur Moschee in Amman und wir Frauen werden in einen Nebenraum geführt, wo wir uns in ein schwarzes Kunstfasergewand samt Kopfbedeckung hüllen müssen.

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Das Essen fiel reichhaltig und orientalisch aus

Weiter geht es mit Besichtigungen rund um Amman. Es ist heiß und irgendwann werde ich wirklich müde durch den Schlafmangel zuvor. Das Abendessen nehmen wir in einem Straßenrestaurant ein. Wir sind begeistert von den vielen Vorspeisen, die uns vollauf genügen.

Langsam nähert sich die spannende Wanderung durch den Mujib Canyon. Wird er viel Wasser haben? Müssen wir schwimmen? Mahmoud weiß es nicht, rät uns aber, die Brillen nicht anzuziehen, da sie von Wasserfällen eventuell weggerissen werden können! Einige wirken panisch: Dann sehen wir ja nichts! Ich auch nicht, aber ich habe Tageslinsen dabei. Meine kleine Ersatzkamera kommt in eine wasserdichte Hülle und die neuen Wasserschuhe werden angezogen. Wir bekommen Schwimmwesten an und zunächst geht es gemächlich durch ein Kiesbett mit wadenhoch fließendem Wasser. Herrliche Landschaft – hohe Felswände an beiden Seiten. Langsam wird das Wasser tiefer und die Strömung stärker. Meine Wasserschuhe erweisen sich als guter Kauf. Dann kommen die Felsen, die überklettert werden müssen. Zwei der Männer bleiben hier zurück. Das ist ihnen zu heikel. Wir anderen schieben uns gegenseitig hoch und halten uns am Seil fest. Das macht riesigen Spaß! Die Angst ist vergessen, vorbei geht es direkt an den Felswänden, ein bisschen klettern, am Seil festhalten, unter uns reißendes Wasser. Berauschende Landschaft. Dann sind wir am großen Wasserfall. Einige nehmen dort eine Dusche. Herrlich. Dann geht es den gleichen Weg zurück. Als wir die Kletterei hinter uns haben – teilweise rutschen wir auf dem Hosenboden runter – legen wir uns auf den Rücken auf unsere Schwimmweste und floaten mit der Strömung, vorbei an herrlich bunten Felswänden. Wie Gemälde sehen die aus. Was für ein tolles Gefühl! Unser Adrenalinpegel ist hoch nach dieser Tour. Wir fühlen uns so gut und wollen am liebsten noch einmal. Aber das nächste Highlight folgt unmittelbar. Nass wie wir sind – denn umziehen lohnt sich nicht – steigen wir in unser Fahrzeug und fahren die kurze Strecke bis zum Toten Meer. Hier ist Badepause angesagt und wir liegen regungslos im Meer und entspannen. Größer kann der Kontrast nicht sein und schöner auch nicht. Was für ein herrlicher Tag!

Am nächsten Tag stehen die Wüstenschlösser auf dem Programm. Ein relaxter Tag mit angenehmen Besichtigungen. Danach steht unsere Wanderung im Dana-Naturreservat bevor. Die Fahrt dorthin über eine Passstraße ist schön. Am Mount Nebo machen wir Halt, es ist viel los hier, denn der Papst soll morgen zu Besuch kommen und wir haben schon jede Menge Pilger in Madaba gesehen.

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Eine der vielen braunen bis rostroten Canyonschluchten des Landes

Wir übernachten diesmal in einer sehr spartanischen Unterkunft mit viel Charme. Von hier sind wir auch schnell am Ausgangspunkt unserer Wanderung, für die uns ein extra Wanderführer zur Verfügung steht. Die Landschaft ist fantastisch: Zerklüftete Felsen, canyonartige Landschaft. Wir klettern ein wenig, sehen Chamäleons und blaue Agamen, machen eine Pause und unser Führer kocht Tee mit selbst gesammelten Kräutern. Am Ende der Tour sind wir etwas geschafft, aber das ist auch der Hitze zuzuschreiben. Trotzdem hat es sich gelohnt, denn es war wunderschön.

