3. Juni 2015 Kolumbien

Andenabenteuer und Kaffeekultur

Lisa Praefke

“The only risk is wanting to stay” – Alte Piratenstädte sorgen für spanisches Flair, traumhafte Karibikstrände laden zum Entspannen ein, in modernen Metropolen pulsiert das Leben. Kolumbien ist ein vielfältiges Paradies!

„The only risk is wanting to stay“ lautet der Werbeslogan von Kolumbien. Und sicher, wer einmal da war, wird es verstehen! Aber ist es wirklich das einzige Risiko? Immerhin hatte Kolumbien einen eher zweifelhaften Ruf inne. Ich sage bewusst „hatte“. Denn in den letzten Jahren hat sich viel getan in dem Land, das so vieles in sich vereint: Alte Piratenstädte aus Kolonialzeiten sorgen für spanisches Flair, traumhafte Strände an der karibischen See laden zum Entspannen ein, in modernen Metropolen pulsiert wiederum das Leben und die imposante Bergwelt der Anden wechselt sich mit weiten Ebenen und kargen Wüstengebieten ab.

Außer der gemeinen Krabbe im Tayrona Nationalpark war Lisa Praefke, Marketing Manager von WORLD INSIGHT, keinen Gefahren in Kuba ausgesetzt

Außer der gemeinen Krabbe im Tayrona Nationalpark war Lisa Praefke, Marketing Manager von WORLD INSIGHT, keinen Gefahren in Kolumbien ausgesetzt

Die allgemeine Reaktion auf eine Reise nach Kolumbien ist: „Kolumbien, ist das nicht gefährlich?“ An dieser Stelle würde ich gerne mit einem klaren „Nein“ antworten, aber man darf die Sicherheitssituation auch nicht bagatellisieren. Gerade die abgelegenen Waldgebiete im Süden des Landes dienen immer noch als Aufenthaltsort für Guerillas und Paramilitär. Die Auseinandersetzungen sind in der Regel politisch motiviert und richten sich gegen staatliche Institutionen. Touristen haben daher eher weniger zu befürchten. Trotzdem meiden wir auf unserer Route ebendiese Gebiete und konzentrieren uns auf die Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten von Kolumbien und die herzlichen Menschen, deren Gelassenheit ein Stück weit auch uns gut tun würde. Überhaupt ist die kolumbianische Bevölkerung eine der freundlichsten Südamerikas: Als Reisender wird man mit offenen Armen und einem herzlichen Lächeln begrüßt und willkommen geheißen.

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Ein wahres Paradies für Vogelliebhaber. In Kolumbien gibt es die meisten Vogelspezies der Welt, davon alleine schon über 140 verschiedene Kolibriarten.

Aber nicht nur die Menschen begeistern: Aufgrund der verschiedenen Klimazonen bieten Mangrovensümpfe, tropische Regenwälder, Gras- und Buschland oder auch Nebelwälder den idealen Lebensraum für hunderttausende Pflanzenarten, eine Vielzahl davon endemisch, und tausende Tierarten, sei es zu Luft, Land oder Wasser. Die Biodiversität in Kolumbien ist einzigartig.

Es ist also Zeit, sich dieses Land, das dreimal so groß ist wie Deutschland, einmal genauer anzuschauen. Und so reise ich mit meiner Kollegin Carina Hormann und einigen Freunden in das Land zwischen den zwei Ozeanen, zwischen Pazifik und Atlantik. Unsere Reise beginnt in einem ganz besonderen Ort im Tal des Río Magdalena, südlich von Bogotá.

Lichtspiele in der Wüste: Desierto de la Tatacoa

Unweit von Villa Vieja, einem kleinen, unscheinbaren Dörfchen in der Provinz Huila, führt uns ein holpriger Weg mitten ins Nirgendwo. Was uns dort erwartet, ist für mich einer der spektakulärsten Anblicke auf der Reise: Seltsame, rote Gesteinsformationen bilden die Wüste „La Tatacoa“.

Wegweiser zeigen die Richtung durch das unübersichtliche Gelände. Beeindruckend ragt der Felsturm "La Torre" aus der Landschaft heraus.

Wegweiser zeigen die Richtung durch das unübersichtliche Gelände. Beeindruckend ragt der Felsturm “La Torre” aus der Landschaft heraus.

Wo einst vor Millionen von Jahren ein wahres Meer an Blumen und Bäumen stand, finden sich heute nur noch vereinzelt Grünflächen mit meterhohen Kakteen, dornigen Sträuchern und knorrigen Bäumen. So ist die Wüste Tatacoa streng genommen keine richtige Wüste, sondern ein tropischer Trockenwald. Ganz so trocken ist es dann aber doch nicht: Es regnet, als wir ankommen. Wir beziehen unsere einfache Unterkunft und hören dem Regen zu, der leise auf das Wellblechdach trommelt. Gegen Nachmittag klart der Himmel auf und wir machen uns auf den Weg in die beeindruckende Gesteinslandschaft, die von ockerfarbenen Schluchten durchzogen ist.

