Valparaíso in Chile 26. Oktober 2017

Die Stadt der 40 Hügel und bunten Graffitis

Kunstvolle Graffitis, farbige Häuser – Valparaíso ist alles andere als grau. WORLD INSIGHT-Country Manager Carsten Bengelsdorff hat uns mehr über die Stadt in Chile erzählt.

WORLD INSIGHT-Country Manager Carsten Bengelsdorff kennt sich bestens in Valparaíso aus.

Valparaíso empfängt seine Gäste mit auffälligen Wandbemalungen, klapprigen Seilbahnen und mit kunterbunten Häusern, die ohne Symmetrie scheinbar zusammengewürfelt in die zahlreichen Hügel hineingebaut wurden. Es wirkt, als hätte sich hier Pippi Langstrumpf ausgetobt und eine Stadt ganz nach ihren Vorstellungen erbaut. Wir sind allerdings nicht in Schweden, sondern in einer chilenischen Stadt mit rund 300.000 Einwohnern, die u.a. auch Teil unserer Reisen Chile mit Verlängerung Osterinsel, Chile und Argentinien ComfortPlus, Argentinien – Chile – Brasilien und Chile – Bolivien – Argentinien ist.

„Es gibt keine Stadt in Chile, die bunter und vielseitiger ist als Valparaíso“, sagt WORLD INSIGHT-Country Manager Carsten Bengelsdorff. Die Stadt ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Seitdem die UNESCO dieses Gewirr an engen steilen Gassen, bunten Häusern, haushohen Graffiti-Gemälden und Hafenatmosphäre im Jahr 2003 zum Weltkulturerbe erklärt hat, hat ein Boom eingesetzt.

Aufgeblüht nach turbulenten Zeiten

Street Art in Valparaíso

Auch abstrakte Kunstwerke verzieren die eine oder andere Mauer in Valparaíso.

Zuvor galt Valparaíso als graue Stadt am Meer, größter Hafen Chiles, schmuddelig und runtergekommen. Als eine Stadt voller Kontraste hat Carsten Bengelsdorff Valparaíso auch auf seiner ersten Reise nach Chile 1991 wahrgenommen: er berichtet von langen Straßen mit alten Prachtgebäuden, in denen früher Reedereien und Handelsfirmen residierten und wunderschönen, aber verrottete Holzvillen auf den vielen Hügeln der Stadt –  mit bestem Blick auf das Meer und die Bucht.

Es gibt kaum eine Straßenecke, die nicht in bunten Farben erstrahlt.

Es gibt kaum eine Straßenecke, die nicht in bunten Farben erstrahlt.

Valparaíso blickt auf eine turbulente Geschichte zurück. Sein Hafen gehörte lange Zeit zu den wichtigsten an der Westküste Amerikas. Alle Schiffe, die um das Kap Hoorn oder durch die Magellanstraße fuhren, haben hier geankert. Wichtige Exportprodukte wie Weizen, Kupfer und Salpeter wurden von hier verschifft. Diese Zeit hat Valparaíso geprägt. Die Stadt war sehr reich und hat viele Einwanderer angezogen, vor allem aus Europa. In Valparaíso wurde die erste Börse Chiles gegründet und die älteste spanischsprachige Tageszeitung der Welt publiziert – die auch heute noch erscheint.

Valparaíso und seine Bewohner mussten aber auch einige Rückschläge verkraften. Im Jahre 1906 zerstörte ein Erdbeben große Teile der Stadt. Einen noch dauerhafteren Schaden erlitt Valparaíso 1914 durch die Eröffnung des Panamakanals, wodurch es als Umschlagplatz für Handelsschiffe an Bedeutung verlor. Ein weiteres trauriges Kapitel: am 11. September 1973 wurde die Stadt zum Schauplatz des Militärputsches durch Augusto Pinochet. 17 Jahre lang herrschte in Chile Diktatur, bis das Land Anfang der 90er Jahre zur Demokratie zurückkehrte. Valparaíso blühte geradezu auf und auch die Kunstszene gewann wieder an Bedeutung.

Street Art so weit das Auge reicht

Die Kunstwerke sind vor allem eines: farbenfroh.

Viele der Graffitis zeigen Bilder der Stadt selbst – sozusagen als Liebeserklärung an Valparaíso.

Künstler und Schriftsteller fühlen sich seit jeher von der bunten Stadt mit ihren verwinkelten Gassen inspiriert. Auch der große chilenische Dichter Pablo Neruda lebte, arbeitete und feierte in Valparaíso. „Du bist ein Regenbogen vielfältiger Farben, Valparaíso, du großer Hafen“: So beschrieb der Dichter selbst seine chilenische Heimatstadt. Eines seiner skurrilen Stadthäuser, La Sebastiana, ist heute ein Museum und ein Muss für jeden Besucher.

