Senegal und Gambia 12. Dezember 2019

Auf Entdeckungstour in Senegambia

WORLD INSIGHT Reisegast

Jasmin Paul verbrachte mit ihrer sympathischen Reisegruppe, Reiseleiter Mamadou und Fahrer Ibrahim drei tolle Wochen im Senegal und in Gambia. An ihren Spaziergang mit zwei Löwen denkt sie noch heute gerne zurück.

Hibbelig, voller Vorfreude auf meinen geliebten afrikanischen Kontinent – so kann man das Gefühl, das ich jedes Mal vor dem Abflug habe, am besten beschreiben. Auch in Senegambia würden mich wieder atemberaubende Landschaften, herzliche Menschen, grandiose Kultureinblicke und jede Menge leckere, lokale Köstlichkeiten erwarten.

Nach einer kurzen Nacht in bequemen Betten wartete auf uns der Lac Retba, der wegen seiner Rosafärbung auch Lac Rose genannte Salzsee. Zwar findet dort nicht mehr die Rallye Paris-Dakar statt, doch kann man die emsigen Salzbauern bei der Arbeit beobachten und man wird direkt von vielen herzlichen Händlerinnen begrüßt, die ihre selbstgemachten Souvenirs anbieten. Eine Mitreisende und ich durften unsere anprobierten, liebevoll gestalteten Armbänder sogar als „Cadeau“ behalten – zusammen mit einem Foto und der Adresse unserer Händlerin Sana. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Schildkrötendorf „Les Villages des Tortues“, einem Artenschutzprojekt zur Rettung der bedrohten Senegalesischen Landschildkröte, erreichten wir am Abend Saint-Louis, das wir am Folgetag erkunden würden. Unser Reiseleiter Mamadou bestellte bei einem Straßenverkäufer zunächst für uns alle senegalesischen traditionellen Café Touba, ein Gemisch aus grünen Kaffeebohnen, Nelke und schwarzem Pfeffer, das extrem lecker war. Dann unternahmen wir vom traditionsreichen Hôtel de la Poste aus in Pferdekutschen eine Stadtrundfahrt durch Saint Louis, die uns schließlich zu unserer Gastfamilie führte. Dort ließen wir uns nicht nur Hibiskussaft und Grünen Tee mit Minze schmecken, sondern auch das beste Thieboudienne, ein Fischgericht mit allerhand Gemüse und Bratreis.

Sehr beeindruckt war ich auch von Touba, dem „Mekka Senegals“, wo wir auf unserer Fahrt in das Sine-Saloum-Delta haltmachten. Vor der Großen Moschee von Touba erwartete uns bereits unser lokaler Guide Mohamad, ein hoher Gelehrter. Da wir alle nicht ordnungsgemäß mit langen Hosen, Hemden und die Damen zusätzlich mit einem Kopftuch gekleidet waren, wühlte er zunächst einmal einen riesengroßen Sack nach passenden Tüchern durch, um uns standesgemäß einzukleiden. Ein so farbenprächtiges, improvisiertes Gewand hatte ich noch nie getragen, fühlte mich aber super wohl darin. Weißer Marmor, kleinteilige Buntglasfenster, vergoldete Säulen und imposant-detaillierte Fresken reihten sich auf der gesamten Anlage aneinander – auch wenn man aufgrund der umfassenden Sanierungsarbeiten längst nicht alles sehen konnte.

Spaziergang mit Löwen und mysteriöse Steinkreise

Mein absoluter Höhepunkt war jedoch der Löwenspaziergang, den ich im privaten Tierreservat Fathala gebucht hatte. Als wir mit den beiden Löwen Chris und Lisa sowie vier heimischen Guides den Fußmarsch starteten, genoss ich es sichtlich, den eindrucksvollen Raubkatzen so nah zu sein, dass ich sie theoretisch hätte anfassen können. Da konnte auch die etwa 80-jährige Königin des Dorfes Sippo, das wir am Nachmittag im Motorboot besuchten, nicht mithalten – auch wenn sie uns eine ihrer raren Audienzen gewährte. Auf dem Rückweg bestaunten wir die eindrucksvolle Wasserlandschaft des Sine-Saloum-Deltas, durch das Flüsse in unzähligen engen Windungen mäandern, die Ufer dicht mit Mangroven bewachsen.