Die Sonne brennt mittlerweile am Himmel und beginnt ihr irrwitziges Spiel mit Schatten und Licht, das die kraterähnliche Landschaft noch bizarrer wirken lässt. In diesem Labyrinth aus Furchen und Rillen entdecken wir zwischen den vier bis fünf Meter hohen Riesenkakteen immer wieder Ziegen, die das karge Gebiet nach Futter absuchen und uns misstrauisch beäugen. Und wenn man ganz leise ist, hört man den Flügelschlag der buntmetallisch schimmernden Kolibris, die in der Luft zu stehen scheinen und dabei aus den wenigen roten Kakteenblüten Nektar saugen.

Als die Nacht hereinbricht, verstehen wir, warum die Wüste Tatacoa bei Astrologen so beliebt ist: Kein anderes Licht als das der Sterne und des Mondes selbst leuchtet uns den Weg zur nahegelegenen Sternwarte, in der wir uns die hell strahlenden, klar erkennbaren Sternbilder zeigen lassen.

Hoch oben in den Bergen: San Agustín und die Kaffee-Zone

Unser Weg führt uns flussaufwärts entlang des Río Magdalenas bis hin zum kolumbianischen Bergmassiv, wo die Nordanden sich in ihre drei Gebirgsketten aufteilen, in die Ost-, Zentral- und Westkordillere. Hoch oben in den Bergen auf ca. 1.700 Meter Höhe liegt die Region rund um San Agustín, die seit 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Hier finden sich einige der bedeutendsten Zeugnisse aus längst vergangenen Zeiten: Riesige, aus vulkanischem Gestein gehauene Statuen, massive Grabanlagen und Erdwälle sind das geheimnisvolle Erbe einer unbekannten, präkolumbianischen Hochkultur, die vor mehr als 1.500 Jahren spurlos verschwunden ist.

Mit bunten Naturfarben bemalte Steinskulpturen stellen höchstwahrscheinlich Gottheiten oder Schamanen dar.

Mit bunten Naturfarben bemalte Steinskulpturen stellen höchstwahrscheinlich Gottheiten oder Schamanen dar.

Den archäologischen Park von San Agustín kann man bestens zu Fuß erkunden, während sich zu den Stätten El Tablón und La Chaquira ein Reitausflug hervorragend anbietet, bei dem man gleichzeitig die herrliche Aussicht auf den Canyon des schokobraunen Río Magdalena und seinen beeindruckenden Wasserfällen genießen kann.

Auch abends wird es einem in dem kleinen Städtchen San Agustín nicht langweilig. So bieten zahlreiche Restaurants und Bars abwechslungsreiche Küche und Unterhaltung für das bunte Gemisch aus Touristen, Einheimischen und dort ansässigen europäischen Auswanderern. Der Schweizer René, der vor mehr als zehn Jahren in das damals noch wilde Kolumbien ausgewandert ist und seitdem eine ökologische Finca mit Cabañas betreibt, verrät uns eine weitere typische Eigenart der Kolumbianer: „Sie sind pünktlicher als jeder Schweizer und wenn um 12 Uhr nicht das Mittagessen auf dem Tisch steht, werden sie nervös.“ Und tatsächlich: Entgegen jeglichem Vorurteil gegenüber der südamerikanischen Mentalität wartet unser Bus am nächsten Tag schon sehr viel eher auf uns, um in die Kaffeezone aufzubrechen.

Früchte, die Wohlstand in die Kaffee-Zone brachten. Die noch heute teilweise handverlesenen reifen, roten Kaffeekirschen werden im Aufbereitungsprozess maschinell gewaschen. Dabei werden die eigentlichen Bohnen von der Schale befreit und anschließend in der Sonne getrocknet.

Die Kaffeezone liegt etwa eine Tagesfahrt von San Agustín entfernt an den Ausläufern der Zentralkordillere im Departemento Quindío. Das Hochland bietet mit seinem ganzjährig frühlingshaften Klima und dem fruchtbaren Boden ideale Bedingungen für die Kaffeepflanze. Auf traditionellen Kaffee-Haciendas wird die Geschichte des Kaffeeanbaus erklärt und wir können die einzelnen Stationen des Herstellungsprozesses anschaulich mitverfolgen. Gerade die Hochlandbohnen haben ein weiches Aroma mit vollmundigem Geschmack, der die Herzen von Kaffeetrinkern höherschlagen lässt.

Kein Wunder, dass Kaffee zu den wichtigsten Exportgütern Kolumbiens zählt, von dem die ganze Region profitiert. Aber auch der paisas-Stil ist typisch für diese Gegend: Bunte Häuschen mit farbenfrohen Türen und Fensterläden und reich verzierten Balkonen aus Holz prägen das Bild manch einer Stadt in der Gegend. Insbesondere fällt dabei Salento auf, das älteste Örtchen in der Umgebung. Schmucke Häuser, in denen kleine Läden allerlei Handwerk anbieten, finden sich entlang der schmalen Hauptstraße, die bis zum Alto de la Cruz führt. Über eine Treppe gelangt man zu einem Aussichtspunkt mit wunderbarem, endlos scheinendem Blick über das Valle de Cocora mit seinen von Wolken behangenen Berggipfeln, Nebelwäldern und Silhouetten der bis zu 50 Meter hohen Wachspalmen, dem Nationalbaum Kolumbiens.