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Beeindruckende Kulisse

Nun folgt schon das nächste Highlight der Reise: Petra. Der erste Gang durch den berühmten Siq ist beeindruckend. Das Schatzhaus am Ende dieser Schlucht liegt im gleißenden Sonnenlicht. Mit Mahmoud machen wir eine sechsstündige Führung: Es geht Hunderte von Stufen hoch bis zum Opferplatz, wo sich ein herrlicher Blick von oben bietet. Weitere Besichtigungen stehen an und nach den sechs Stunden sind wir platt und ruhen in einem wunderbaren Restaurant aus. Danach sind wir auf uns gestellt. Mit einigen aus der Gruppe laufe ich einen Trail hoch, der den Blick von oben auf das Schatzhaus freigeben soll. Wir sehen unterwegs noch ein Amphitheater: Klasse! Endlich haben wir den Aussichtspunkt gefunden. Ein wunderbarer Blick von oben auf das Schatzhaus. Hier verweilen wir erst einmal, bevor wir den langen Weg zurückgehen.

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Das Schatzhaus der eindrucksvollen Felsstadt Petra

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Ein ungesicherter Freeclimber in den Ruinen

Der nächste Tag in Petra steht uns ebenfalls zur freien Verfügung und es gibt noch viel zu entdecken. Mit einer Mitreisenden beschließe ich, die vielen Stufen hinauf zum Kloster zu klettern. Manche Touristen mieten sich auch einen Esel für den Anstieg! Aber wir machen auf halber Strecke lieber eine kleine Teepause an einem Souvenirshop und stöbern dort ein wenig. Es ist sehr angenehm in diesem Land: Man wird zwar angesprochen, um etwas zu kaufen, aber anders als z.B. in Ägypten wird man in Ruhe gelassen und kann stöbern, wenn man „nein“ sagt. Die Menschen begegnen uns sehr freundlich, hilfsbereit und aufmerksam. Als wir den Aufstieg zum Kloster geschafft haben, sind wir zunächst überwältigt von der tollen Landschaft. Das hatte ich nicht erwartet. Ein herrlicher Moment. Dann gönnen wir uns unser Lieblingsgetränk, einen Lemon Mint, direkt vor dem Kloster. Dort hatten wir noch ein Unterhaltungsprogramm besonderer Art. Ein Freeclimber kletterte barfuß die Wand hoch, hinauf bis zur Kuppel des Klosters. Er sprang von Säule zu Säule. Barfuß und ohne Seil. Mir wurde schon vom Zusehen schlecht!

Auf dem Rückweg begegnen uns einige Beduinen, die uns auf ihren Eseln entgegen ritten. Sie sahen alle aus wie Johnny Depp in „Fluch der Karibik“. Schlank, dunkle Locken, kajalummalte Augen und eine Art Piratentuch um den Kopf. Mir rutschte ein „Die sehen aber gut aus“ raus und erntete prompt ein „Danke! Wir Beduinen sprechen auch deutsch!“ Das Gelächter war groß. Und die Beduinen hatten auch ihren Spaß.

Die Tage in Petra waren einmalig. Aber es kommt noch ein weiteres Highlight dieser Reise: Wadi Rum und eine Übernachtung im Beduinencamp. Das Captain Desert Camp ist großzügig angelegt und sehr gemütlich. Die Zelte sind sehr groß, haben Licht und viel Platz. Allerdings ist es natürlich sehr heiß dort drinnen.

