Auf Dienstreise 11. August 2016

Mit Chris durch Muscat

Otfried Schöttle

Landung in Muscat am frühen Morgen. Der Terminplan ist eng gestrickt: Unser Reiseleiter Chris holt mich ab und wir machen uns direkt auf Inspektionstour durch Muscat.

Nach meiner Landung in Muscat am frühen Morgen beziehe ich ein Hotel in Flughafennähe – so mache ich es immer, wenn mein Terminplan eng gestrickt ist, man muss schnell wieder am Airport sein. Kurz frisch machen, dann steht auch schon unser Reiseleiter Christian vor der Tür: Die nächsten acht Stunden werde ich mit ihm verbringen, Hotels anschauen, aber auch eine Citytour mit ihm in Muscat unternehmen, bevor wir mit Sanjay, unserem Country Manager für Oman, und seinem Team im Büro neue Wege und Routen, Kalkulationen, Chancen, aber auch Schwierigkeiten besprechen werden.

Die Zeit wird im Flug vergehen und ich werde unsere Gäste darum beneiden, zwischen zehn und zwanzig Tagen Zeit zu haben, um mit unserem ausgezeichneten Reiseleiter dieses wunderbare Land zu bereisen. In der Hauptstadt Muscat hole ich mir an der Seite von Chris mächtig Appetit auf dieses traumhafte Land am Arabischen Golf, das fast so groß wie Deutschland ist, wo aber nur etwas mehr als vier Millionen Menschen leben, davon allein in der Hauptstadt schon 1,2 Millionen. Muscat ist eine Multikultistadt: Nicht einmal jeder zweite Einwohner ist Omani, die meisten sind zugewandert – aus Bangladesch, Pakistan, Thailand, Philippinen und allen voran aus Indien. 800.000 Menschen stammen vom Subkontinent und prägen Wirtschaft und Handel des Sultanats.

Blick über die City

Blick über die City

Apropos Sultan: Wir fahren vom Flughafen in Richtung City und sehen ein erstes Zeugnis seiner Schaffenslust – die nach ihm benannte und von ihm erbaute Sultan-Qabus-Moschee ist die größte des Landes. Und gäbe es seit kurzem nicht die Zayid Moschee in Abu Dhabi, so wäre noch heute die Qabus-Moschee ein Bauwerk der Superlative: Bis dahin nämlich beherbergte sie den größten Kristallluster (Kristalle von Swarowski, der Kronleuchter selbst ist 15 Meter hoch, 8 Tonnen schwer und beinhaltet 1.200 Glühbirnen!) auf der Halbinsel und den größten Perserteppich: Allein an letzterem webten 600 Frauen drei Jahre lang. Christians Augen leuchten bei diesen Zahlen – und beim Anblick der überaus gelungenen Architektur: Anders als andere Sultane rief Sultan Qabus einen Architekturwettbewerb aus, um die Moschee erbauen zu lassen. Den Zuschlag für den 92 Meter hohen Bau auf einer 20 Hektar großen Fläche bekam letztlich ein britisch-muslimisches Büro. Die für arabische Verhältnisse neutrale Weise, den besten Bauherrn zu finden, zeichnete sich aus und anders als manch anderer moderner Betonklotz, der die ein oder andere muslemische Stadt verschandelt, ist die Sultan-Qabus-Moschee fraglos ein neues Highlight von Muscat.

 

Sultan-Qabus-Moschee

Sultan-Qabus-Moschee

Sultan-Qabus-Moschee

Sultan-Qabus-Moschee

 

 

 

 

 

 

Luxus - die neue Yacht des Sultans gleicht einem Kreuzfahrtschiff

Luxus – die neue Yacht des Sultans gleicht einem Kreuzfahrtschiff

Christian und ich reden während der Fahrt weiter über den Sultan und unser Reiseleiter gerät ein wenig ins Schwärmen: 46 Jahre sei er bereits an der Macht. Als er sie übernahm, sei Oman ein armes Land gewesen. Dann kam der Ölboom. Doch anders als das saudische Königshaus oder die Emire von Katar oder Bahrein steckte Sultan Qabus nicht alles in die eigene Tasche oder in die der Familie, Freunde, Günstlingen, sondern investierte in Straßen, Schulen und Krankenhäuser – so gab es 1970 gerade einmal drei Schulen und drei Krankenhäuser, heute sind es dagegen 600 bzw. 500! Als wir an der Corniche ankommen, dem Hafen in der Altstadt des Stadtteiles Muttrah, sehen wir eine riesige Luxusyacht in sandbrauner Farbe vor uns: „Das ist die Yacht des Sultans“, sagt Christian, doch auch seine Augen werden größer, als er neben der Yacht noch ein viel größeres Schiff schwimmen sieht, eines, das man nicht mehr als Yacht, sondern eher als Kreuzfahrtschiff bezeichnen würde. Auch diese gehöre dem Sultan, sagt Christian, und wir beide müssen etwas darüber lächeln, dass der Herrscher offensichtlich doch nicht ganz so selbstlos ist, wie er vorher dargestellt wurde.

