Entdecke einzigartige Völker 2. November 2021

Namibias Potpourri der Kulturen

Silvia Rein

Namibia – Land der grenzenlose Weite. Natur pur! Aber Namibia ist auch die Heimat von elf verschiedenen Volksgruppen.

Mit Namibia verbindet man gewöhnlich raue Wüstenlandschaften, endlose Sanddünen und natürlich den Tierreichtum im Etosha-Nationalpark. Aber Namibia ist viel mehr! Hier leben viele verschiedene Volksgruppen, z.T. noch tief in ihren Traditionen verwurzelt. Wir schenken unsere Aufmerksamkeit vier Ethnien, denen wir während unseren World Insight Reisen immer wieder begegnen und näherkommen.

Die Owambos

Etwa die Hälfte der Bevölkerung und damit die größte ethnische Gruppe gehört zu den Owambos. Sie leben im Norden des Landes nördlich der Etosha-Pfanne in der Region zwischen Kaokoveld im Westen und Kavango im Osten. Touristisch ist dieses Gebiet recht unerschlossen und steht in den wenigsten Reiseprogrammen. Das Klima und insbesondere der Regenreichtum eignen sich hervorragend für den Ackerbau sowie den Anbau von Hirse und Mais. Den Europäern war dieses Klima nicht besonders angenehm, und so konnte sich dieses Volk bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ungestört ihre Kultur bewahren. Die Owambos leben hauptsächlich von der Viehzucht, der Landwirtschaft und dem Fischfang, aber auch vom Handel.

Die sozialen und kulturellen Entwicklungen der letzten Jahre haben vor dem eher traditionellen Lebensstil der Owambo nicht Halt gemacht. Moderne Shopping Malls und neue Geschäfte säumen die Straßen in den Städten. Alte Hütten aus Holz und Schilfgras wurden durch Stein und Wellblech ersetzt. Ackerbau und Viehzucht gibt es hauptsächlich nur noch auf dem Land. Mit hölzernen Pfahlzäunen umgebene klassische Dörfer, sogenannte “Homesteads”, gibt es trotzdem noch, und in ihnen leben die alten Traditionen weiter.

Bis auf unsere Campingreise kommen wir bei all unseren Namibiareisen mit den Owambos in Kontakt, denn wir übernachten in unserer besonderen Adventure Lodge Nakambale. Der finnische Missionar Martti Rauttanen baute hier um 1880 eine Kirche und übersetzte die Bibel in die einheimische Sprache. Die Bewohner nannten ihn “Nakambale“, weil er einen Hut trug, der einem umgedrehten „Okambale“-Korb glich. Die Lodge befindet sich quasi auf dem Gelände der Missionsstation direkt neben einem Homestead. An diesem Ort tauchen unsere Gäste tiefer ein in die Geschichte, Kultur und Traditionen der Owambos.

Die Kavangos

Diese Volksgruppe macht ca. 10% der Gesamtbevölkerung aus. Die „Flussmenschen“ sind die Nachbarn der Owambos und leben entlang des Kavango-Flusses vom Owamboland im Westen bis zur Sambesi-Region im Osten. Sie haben das Label zur “freundlichsten“ Nation in ganz Afrika zu gehören. Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens ist der Kavango-Fluss, nach dem sie benannt sind. In dem schmalen fruchtbaren Bereich des Flussufers betreiben sie Ackerbau und ihr Vieh findet Nahrung im Überschwemmungsgebiet. Sie leben zudem vom Fischen und von der Jagd nach Wildtieren. Um die Arbeitssituation zu verbessern, gibt es außerdem zahlreiche landwirtschaftliche Projekte, u.a. der Anbau von Zuckerrohr, Forstplantagen und Weinbau.

Wie viele andere Völker haben sie auch den Tourismus für sich entdeckt. Kavangos sind begnadete Holzschnitzer, die ihre Kunstwerke in Souvenirgeschäften oder auf dem großen Holzschnitzer-Markt in Okahandja verkaufen. Verwendet wird dazu das Dolfwood Holz, das im Sand der Kalahari wächst. Ihre Schnitzkunst und Kreativität kennen keine Grenzen, und sie fertigen daraus alles Mögliche an, angefangen von Trommeln über Masken, Möbel, Haushaltsartikel bis hin zu Einbäumen.

Die Männer sind für die Viehzucht zuständig aber auch für die Vorbereitung des Ackerlandes und die Ernte. Die Frauen übernehmen die Aussaat und das Pflanzen. Die Kavangos haben ein matriarchalisches Gesellschaftssystem, d.h. die Abstammung wird über die Linie der Frauen bestimmt. Wenn z.B. ein Mann eine vererbbare politische Position inne hat, dann wird diese nicht an seine eigenen Kinder weitergegeben, sondern an den ältesten Sohn seiner Schwester.

Wir begegnen den Kavangos bei unseren Namibia Reisen AktivPlus, der Erlebnisreise und der Comfort&Joy Namibia und Botswana mit Victoriafällen. Dabei übernachten wir wieder in einer unserer besonderen Adventure Lodges – der Okavango Adventure Lodge. Hier sind wir der Lebensader des Kavangos und seiner Menschen ganz nah. Wir wandern entlang des Flusses und besuchen einzelne Dörfer.