Karibik-Abenteuer in Cartagena de Indias und im Tayrona Nationalpark

Die geheimnisvolle ehemalige Piratenstadt im Norden Kolumbiens umgibt der Zauber der Karibik wie kaum eine andere Stadt in Südamerika. Um Cartagena damals von der gleichnamigen spanischen Stadt abzugrenzen, erhielt sie den Zusatz „de Indias“, da man anfangs davon ausging, Kolumbus hätte im Namen der spanischen Krone eigentlich Indien entdeckt.

Cartagena, die Perle der Karibik, besticht durch ihre kräftigen, leuchtenden Farben und ihrem Mix aus kreolischem und spanischem Einfluss.

1533 von Pedro Heredia gegründet, zählt Cartagena zu den ältesten Städten des ehemaligen spanischen Kolonialreichs und galt als wichtigster Handelshafen für die spanische Flotte: Hier wurden Waffen und Rüstungen, Pferde und andere Waren entladen und gegen Gold, Silber und Perlen aus der Karibik getauscht. Das wertvolle Gut versprach fette Beute und lockte viele Piraten an, die die Stadt immer wieder überfielen und ausraubten. Als 1585 Cartagena komplett von Sir Francis Drake und seiner Crew geplündert wurde, erbauten die Spanier einen 11 km langen Schutzwall um die Altstadt herum. Nach seiner Fertigstellung über 100 Jahre später galt die Stadt lange als uneinnehmbar und hielt selbst den verheerendsten Angriffen feindlicher Flotten statt.

Noch heute ist die imposante Festungsanlage überwiegend vollständig erhalten und bietet sich besonders zu Sonnenauf- und -untergang zu einer Begehung rund um den Altstadtkern an. Zutritt zu dem geschützten Zentrum erhält man durch das Hauptstadttor mit seinem wunderschönen Torre del Reloj, dem Uhrturm, hinter dem der einst größte Sklavenmarkt Südamerikas heute Platz für Kutschen, Cafés und künstlerische Darbietungen aller Art bietet. Die Altstadt zählt seit 1984 zum UNESCO-Welterbe und wurde mit den Fördermitteln größtenteils wieder originalgetreu restauriert. Wir schlendern durch enge, kopfsteingepflasterte Gassen, entlang prächtiger Kolonialhäuser mit blumenbehangenen, ausladenden Balkonen, vorbei an alten Kathedralen und Kirchplätzen mit Bronzestatuen so mancher berühmter Bürger durch das Herz der Stadt.

Der markante Uhrenturm "Torre del Reloj"

Der markante Uhrenturm “Torre del Reloj”

Einige Kilometer von Cartagena entfernt liegt der kleine Ort Taganga. Das alte Fischerdorf, das heute für Aussteiger, Blumenmädchen, Straßenmusikanten und Traveler aus aller Welt ein zweites Zuhause ist, dient uns als Zwischenstation zu unserem nächsten Ziel – dem Tayrona Nationalpark.

Der Parque Nacional de Tayrona, der sich über ca. 120 km² erstreckt, ist ein bezauberndes Naturschutzgebiet mit tropischem Regenwald und paradiesischen Stränden. Benannt wurde er nach den gleichnamigen Tayrona-Indianern, die früher einmal hier gelebt haben. Noch heute kann man einige archäologische Spuren der alten Kultur vorfinden, wie das kleine, hoch in den Bergen versteckte Ruinendorf „El Pueblito“. Wir brechen bereits in den frühen Morgenstunden dorthin auf.

Die morgendlichen Temperaturen sind schon viel höher als gedacht, und wir sind froh, einen Großteil des Weges unter dem dichten, schattenspendenden Blätterdach zurückzulegen. Abenteuerlicher wird es wieder, als wir den eigentlichen Aufstieg beginnen: Wir kraxeln über alte Baumwurzeln und große, aus dem Fels gebrochene Steinwände, die immer mal wieder den Weg blockieren und manchmal natürliche Tunnel bilden, die wir gerne als Abkürzung nutzen. Der Ehrlichkeit halber muss man sagen, dass hier eher der Weg das Abenteuer ist. Oben an der Ruinenanlage lassen nur noch grasüberwucherte Steinreste erahnen, dass hier einmal ein Dorf gestanden hat.

Der Abstieg wird noch einmal rutschig, aber dafür präsentiert sich immer wieder eine geniale Aussicht auf den mit Regenwald bewachsenen Hang, im Hintergrund die traumhafte Bucht San Juan und der in der Sonne glitzernde, endlos scheinende Ozean. Unten angekommen, erwartet uns ein Karibikstrand wie aus dem Bilderbuch: Feinster, weißer Sandstrand mit Kokospalmen und das glasklare, türkisblaue Wasser bieten einen herrlichen Ausklang nach der gut vierstündigen Wanderung und dem Abenteuer Kolumbien.

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