 

 

Chris im WORLD INSIGHT-Shirt

Chris im WORLD INSIGHT-Shirt

Christian ist ein wunderbarer Begleiter an diesem Tag: Er weiß einfach unendlich viel über Muscat und das Land Oman. Wir sprechen darüber, was einen guten Reiseleiter ausmacht und was der Vorteil gegenüber einem Reisehandbuch ist: „Das Reisehandbuch kannst du nichts fragen“, sagt Chris, „es findet kein Dialog statt“. Und genau das ist es: Nicht den Gast mit allem Wissen zuzutexten und Monologe zu halten, sondern in einen Austausch und Dialog zu treten. Chris erzählt von einer Reise, bei der er einen Zoologen als Reisegast mit dabei hatte. Den hat er dann zwischendurch ans Mikro geholt, weil der einfach Spannendes zur Tierwelt des Omans erzählen konnte. „So wurde es bunter und wir haben alle etwas davon gehabt, vor allem aber hat es uns auch allen Spaß gemacht“, meint Chris. Die Freude am gemeinsamen Entdecken ist es also, was eine Reise in kleiner Gruppe ausmacht – mit einem Freund an der Seite, niemand, der mit einem Fähnchen voran geht und kopflose Touristen dahinter. „Unsere Gäste sind wunderbar, Otfried – sie sind interessiert, aber auch entspannt, sie haben auf angenehmen Weise ihren eigenen Kopf, mögen aber einfach auch nette Mitreisende in der Gruppe, bring uns weiter solche Leute“, sagt Chris mit einem Lächeln. Ich nicke zustimmend, denn ich habe auf diversen Reisen, wo ich auf Gruppen von uns getroffen bin bzw. auf Reisemessen oder Präsentationen dasselbe festgestellt. Und ich gebe das Kompliment von Chris an dieser Stelle gerne an unsere wunderbaren Reisegäste weiter!

 

 

Bei Chris Zuhause

Bei Chris Zuhause

Reiseleiterinnen und Reiseleiter sind für uns nicht nur ganz wichtige Mitarbeiter, denen wir unsere Gäste anvertrauen. Sie sind auch Menschen für uns und sie haben oft eine ganz spannende Geschichte. Mit dem Sultan von Oman verbindet Chis zum Beispiel, dass beide gerne Orgel spielen. Bei Chris war die Musik sogar Beruf. Bis er eines Tages in der Zeitung eine Anzeige von Lufthansa las, in der die Frage stand, „wer die Welt kennenlernen möchte?“. Chris wollte! Und weil er ein unkonventioneller Mensch ist, dessen Leben nicht von Geburt bis Bahre vorgezeichnet ist, bewarb er sich: Und wurde – entgegen seinen Erwartungen – genommen. Es waren die „Goldenen Zeiten“ der Luftfahrt, erzählt Chris: Langstrecke bedeutete Zwischenaufenthalte von bis zu einer Woche. „Man lernte die Welt kennen und wurde dafür auch noch bezahlt“. So entdeckte er Asien, Lateinamerika und schließlich auch den Oman. In letzteren verliebte er sich so sehr, dass er, nachdem sich die Zeiten der Luftfahrt änderten (heute bleiben Flugbegleiter nach Langstreckenflügen maximal noch zwei Tage im Zielgebiet), seine Koffer packte und nach Muscat zog. Dort arbeitete er fortan erst freiberuflich, dann festangestellt bei unserem Country Manager Sanjay als Reiseleiter. Und seit fünf Jahren für uns: Fünf Jahre, in denen wir nur ausgezeichnete Rückmeldungen zu Chris erhielten und an diesem Tag verstehe ich diese ausgezeichnete Feedbacks einmal mehr: Nicht nur, dass Chris viel weiß, nicht nur, dass er einfach gern und gut mit Menschen umgehen kann, Chris ist einfach ein wunderbarer Kerl, den man mögen muss und mit dem man auch ganz viel Spaß haben kann.