Die Himba

Wer kennt sie nicht, diese typischen Fotos vom Volk der Himba, die ihre Haut und ihr Haar mit einer Paste aus rotem Ocker und Butter einreiben. Die sogenannte Otjize Paste reinigt die Haut, spendet Feuchtigkeit in der extrem trockenen Luft und wirkt zugleich als Insektenschutz. Die Bilder erscheinen wie aus einer anderen Zeit.

Eng verwandt mit dem Volk der Herero gehören die Himba zum letzten halbnomadischen Volk in Namibia. Sie leben im Kaokoveld in den Bergregionen des Kunene-Fluss und ziehen mit ihren kleinen Rinderherden zwischen Weidegebieten und wasserreichen Gebieten hin und her. Männer gehen außerdem auf die Jagd und Frauen kümmern sich um die Felder in ihren temporären Siedlungen.

Die Himba halten konsequent an ihrer traditionellen Lebensform fest, nur wenige haben sich zum Christentum bekehrt. Im Zentrum ihres Glaubens steht die Verehrung ihrer Ahnen, die als Mittler zwischen Himmel und Erde dienen. Ihre Rinder, die Bindeglieder zu ihren Ahnen, sind ähnlich wie in Indien heilig und dürfen nicht geschlachtet werden. Bis vor 10 Jahren gingen die Kinder der Halbnomaden in mobile Schulen, aber seit 2010 sind daraus feste Einrichtungen geworden. Daher lässt es sich wahrscheinlich kaum vermeiden, dass sich die jüngere Generation allmählich von den alten Bräuchen und Traditionen abwendet, auch wenn die Älteren an diesen eisern festhalten.

Der Tourismus ist leider eine Bedrohung für dieses Volk, da viele unachtsame Touristen die Ursprünglichkeit der Himba als touristisches Highlight entdeckt haben und wenig respektvoll damit umgehen. Auf unserer Comfort&Joy Namibia als auch der Comfort&Joy Namibia und Botswana mit Victoriafällen besuchen wir das Omapha Himba Dorf, dass sich zur Aufgabe gesetzt hat, ihre Kultur zu erhalten und offenherzigen Menschen näher zu bringen. Gleichzeitig haben sie in ihrem Dorf Waisenkinder aufgenommen und bieten ihnen ein liebevolles Zuhause. Die Einnahmen aus dem Besuch der Touristen fließen in den Unterhalt für die Waisenkinder. Wir nähern uns diesen Menschen äußerst behutsam und respektvoll.

Die San

Das Volk der San gehört mit 3% der Bevölkerung zu der kleinsten Ethnie Namibias und gilt als die eigentlichen Ureinwohner des südlichen Afrikas. Sie sind meist kleinwüchsig mit mandelförmigen, schräg stehenden Augen, haben hohe Wangenknochen und eine gelblich-helle Haut. Ihre Sprache enthält die charakteristischen Klick- und Schnalzlaute.

Die San zogen für Tausende von Jahren als Jäger und Sammler durch Namibia, Botswana und Südafrika. Auf den Wanderrouten der Tiere und auf der Suche nach Wurzeln, Samen, Nüssen und anderen essbaren Pflanzen lebten sie im vollen Einklang mit der Natur.

Ihre losen Gruppen wurden meistens vom erfahrensten Jäger angeführt. Darüber hinaus gibt es keine politische Führungsautorität über alle San. Männer waren traditionell für das Jagen verantwortlich, was mit Speeren, Pfeil und Bogen passierte, Frauen für das Sammeln von Wurzeln, Beeren und Früchten. Die San hatten ein unglaubliches Wissen über die Natur, ihre Pflanzen und Heilkräfte und waren in der Lage, selbst dort noch Wasser zu finden, wo scheinbar nur Dürre vorherrschte.

Durch das Entstehen von großflächigen Wildschutzgebieten wurde der Lebensraum der San vehement eingeschränkt und ihr ursprüngliches Leben zerstört. Heute suchen sie sich Arbeit auf Farmen, wo sie als Spurensucher ein Einkommen finden. Sie gelten wegen ihrer scheinbaren Rückständigkeit in Namibia und Botswana als Ausgestoßene und haben kaum Zugang zu Bildungseinrichtungen. Wie bei anderen Urvölkern dieser Welt, denen man die Lebensgrundlage und ihre Wurzeln genommen hat, suchen viele Zuflucht im Alkohol.

Zum Glück gibt es vor allem in Namibia vereinzelte Projekte, um die Kultur und das Wissen dieses erstaunlichen Volkes am Leben zu halten. Auf unseren Namibiareisen AktivPlus, der Erlebnisreise sowie der Erlebnisreise Namibia und Botswana mit Victoriafällen besuchen wir eines dieser Projekte und lernen von den San z.B. wie man jagd, Spuren liest, Nahrung im Busch findet und sogar wie man mit Pfeil und Bogen umgeht.

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Jochen Beckert, WORLD INSIGHT-Country Manager in Nambia hat den Tourismus von der Pike auf gelernt und ist daher unser Mann und absoluter Experte für unsere Namibia Reisen.

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