24. Januar 2020 Reisebericht Peru

Peru – im Land der bunten Hüte

WORLD INSIGHT Reisegast

Barbara Brocke war im Juni vergangenen Jahres mit uns auf einer Comfort+ Reise in Peru. Begeistert berichtet sie von ihren vielen Eindrücken, den netten Begegnungen und den traumhaften Landschaften.

Warum ich diesen seltsamen Titel gewählt habe? Ich habe noch nie so viele unterschiedliche Hüte gesehen wie in Peru. Dabei spreche ich von Damenhüten. Bunte, bestickte, glitzernde oder auch schlichte Hüte lassen die Zugehörigkeit zum jeweiligen Dorf beziehungsweise der Gemeinschaft erkennen. Bei manchen Hüten zeigt die Anzahl der daran baumelnden roten Bommeln, ob eine Frau verheiratet oder noch Single ist. Praktisch eigentlich, das kann Missverständnisse schon im Ansatz verhindern. Die Frauen sehen in ihren Trachten unförmig und dick aus, doch das liegt ausschließlich an den diversen Lagen an Unterröcken, die sie übereinander tragen. Es hat keinen wirklichen Nutzen, sie finden das einfach schön, wurde uns gesagt. Alles Notwendige wird in großen Tragetüchern schräg über die Schulter transportiert, egal ob Waren, Baby-Alpakas oder Kinder. Passt alles rein. Apropos: Auf der gesamten Reise habe ich kein einziges Baby schreien hören! Alle schlummerten selig und zufrieden im Umhängetuch dicht an die Mamas geschmiegt. So ein Tuch ist offensichtlich ein Babyparadies.

Natürlich – wer Peru bereist und den Machu Picchu nicht gesehen hat, hat definitiv etwas verpasst. Unser Reiseleiter Marco Antonio hat uns vor Ort in jeden Winkel der Anlage geführt und alles Wissenswerte erzählt. Schon die Anreise mit dem Zug in aller Herrgottsfrühe war interessant.

Es gab so viele Highlights

Vor allem mit Menschen und Tieren. Eines war das puschelweiche Alpaka-Baby. Es wurde mir von der breit lächelnden Peruanerin spontan in den Arm gelegt und schmiegte sich an mich. Natürlich war die freundliche Frau in ihrer Tracht „beruflich“ für Fotomotive mit Touristen unterwegs. Doch das Kleine wurde liebevoll wie ein richtiges Baby im Umhängetuch getragen und schlief gut behütet, wenn es „nichts zu tun hatte“. Schließlich sind Tiere wie Alpakas und Lamas für die Peruaner ein äußerst wertvolles Gut. Sie liefern Wolle, Milch, Fleisch und eben auch bezahlte Fotos.

Bei einem anderen Foto bekam ich statt eines Alpakas ungefragt ein echtes Baby in den Arm gedrückt. Viele der Frauen laufen in ihren bunten Trachten und auf Schlappen zwei bis drei Stunden von den hohen Bergen herunter in die Städte, nur für Touristenfotos. Nachdem Marco mir die Hintergründe erklärt hatte, wie wichtig dieser minimale tägliche Verdienst ist – oft der einzige – habe ich Frauen „auf Touristenfang“ aus einem neuen Blickwinkel gesehen. Marco war es sehr wichtig, dass wir seine Kultur verstehen lernen und Verständnis entwickeln. Er ist sehr stolz auf sein Land. Noch wunderbares Erlebnis für mich: Am Meer konnte ich einen wilden (!) Pelikan streicheln, während der Fischer ihn mit leckeren Fischresten ablenkte. Wann bekommt man schon mal so eine Chance im Leben?

Einige Tagesstrecken waren lang. Uns wurde im Bus allerdings nie langweilig, da wir während der Fahrt durch Marco mehr über Peru, die Menschen, Kultur, Denk- und Lebensweise erfahren haben, als wir es jemals in einem Buch hätten nachlesen können. Schließlich lebt er in Cuzco. Mit ihm an unserer Seite, hatten wir immer das Gefühl, ganz nah an allem dran zu sein. Unsere Fragen hat er mit endloser Geduld in bestem Deutsch beantwortet, immer wieder gewürzt mit einem peruanischen Witz oder lustigen Geschichten von Land und Leuten. Wie beispielsweise, dass alle jungen Männer in einem Dorf am Titicacasee stricken können müssen. Je besser und schöner sie stricken, desto größer sind ihre Chancen auf eine Braut. Wer nicht stricken kann, hat quasi schon verloren.

