Menschen live 30. Januar 2017

Kenia trifft Deutschland: Schneeflocken für Christine

Mit Country Managerin Heike Hollwitz und ihrer Familie besuchte Christine Wanyonyi aus Kenia zum ersten Mal Deutschland. Dabei erlebte sie gleich zwei Premieren: Sie saß zum ersten Mal im Flieger und sah Schneeflocken.

Als Christine Wanyonyi das erste Mal ihre Heimat Kenia verlässt, ist da pure Freude. Keine Nervosität, keine Aufregung. Fast nebensächlich, dass sie das erste Mal in einem Flugzeug sitzt. Der Druck, der sie beim Start des Fliegers in die Sitze presst, dieses flaue Gefühl im Bauch, das man hierzulande sonst von Achterbahnfahrten kennt.

Ihre volle Aufmerksamkeit gehört dem Boden, der sich immer weiter entfernt, den Straßen, Gebäuden und Menschen, die zu Miniaturfiguren schrumpfen, und irgendwann von der mächtigen Natur Kenias verschluckt werden: „Als das Flugzeug abhob, war das einer meiner schönsten Momente. Direkt am Fenster zu sitzen, das war großartig!“

Erste Tage in der Schweiz

Nach der Landung in Zürich begrüßt sie klirrende Kälte. „Es war ein Uhr mittags und es war unglaublich kalt, ich habe richtig gefroren!“ Zuhause in Naivasha, knapp südlich des Äquators, herrschten noch sommerliche Temperaturen, T-Shirt-Wetter. In der Schweiz blickt sie nun auf schneebedeckte Gipfel. Ein wunderschöner Anblick, der die Kälte schnell vergessen lässt. Zusammen mit der Familie von Country Managerin Heike Hollwitz geht es erst einmal für ein paar Tage in ein kleines Bergdorf in den Schweizer Alpen, bevor schließlich Deutschland wartet.

Dass Christine die Reise nun doch antreten konnte, war keine Selbstverständlichkeit, denn die zähe Bürokratie hinderte sie fast an der Ausreise: „Es war der Reisepass. Die kenianischen Behörden haben mir nicht geglaubt, dass ich Kenianerin bin.“ So musste sie zunächst Rücksprache mit ihren Verwandten halten, bevor ihre Staatszugehörigkeit schlussendlich akzeptiert wurde. „Das war schon eine kleine Herausforderung, vor allem weil es auch das erste Mal war, dass ich überhaupt mit dieser Form der Bürokratie zu tun hatte“, erklärt Christine.

Schneeflocken zur Begrüßung

Als Christine schließlich das erste Mal Deutschland sieht, sitzt sie mit Heikes Familie im Auto. Es schneit. Schneeflocken bleiben an den Fensterscheiben kleben, werden vom Fahrtwind weggepustet, verlieren sich im Gestöber. Schnee kennt Christine aus der Schweiz, aber wie er vom Himmel fällt, ist neu für sie: „Ich habe das nie zuvor in meinem Leben gesehen – auch nicht in der Schweiz. Das war so besonders. Ich kann das gar nicht beschreiben.“

Wirklich überrascht ist Christine nicht von Deutschland: „Es ist genauso wie ich es mir vorgestellt haben. Es ist wunderschön und es gibt viele nette Menschen.“

Deutsche und Kenianer zu vergleichen, sei sehr schwer, erzählt sie. „Die Deutschen sind auf ihre eigene Art besonders und Kenianer ebenso.“ Eine Besonderheit der Kenianer fällt ihr aber auf Anhieb ein: „Egal vor welche Probleme Kenianer gestellt wird, sie hören nie auf zu lächeln. Egal wie hart das Leben ist. Sie verstecken alles hinter einem Lächeln.“

Neue Herausforderungen für Christine

Christine_Deutschland (c) WORLD INSIGHT 01

Gruppenbild auf der CMT in Stuttgart: Christine (2. v. r.), und Heike Hollwitz‘ Familie werden von WORLD INSIGHT Geschäftsführer Otfried Schöttle und WORLD INSIGHT Referentin Anya Wohlgemuth in die Mitte genommen.