Schlendert man durch die Gassen von Valparaíso, so entdeckt man an fast jeder Ecke ein neues Graffiti. Street Art prangt auf Häuserfassaden, auf Treppen, Dächern, Straßenlaternen und Mauern. Auf die Idee, diese als Schmierereien zu bezeichnen, kommt man nicht. Gerade die Malereien sind es, die die Stadt farbenfroh erstrahlen lassen und eine besondere Geschichte erzählen.

Ursprung der Graffitikunst war eine Bewegung von Kunststudenten Ende der 60er Jahre. Die Idee war es, in verschiedenen Teilen der Stadt die Hauswände mit stilvoller Street Art zu verzieren und so gegen hässliche Schmierereien vorzugehen. Während der Militärdiktatur in Chile wurden solche Bewegungen verboten. In diesen Zeiten war Graffiti-Kunst vor allem auch Zeichen des Widerstands gegen die Regierung.

Immer wieder kommen neue Kunstwerke hinzu und man kann den Malern oder Sprayern bei ihrer Arbeit zuschauen.

Anfang der 90er Jahre belebte eine Stiftung die Graffitiszene neu, als sie mit dem Projekt „Cielo Abierto“ (offener Himmel) Künstler einlud, sich auf den Wänden der Hafenstadt zu verwirklichen. Die Aktion fand zahlreiche Nachahmer. Heute entstehen die meisten Graffitis mit Erlaubnis oder gar auf Wunsch der Stadt beziehungsweise der Hausbesitzer. Sie sind lange nicht mehr Ausdruck von Unzufriedenheit, sondern vor allem auch von Lebensfreude und Jugend. Es gibt kaum noch ein Café, eine Autowerkstadt oder Jugendherberge, die sich nicht mit einem Graffiti schmückt. Einer der bekanntesten Street Art Künstler Chiles ist „Inti“, dessen große Graffitis auf einigen Hauswänden prangen. Auch international ist er bekannt für seine Street Art mit indigenen Elementen.

Mit der Standseilbahn den Hügel hinauf

Standseilbahn

Die vielen Hügel der Stadt erklimmt man zu Fuß oder mit einer der alten Standseilbahnen.

Neben der Street Art sind die alten Ascensores, die Standseilbahnen, eine Touristenattraktion, die Valparaíso zu einem Gesamtkunstwerk machen. Langsam tuckern die kleinen Holzkabinen die Cerros, wie man die Hügel nennt, hinauf. Rund 15 Standseilbahnen sind noch in Betrieb, verteilt über die ganze Stadt. Sie erleichtern den Aufstieg auf die steilen Hügel.

Seine Tour durch Valparaíso fängt man am besten auf einem der vielen Hügel an, rät unsere Junior-Produktmanagerin für Südamerika, Katja Bischoff: etwa bei der Plaza Bismarck auf der Avenida Alemania. Man spaziert hinunter, vorbei am alten Gefängnis, das heute ein Kulturzentrum ist und zum Friedhof. Im Anschluss geht es zu den Cerros Concepción und Alegre. Hier gibt es tolle Häuser, jede Menge Graffitis, nette Restaurants und Cafés und viele kleine Galerien und Kunsthandwerkerläden. Auf den Hügeln sollte man sich einfach mal treiben lassen. Sich in den kleinen verwinkelten Gassen zu „verlaufen“, ist nämlich die beste Möglichkeit, Valparaíso kennenzulernen. Wer eine Pause braucht, gönnt sich einen kühlen Vino Blanco Chileno auf einer der Terrassen mit Blick auf die Bucht des Paradies-Tals, so die Übersetzung von Valparaíso. Am Ende geht es runter Richtung Hafen und Hauptplatz.

Highlights

  • Der Ascensor Polanco, etwas abseits vom touristischen Zentrum und der einzige wirkliche „Aufzug“, der senkrecht hoch geht: Er bietet einen tollen Blick von oben auf die Stadt.
  • Das Restaurant & Hotel Fauna: Hier gibt es leckere, typische Gerichte zu erschwinglichen Preisen und eine Terrasse mit toller Aussicht.
  • Die Bar „The Clinic“ mit schöner Dachterrasse.
  • Der Sonntags-Flohmarkt auf der Avenida Argentina.
Aussicht auf Valparaíso

Von den vielen Hügeln der Stadt aus hat man eine fantastische Aussicht auf die bunten Häuser und das Meer.

Valpo, so nennen die Einheimischen ihre Stadt, hat sich nicht unbedingt für seine Besucher herausgeputzt. Es wirkt chaotisch und bietet keine herausstechenden Sehenswürdigkeiten, die man nacheinander abklappern kann. Valpo ist viel mehr als Ganzes eine Sehenswürdigkeit. Die Hafenstadt besticht durch ihre Unperfektheit, den Überraschungseffekt: „Was für ein Kunstwerk erwartet mich hinter der nächsten Straßenecke“ fragt man sich, wenn man durch die Gassen schlendert. Es ist eine Stadt, die zu Fuß entdeckt werden möchte, für die man sich Zeit nehmen muss und die sich wohl auch in den kommenden Jahren immer wieder verändern wird.

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