Besuch der Salzminen Salinas de Maras: In den vielen kleinen, runden Becken sammelt sich heißes, stark salzhaltiges Wasser.

Faszinierende Kontraste

Auf meiner Peru-Reise habe ich so viel Faszinierendes gesehen: Inka-Ruinen – uralte Nazca-Linien im Sand – ein Friedhof mit gut erhaltenen Mumien – die Bootsfahrt zu den Ballestas-Inseln mit Vögeln, Seelöwen und Pinguinen – Lamas, Alpakas und Vikunjas entlang des Weges – Flamingos am See – die traumhaft gelegene Wüsten-Oase Huacachina, deren hohe Dünen wir für die Aussicht auf den roten Sonnenuntergang bestiegen haben – der Colca-Canyon, wo wir 16 riesige Anden-Kondore zugleich haben fliegen sehen – die faszinierenden Salzminen – der Besuch einer kleinen Inka-Bierbrauerei – die wunderschöne Stadt Cuzco – und so vieles mehr! In Cuzco war eine Woche lang Festival, die Schulklassen tanzten um die Wette. Überall in der Stadt laute Musik, Menschenmassen – und Kinder, die sich in ihren Trachten nur zu gern fotografieren lassen wollten. Immer brachte Marco etwas Unbekanntes mit. Wir probierten leckere Früchte, Getränke, Gebäck. Natürlich haben wir auch Cocablätter „mit Geschmack“ (trotzdem bah) gegen die Höhenkrankheit gekaut.

Spannend waren auch die unterschiedlichen Transportmittel: Beispielsweise ging es zum Titicacasee erst mit Cholos (eine Art Fahrrad-Tuk-Tuk), dann weiter mit einem Motorboot zu den schwimmenden Inseln der Uros. Wer sich traute, durfte für eine Weile sogar Bootskapitän spielen und sich einmal hinters Boots-Steuer setzen.

Bei den Uros auf den „schwimmenden Inseln“

Die Uros waren für mich ein weiteres Highlight. Gewöhnungsbedürftig, das leichte Schwanken der wurzellosen Inseln und die im Schilfboden bei jedem Schritt etwas einsinkenden Füße. Die Lage Schilf auf dem Fußboden trägt sicher mehrere Hütten und Menschen. Monatlich muss eine neue Lage obenauf gelegt werden, um die Stabilität der Insel zu erhalten. Der „Presidente“ lud uns in seine Hütte ein: miniklein, ein Bett und ein freier Raum zum Sitzen, an den Wänden ein paar bunte Habseligkeiten. Neuerdings gibt es Strom aus einem Solar-Panel. Der Presidente wollte wissen, wo wir in Deutschland wohnen, wie wir heißen und was wir beruflich machen. Seine kleine (uneheliche) Tochter zeigte sich uns als breit über das ganze Gesicht lachender kleiner Engel. Paare haben ein freibleibendes „Probejahr“, doch wenn bereits ein Baby da ist, muss der Mann die Frau heiraten. Tja …

Oje, diese Straßen … überall Märkte und Geschäfte mit den schönsten Sachen. Ein Paradies für uns Frauen – fatal für den Geldbeutel. Natürlich musste Handgestricktes aus Alpakawolle mit nach Hause. Wir haben ausschließlich freundliche Peruaner getroffen. Keine Minute haben wir uns unsicher gefühlt, auch nicht im Menschengewühl oder wenn wir im Dunkeln unterwegs waren. Und das Essen – ein Traum! Wir hörten, dass Peru eine der weltbesten Küchen hat, und können das nur bestätigen. Egal ob Hotel oder landestypisches einfaches Restaurant, es war einfach lecker. Pisco Sour bildet einen guten Abschluss. In einer Bar lernten wir, ihn selbst zu mixen. Welch ein Spaß!

Marco Antonio hat uns sein geliebtes Peru ein gutes Stück nähergebracht, dafür danke ich ihm herzlich. Unser Reiseleiter hat uns mehrfach mit etwas Besonderem überrascht. Wie schön, dass wir zur Abwechslung auch mal ihn überraschen konnten, denn wir hatten zufällig erfahren, dass er an unserem vorletzten Reisetag Geburtstag hatte. Er hat sich riesig über unser Geschenk gefreut. Danke liebes Team von WORLD INSIGHT, für diese wieder top organisierte Reise. Bei euch stimmt einfach alles! Ich freue mich schon auf die nächste Tour, bald geht’s nach Usbekistan.

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