Athiopisches Kloster
Reisebericht Äthiopien 9. März 2018

Im Land der Königin von Saba

Äthiopien ist für Kulturliebhaber und Naturfreunde ein spannendes Reiseziel. Auch Silke W. lockten kulturelle Schätze, die rauschenden Nil-Wasserfälle und die fantastische Welt der Naturvölker in das einzigartige Land.

Äthiopische Landschaft

Als man mich fragte, wohin mein nächster Urlaub gehen würde, erntete ich nur erstaunte Blicke. Äthiopien ist nun nicht das klassische Reiseland, eher bekannt durch Bürgerkrieg und Hungersnöte. Nur wenige wissen, dass die legendäre Königin von Saba vermutlich in Axum ihren Palast gehabt haben soll. Außerdem befindet sich hier, wenn es nach der äthiopisch-orthodoxen Kirche geht, die echte Bundeslade mit den Gesetzestafeln Gottes. Äthiopien ist sicherlich kein eintöniges, langweiliges Land – eher eines mit reicher Geschichte und Traditionen. So gibt es 120 verschiedene ethnische Gruppen, die grandiose Gebirgslandschaft des Simien-Nationalparks mit bis zu 4.500 m hohen Gipfeln, die dort endemischen wilden Geladas, eine Pavianart, den Grabenbruch mit seinen Seen und Weinanbaugebieten, äthiopischer Kaffee, natürlich die weltweit einzigartigen Felsenkirchen und Kirchenmalereien. Für uns fremd, aber typisch für die Nordäthiopier, die weißen Baumwollumhänge und Männer, die sich auf lange Stöcke stützen und Gewehre und Kalaschnikows mit sich herumtragen.

 

Auf Entdeckungstour in Äthiopiens Hauptstadt

Am Morgen kommen wir in Addis Abeba, der „neuen Blume“ an. Die Stadt erinnert aber mehr an Großbaustelle, einige Gebiete sind recht sauber und modern, andere bunt und chaotisch, schmutzig. Es tut gut dem tristen Novemberwetter in Deutschland zu entfliehen, denn Temperatur und Wetter sind hier in Addis ganz angenehm.

Am Nachmittag des ersten Tages begegneten wir im National Museum der berühmten und überraschend kleinen „Lucy“, einer Kopie eines 3,18 Millionen Jahre alten Skelettes eines Vormenschen, das in der Danakil-Senke gefunden wurde. Wir sehen weitere prähistorische Funde sowie eine Sammlung diverser Gegenstände, Skulpturen, Kleidung aus späteren Epochen.
Im ethnologischen Museum bekommen wir einen Einblick über die vielen verschiedenen Kulturen und Stämme, die in Äthiopien beheimatet sind.

Danach heißt es Wertsachen ablegen, Taschen leeren und ab geht es über den größten Markt in Addis. Eine Security geht voran, um uns einen Weg zu bahnen zwischen Obst, Gemüse, Kräutern, Menschen und Tieren und allen möglichen Dingen für den alltäglichen Gebrauch. Es ist kaum möglich, die vielen Bilder, die sich einem bieten, zu erfassen.


Wasserfälle des Blauen Nils

Wasserfälle des Blauen Nils

An den nächsten Tagen lernen wir auch die staubigen Schotterpisten kennen, obwohl es erst einen Monat nach Regenzeitende ist, sind die Pflanzen und Bäume der Straßenränder mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Ein kleiner Spaziergang durch die wunderschöne Natur bringt uns zu den nicht mehr ganz so gewaltigen, aber immer noch sehenswerten Nil-Wasserfällen. Einige Kühe bieten sich als Fotomodel an. Die Hängebrücke, um zu den Fällen zu gelangen, ist aber für Höhenängstliche eine Herausforderung.


Besichtigung des Palast- und Klosterbezirkes

Klosterfresken

Klosterfresken

Am folgenden Nachmittag betreten wir den „Gemp“ in Gondar, den alten Palastbezirk äthiopischer Könige. Wer hätte das gedacht, dass „mitten“ in Afrika so eine imposante und außergewöhnliche Anlage zu sehen ist. Mächtige Mauern, Kuppeln, Zinnen, mehrstöckige Gebäude zeugen noch ein wenig von der Pracht und dem Reichtum und handwerklichem Können vergangener Jahrhunderte.
In der Nähe besuchen wir das Kloster Debre Berhan Selassie mit seinen berühmten Engelsgesichtern an den Balken der gesamten Decke und dem völlig bemalten Innenraum.