 

 

Herrlicher Blick vom Muttrah-Pfad

Herrlicher Blick vom Muttrah-Pfad

Wir haben genug vom Toyota landcruisen und wollen ein Stück des Muttrah-Trails gehen, den kaum ein anderer Veranstalter im Programm hat – auch so eine Idee von Chris, „in der Stadt wandern“. Eine tolle Abwechslung zum normalen Sightseeing im Souk, an der Corniche, zum Parlamentsviertel oder zu diversen Museen. Natürlich erkunden wir auch diese Sehenswürdigkeiten bei unseren Touren – es ist aber einfach auch schön, zwischendurch die leichten Trekkingschuhe zu schnüren und in der bizarren Berglandschaft zu wandern, um zum Beispiel den Ortsteil Muttrah „von oben“ zu erleben. „Die Einheimischen denken dann oft, die ticken nicht richtig, die Ausländer, wenn wir auf diesen Weg abbiegen“, meint Chris und lacht. Ein Omani kann einfach nicht verstehen, wie man auch nur wenige Meter freiwillig laufen kann – „wenn es nach einem Omani geht“, sagt unser Country Manager Sanjay später am Abend, „dann würden die noch am liebsten ganz in den Laden hineineinfahren, wenn sie beispielsweise einkaufen müssen“. Unseren Gästen gefällt der abwechslungsreiche Trek auf jeden Fall – und mir auch, auch wenn in der Hitze des Augusts manch Schweißtropfen fließt.

 

Natürlich machen wir an solch einem Tag nicht nur eine Citytour, sondern wir schauen Hotels an, die wir für unsere Gruppen nutzen und auch neue Alternativen. Wir sitzen mit den Hotelmanagern zusammen, trinken Tee, diskutieren Preise, halten Smalltalk der guten Beziehung wegen. Auch diese Leistungsträger sind für uns Menschen und ein gutes Verhältnis zu diesen fördert den Service und kommt letztlich unseren Gästen zugute: in Preisen wie in Leistungen.

Unser Team in Muscat - Otfried, Chris, Shampu, Sanjay, Jane (v.l.n.r.)

Unser Team in Muscat – Otfried, Chris, Shampu, Sanjay, Jane (v.l.n.r.)

An diesem Abend werden wir mit Sanjay und seinem Team noch darüber diskutieren, ob wir zukünftig unser zentral gelegenes Hotel an der Corniche weiter nutzen (absolute Toplage für Unternehmungen, dafür gefallen uns die Zimmer nicht mehr) oder ein sehr schönes Haus in einem gehobenen Stadtteil unweit des Strandes zwischen Flughafen und Altstadt: Dieses ist absolut einladend, verfügt über einen Pool und liegt in Gehweite zum Meer. Weitere Besprechungen folgen – mittlerweile sind auch Shampu und Jane mit von der Partie, Mitarbeiter unseres Country Managers, die für einen reibungslosen Ablauf unserer Reisen vor Ort sorgen. Wir reden über unsere bestehenden Touren und arbeiten an einer ganz neuen Reise für unser neues Reiseprogramm „Joy of Travel“.

Besprechung im Büro in Muscat - Country Manager Sanjay, Jane, Chis und ich besprechen neue Touren

Besprechung im Büro in Muscat – Country Manager Sanjay, Jane, Chis und ich besprechen neue Touren

Am Ende wird Chris sagen, das letztere eine „Super-Tour“ geworden ist und das „super“ spricht er in seinem ihm eigenen österreichischen Akzent, dass das „u“ lange dehnt und das „e“ fast verschluckt – die österreichische Art deutsch-omanische Ideen zu adeln! Soviel sei zu dieser neuen Reise verraten: Sie wird ganz viel Abenteuer beinhalten (3 Nächte in der Wüste, darunter zwei „wild“ unter freiem Himmel, eine in einem sehr schönen Camp), aber auch zwei fantastische Hotels in den Bergen um Nizwa – eine Mischung aus Genuss, Abenteuer, Entdecken und Entspannen!

 

Arabisches Dinner

Arabisches Dinner

Spät ist es am Abend, als wir mit unserem ganzen Team den Tag bei Wasserpfeife und arabischen Spezialitäten im Restaurant Kargeen ausklingen lassen – dieses Lokal ist ein absoluter Geheimtipp in Muscat und bei den Einheimischen sehr populär: Wir essen Fleisch von Grill, dazu Humus (pürierte Kichererbsen), Moutabel (pürierte Auberginen), Chubus (das arabische Fladenbrot) und Tabuleh (Petersiliensalat).

Es wird viel gelacht in diesem Team, das heute Abend aus Menschen des Oman, Indien, den Philippinen, einem Österreicher und einem Deutschen besteht – und alle tun gemeinsam ihr Bestes für WORLD INSIGHT und unsere Gäste: Toll, wenn Menschen aller Couleur so gut und gerne zusammenarbeiten! Als mich Chris am Abend zu meinem Hotel am Flughafen bringt, fällt der Abschied nicht leicht. Aber der Flieger nach Bangkok wartet schon: Knapp 6 Stunden Schlaf, dann geht die Reise weiter nach Thailand!

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