Südindien mal anders 14. Juli 2017

Mit dem „Toy Train“ durch die Nilgiriberge

Wer an Südindien denkt, träumt von Tropensonne und faszinierenden Tempeln. Unser Country Manager Sharma schwärmt jedoch auch für eine außergewöhnliche Zugfahrt – vorbei an Teeplantagen und bis in die Nilgiriberge.

„Es ist das rhythmische Tuckern des Zuges, das mich einfach fasziniert“, sagt Sharma. Unser Country Manager in Indien spricht keineswegs von einer Zugfahrt mit dem ICE von Köln nach Hamburg, die lautlos und rüttelfrei verläuft und von der es nun wirklich gar nichts zu erzählen gibt. Nein, er spricht über eine Fahrt mit dem „Toy Train“ durch die Nilgiriberge im Süden Indiens.

Sharma ist unser Country Manager in Indien.

Während der ICE die 400 km zwischen Köln und Hamburg humorlos in vier Stunden abhandelt, verkehrt der „Toy Train“ auf einer 46 km kurzen Strecke in erlebnisreichen fünf Stunden. Auf kaum eine andere Zugfahrt passt die Redewendung „der Weg ist das Ziel“ besser als auf diese. Das hat mit einem ganz besonderen Umstand zu tun, weiß Sharma: „Die Strecke der Nilgiri Mountain Railway ist die steilste in ganz Asien.“

Von Mettupalayam auf 325 m Höhe klettert der „Toy Train“ auf 2.200 m durch Wälder und dunkle Tunnel, durch Täler und steinige Hochebenen. Sharma ist davon so begeistert, dass er unbedingt eines loswerden will: „Es darf nicht der Umstand vergessen werden, dass das die beste Zugfahrt sein wird, die du jemals machen wirst!“

Schokolade und Tee in Ooty

Das Stadtbild von Ooty ist bunt, die Temperaturen angenehm.

Weil wir das unseren Reisegästen auf keinen Fall vorenthalten wollen, ist eine Fahrt mit dem „Toy Train“ fester Bestandteil des Programms unserer Südindien-Reise „Tiger, Tempel, Tropensonne“.

Wir steigen ein in Ooty einem Bergort im indischen Bundesstaat Tamil Nadu. Die Briten, die den Ort Anfang des 19. Jahrhunderts als Sommerresidenz für sich entdeckten, tauften ihn der Einfachheit halber Ooty. Sharma bleibt aber lieber beim indischen Namen Udagamandalam – für ihn ist das kein Zungenbrecher.

In den Nilgiribergen bestimmen Teeplantagen vielerorts das Landschaftsbild.

„Ich habe Udagamandalam mehrere Male besucht und schwelge in Erinnerungen, wenn ich an den Ort denke: emporragende Berge, weite Teeplantagen und eine entspannte, friedliche Atmosphäre“, beschreibt Sharma das Flair des mit milden Temperaturen und frischer Luft gesegneten Bergorts und fügt hinzu: „Udagamandalam ist bekannt für seine selbst hergestellte Schokolade. Neben ganz normaler Schokolade bekommt man auch interessante Varianten mit Erdbeere, Feige, Mango und schwarzer Johannisbeere. Für die Gesundheitsbewussten und Diabetes-Erkrankten wird sogar zuckerfreie Schokolade hergestellt.“

Die Königin der Bergstationen

Vor allem aber ist dieser Ort, der so gar nicht richtig in das sonst so tropisch heiße und wuselige Südindien passen will, bekannt als die „Queen of the Hill Stations“. Mit 2.200 m Höhe ist sie nämlich die höchste Station auf der Route der Nilgiri Mountain Railway. Auf unserer etwa einstündigen Fahrt von Ooty nach Coonoor gilt es für die „Toy Train“ genannte Schmalspurbahn zunächst eine kleine Steigung zu überwinden, bevor es auf Talfahrt Richtung Coonoor geht. „Wer gerne Bilder macht, sollte seine Kamera für das eindrucksvolle Viadukt zwischen Kallar und Adderley bereit halten“, rät Sharma.

Der „Toy Train“ überquert auf seiner Fahrt etwa 250 Brücken.

Anders als im ICE hat man genügend Zeit, um aus dem Zugfenster heraus das Motiv anzuvisieren: Der „Toy Train“ kriecht mit einer Höchstgeschwindigkeit von 10,4 km/h durch die bergige Landschaft. Kein Wunder, muss der Zug doch eine Steigung von durchschnittlich über 8 % überwinden – auf einer Strecke mit insgesamt 208 Kurven und 13 Tunneln. Dementsprechend groß war die Herausforderung für die Planer der Zugstrecke: „Die ersten Pläne für eine Bergbahn von Mettupalayam in die Nilgiriberge wurden 1854 entworfen. Doch erst 1899, also 45 Jahre später, fuhr der erste Zug”, erzählt Sharma und fügt hinzu: “Diese Zugstrecke ist ein Wunder der Ingenieurstechnik!“

Unterwegs in einem UNESCO-Welterbe

Die Dampflokomotive des „Toy Trains“ wurde von Schweizern entworfen.

Nahe liegt der Vergleich mit einem Schweizer Uhrwerk gleich aus drei Gründen: Erstens funktioniert sie über einen Zahnstangenantrieb, vergleichbar mit Zahnrädern in einem Uhrwerk. Zweitens wurde die Technik tatsächlich von einem Schweizer entworfen und auch die Lokomotiven sind aus Schweizer Design und Produktion. Drittens läuft die Bahn auch heute, über hundert Jahre später, nahezu einwandfrei.

 

2005 erklärte die UNESCO die Strecke des blau-cremefarbenen „Toy Trains“ zum Welterbe. Doch nicht nur deswegen ist er mittlerweile eine echte Berühmtheit: „Die Einheimischen kennen den Zug aus zahlreichen südindischen Filmen“, berichtet Sharma.

An den breiten Fenstern der holzvertäfelten Zugwaggons zieht gemächlich die wunderschöne Landschaft zu Füßen der Nilgiriberge vorbei. „Nebelfetzen, das Pfeifen eines Beo, das Tanzen des Sonnenlichts auf grünen Hügeln, das Puffern, Stöhnen und Pfeifen der Lok entlang einer traumhaften Schlucht und wunderschöne, nebelumhüllte Gipfel“, schwärmt unser Country Manager und fügt hinzu: „Das ist ganz einfach eine Reise, die man nicht so schnell vergisst.“

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