Fotostopp bei den Geladas

Blutbrustpavian

Blutbrustpavian

Weiter geht‘s nach Debark. Ich war schon sehr gespannt auf die Geladas und ich hätte nie gedacht, dass es so einfach ist, die Blutbrustpaviane zu Gesicht zu bekommen. Gleich nachdem wir mit dem Bus in die Simien-Berge auf ein Hochplateau auf ca. 3200 m gefahren sind, „grast“ eine Horde. Das dicke Fell der Männchen weht im Wind. Sie lassen uns ziemlich nah heran und wir können sie nach Herzenslust beobachten und unzählige Fotos schießen. Das Wetter ist wunderschön und es gibt herrliche Ausblicke über diese einzigartige Naturlandschaft.

Auch am nächsten Tag hält an unserem Busausstieg gerade eine Gruppe Geladas und wir haben alle Zeit der Welt zuzuschauen, wie sie Wurzeln und Flechten mit ihren kleinen Händchen abreißen, um sie zu fressen. Die Wanderung durch den Nationalpark ist gemütlich, auch wenn es nur leicht bergauf geht, merkt man schon die Höhe, aber alles ist durchaus zu schaffen. Die Wanderung geht weiter vorbei an leuchtend gelb blühenden Johanniskraut-Sträuchern, bemoosten Bäumen, verschiedenen Blumen und immer am Rand des Hochplateaus mit einem atemberaubenden Blick über eine nicht enden wollende Berglandschaft. Ein toller Tag!


Erkundung des UNESCO-Weltkulturerbes Lalibela

UNESCO Kulturerbe Lalibela

Über Axum und Mekele erreichen wir über eine Schotterpiste als letzter Tagesetappe, aber mit sehenswerter Umgebung, das legendäre Lalibela mit seinen 11 Felsenkirchen aus dem 12./13. Jahrhundert, die wir tags darauf ausgiebig besichtigen. Es tut gut innezuhalten, um diese außergewöhnliche Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Jede Kirche ist aus rotem Tuffgestein heraus gehauen und keine gleicht der anderen. Kein Wunder, dass Legenden von Mithilfe der Engel bei der Entstehung dieser Kirchen entstanden sind.
Es ist ein bisschen abenteuerlich, sich durch die engen Schluchten und Tunnel, über Steintreppen von einer Kirche zur nächsten zu bewegen. In jeder Kirche wird uns ein kunstvoll gearbeitetes Vortragekreuz gezeigt, typisch für die äthiopische Kirche.
Die Georgskirche ist sicherlich die schönste, die Marienkirche besticht aber von innen durch wunderschöne, farbige Details. Jede Kirche ist mit Teppichen ausgelegt, farbenprächtigen Vorhängen und Bildern. Kirchensocken sind angebracht. Überraschenderweise war auch diese Anlage nur von relativ wenigen Touristen besucht.


Weiterreise nach Südäthiopien

Die letzten Tage unserer Reise führen uns in den südlichen Grabenbruch, mit Zwischenstopp in Hawassa, vorbei an einigen Seen bis wir in Arba Minch unser Hotel auf einem Hügel mit einem herrlichen Blick über den Abaya und Chamo See beziehen. Das hatte ich auch noch nie, Sonnenaufgang vom Bett aus beobachten. Wie genial!

Wir besuchen heute die Dorze, ein Bergvolk, mit ihren ganz speziellen Hütten, aus Bambusmatten geflochten sehen sie aus wie Elefantenköpfe. Wir dürfen ins Innere. Die Augen brauchen eine Zeit, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Über offenem Feuer wird für uns guter Kaffee gebraut, im hinteren Teil der Hütte sind die Tiere untergebracht. Man wohnt zusammen. Wir erfahren einiges über das Leben der Dorze und können noch ein paar Mitbringseln kaufen.

Anschließend schippern wir über den Chamosee. Es zeigen sich Krokodile, Nilpferde, Fischadler, Pelikane, Fischreiher – wunderschöne Fotomotive, aber leider fast der Schluss unserer Erlebnisreise.

Am nächsten Tag treten wir die Rückreise über den Zway See nach Addis an. Nach einem ausgiebigen äthiopischen Abendessen mit Folkloretänzen und Gesängen müssen wir Abschied nehmen von diesem bezaubernden Land und seinen Menschen.

Es war eine Reise mit einer für mich so noch nicht erlebten Mischung aus Natur und Kultur, Kunstschätzen, aber auch großer Armut. Ich werde nicht vergessen, wie dankbar Pilgerinnen für ein paar Birr waren. Ihre Gesichter strahlten. Dank auch an unseren Reiseleiter Woubshet, der uns mit einer Fülle an Wissenswertem aus Vergangenheit und Gegenwart bestens versorgte und mithalf, dass diese Reise in bester Erinnerung bleibt.

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