Gegen 15 Uhr startet unsere 4 ½ stündige Jeeptour mit uns Mädels. Die Männer haben auf den Kamelritt verzichtet und machen am nächsten Tag die Jeeptour laut Programm. Wir Mädels wollen beides: Kamel und Jeep. Ich bin begeistert von der Wüste, dem roten Sand, den Sanddünen, den Felsformationen, den Dromedaren, die uns begegnen, und der Stille. Wir haben ausreichend Zeit, machen viele Fotos und steigen oft aus dem Jeep, laufen barfuß die Düne hoch und erklettern auch die bekannte Felsenbrücke. Ich bin nicht schwindelfrei – dennoch bin ich froh, ohne nachzudenken einfach den anderen hinterher gelaufen zu sein. Zum Abschluss schauen wir uns den Sonnenuntergang von einem Felsplateau aus an.

Wieder im Camp, erwartet uns ein Abendessen der besonderen Art: Fleisch, Gemüse und Kartoffeln wurden zwei Stunden in der Erde gegart. Eine Art Erdofen. Es hat sehr lecker geschmeckt!

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Die Nomaden hatten etwas von „Fluch der Karibik“

Am nächsten Tag um 7 Uhr früh geht es los zu unserer Kameltour. Eigentlich sind es ja Dromedare! Jeder bekommt eines zugeteilt und Mahmoud und ein Ägypter sind unsere Führer und gehen zu Fuß. Hochachtung davor! So anstrengend hatte ich mir das Reiten allerdings auch nicht vorgestellt. Fünf bis sechs Stunden sind arg lang und ich wusste kaum noch, wie ich mich auf dem Tier halten sollte. Es gibt keine Steigbügel, wo man die Beine entlasten kann. Dennoch hat es schon etwas Einzigartiges, mit dem Kamel durch die Wüste zu reiten wie Lawrence von Arabien. Ich möchte es nicht missen. Wieder im Camp ist es sehr heiß und wir machen eine ausgiebige Mittagspause. Einfach relaxen und nichts tun.

Nun folgt die letzte Etappe unserer Reise: Ein Tag in Aqaba. 45 Grad heiß soll es dort sein – war es auch. Ich stöbere mit einer Mitreisenden kurz durch den Gewürzmarkt und durch ein paar Souvenirgeschäfte. Ich finde auch den Laden Ali Baba, von dem mir eine Freundin berichtet hatte. Der Ladenbesitzer redet fleißig auf uns ein, obwohl wir kein arabisch verstehen. Es stellt sich raus, dass er als Double für Omar Sharif in „Lawrence von Arabien“ gearbeitet hat. Er zeigt uns Bilder, gibt uns Autogramme und Fotos machen wir auch. Herrlich. Dann bin ich zurück ins Hotel gegangen. Es war einfach zu heiß.

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Endlos wirkt die Canyonlandschaft

Für den nächsten Tag fahre ich mit den anderen zu einem Beach Resort. Dort gibt es ein Korallenriff, Strand und mehrere Pools. Eine schöne Anlage. Ich bin einfach nur faul. Von Mahmoud hatten wir uns schon verabschiedet. Sein Neffe soll uns zurück zum Flughafen nach Amman begleiten. Und prompt haben wir auf halber Strecke, mitten in der Wüste, eine Reifenpanne! Unser lieber Busfahrer bekommt den Reifen nicht gelöst, denn der hat sich verkeilt. Mit seiner hübschen Uniform und weißem Hemd bemüht er sich vergeblich. Wir hören, dass uns ein Ersatzbus geschickt werden soll und warten mitten im Nichts. Plötzlich hält ein anderer Bus und die Leute helfen uns den Reifen zu lösen. Es funktioniert! Zeitgleich trifft der Ersatzbus ein, aber wir wollen unseren geliebten Bus und unseren Busfahrer nicht verlassen und fahren mit ihm weiter.

In Amman angekommen haben wir noch eine kurze Nacht, bis unser Flieger Richtung Deutschland startet. Um Mitternacht soll es losgehen. Zu unserer großen Überraschung und Freude war Mahmoud unser Reiseleiter wieder da! Wie schön. So ging eine traumhafte Reise zu Ende, die so reich an Highlights war.

– Bärbel Franz

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