Bis Ende Januar hatte Christine nun Zeit Deutschland zu entdecken. Ihr erstes Ziel war die CMT in Stuttgart, die weltgrößte Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit. Hier traf sie zusammen mit der Familie von Heike Hollwitz das Team von WORLD INSIGHT. Nach freudiger, familiärer Begrüßung und einem Gruppenfoto samt Kind und Kegel wartete ein Auftritt bei der Live-Reportage „Kenia Spezial“.

Christine ist aufgeregt. Sie erzählt direkt zu Anfang des Vortrags aus ihrem Leben in Kenia. Dass sie vor drei Jahren unsere Country Managerin Heike Hollwitz kennengelernt hat, seitdem bei ihr als Kindermädchen arbeitet und die Primary School in einem Jahr nachgeholt hat. Jetzt geht sie auf die Secondary School. Auch weil WORLD INSIGHT ihr den Schulbesuch finanziert, der in Kenia anders als in Deutschland nicht kostenlos ist.

„Die Secondary School ist schwer. Ich habe Biologie, Chemie, Geschichte und Mathematik. All das ist eine große Herausforderung, aber das mag ich“, erzählt Christine. Aktuell hat sie sechs Mitschüler in ihrer Klasse. Alle sind bereits erwachsen und etwas älter als sie, nichtsdestotrotz hilft man sich gerne untereinander, um die Herausforderung zu meistern. Die Bedingungen sind dabei nicht gerade komfortabel: „Der Klassenraum ist sehr klein und ziemlich dunkel. Selbst, wenn es Tag ist, müssen wir das Licht anschalten, um die Tafel zu sehen.“ Ihr Schulweg ist hingegen Luxus, denn sie braucht nur fünf Minuten zu Fuß zur Schule in Naivasha.

Wie eine zweite Mutter

Christine_Deutschland (c) WORLD INSIGHT 03

Liebevoll kümmert sich Christine auf der CMT Stuttgart um Marc (l.) und Sofia (r.), die Kinder von Heike Hollwitz.

Nach ihrem morgendlichen Schulbesuch arbeitet sie als Kindermädchen bei Heike Hollwitz. Sofia, die gerade in den Kindergarten geht, und ihr kleinerer Bruder Marc brauchen Beschäftigung, wenn Heike unterwegs ist und Reisen organisiert oder wie auf der CMT in Stuttgart „ihr“ Land Kenia vorstellt. Währenddessen kümmert sich Christine liebevoll um die beiden lebhaften Kids. „Ich passe auf, dass es ihnen immer gut geht. Ich bin wie ihre zweite Mutter“, sagt Christine.

Schule und Arbeit sind für sie nicht immer leicht unter den Hut zu kriegen: „Man muss manchmal wirklich stark sein. Es kommt schon einmal vor, dass ich um zwölf Uhr nachts ins Bett gehe und um fünf Uhr morgens wieder aufstehen muss.“

Abenteuer Hauptstadt

Auf Reisen in Deutschland hatte sie etwas öfter Zeit, ihrem Lieblingshobby nachzugehen: das Lesen. „Ich lese meistens Romane, mein Lieblingsbuch ist ‚Blue Shoes‘ von Anne Lamott“, erzählt sie.

Mit Heikes Familie ging es nach der CMT in Stuttgart nach Berlin – für Christine sicher der Höhepunkt ihres Deutschlandbesuchs, denn dort warteten echte Highlights wie das Brandenburger Tor oder die Berliner Mauer auf sie. Der Tierpark Berlin gehört wohl nicht dazu: „In Kenia kannst du in jedem Park Giraffen und Zebras frei herumlaufen sehen. Das ist wirklich unvergleichlich! Wenn du in Deutschland große Tiere sehen willst, kannst du nur in den Zoo gehen.“

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