Schließlich hieß es Abschied nehmen für die Weiterreise zur Stadt Kaolack in der gleichnamigen Region im westlichen Senegal. Der Weg führte uns durch das Zentrum der senegalesischen Erdnussindustrie. Passend dazu erhielten wir die Chance, Mafé zu probieren. Die Erdnusssauce mit eingelegten Fleischstücken ist wirklich unbeschreiblich lecker. Der Duft steckte uns auch auf der Weiterfahrt noch eine Weile in der Nase, bis wir an originalen Kultplätzen und Steinkreisen in der Region Kaffrine mehrfach anhielten. Wissenschaftler vermuten, dass die Steinkreise Gräber von ehemaligen Herrschern darstellen. Doch egal, woher die Megalithen kamen und wohin wir gingen, tolle Fotomotive gaben sie im warmen Morgenlicht allemal ab.

Seltene Vögel und ein echtes Goldgräberdorf

In unserer zweiten Reisewoche machten wir Station im rustikalen Campment Wassadou. Von unserer Unterkunft fuhren wir mit Booten direkt zur nächsten Vogelbeobachtungstour. Während wir ein paar Eimer Wasser aus dem alten, traditionellen Boot mit Motoranbau schöpften, beobachtete uns aus etwa sieben Metern Entfernung in aller Seelenruhe ein Hippo. Fotografieren klappte nur leider nicht, denn das Flusspferd tauchte immer lediglich für wenige Sekunden zum Luftholen auf. Neben farbenprächtigen Bienenfressern und ein paar Hammerköpfen, die ihrem Namen alle Ehre machten, galt es bei der Fahrt dann unterschiedliche Kiebitz-Arten, Langschwanz- und Purpur-Glanzstare und Eisvögel vor die Linse zu bekommen. Sogar ein kleiner Waran, der sich in der Abendsonne räkelte, war uns als erster Bootstour-Gruppe vergönnt. Zum krönenden Abschluss des Tages servierte uns die hauseigene Köchin am Abend als leckere Hausmannskost mariniertes Warzenschwein.

Als besonderen Programmpunkt erhielten wir am zehnten Reisetag Einblicke in das Goldgräberdorf Tonboronkoto, wo wir einer Frauenkooperative bei der mühsamen Arbeit im roten Lehmwasser zusehen konnten. Und beim finalen Auswaschen durften wir sogar die winzigen Goldpartikel bestaunen, die die Frauen im Schweiße ihres Angesichts erarbeitet hatten. Auch wir schwitzten in der Mittagshitze, so dass uns die Wanderung zum Dindéfelo-Wasserfall gerade recht kam. Der kleine Wasserfall stürzt etwa 100 Meter in einem Kerbtal am Nordrand des Dindéfelo-Hochlands in ein felsiges Becken. Darin schwamm aber niemand, stattdessen tummelten sich etwa 30 amerikanische Touristen darum herum. ”It’s damn icy“, klärte uns eine ältere Dame auf. Doch ich hatte mich beim Wandern nicht so abgemüht, um anschließend ohne eine kleine Schwimmeinlage wieder ins Hotel zu fahren. In den 13-14 Grad kalten Fluten unter dem Wasserfall zu schwimmen war einfach unbeschreiblich schön.

Sympathische Begegnungen und ein Abenteuer auf hoher See

Die anstehende Fahrt in die Landschaft der Casamance zog sich – teils im Schneckentempo über eine Schlagloch-Buckelpiste – wirklich in die Länge. Doch dafür entschädigte der riesengroße Wochenmarkt in Vélingara mit seinem bunten Treiben gebührend. Auch der erwartete Ansturm auf den Grenzübergang nach Gambia, bestehend aus einem Lattenzaun mit Vorhängeschloss, blieb aus. Denn: es war Präsidentschaftswahl-Sonntag im Senegal und entsprechend wenig los. Für den Grenzübergang hatte Mamadou uns sogar in Dakar ein spezielles Permit organisieren müssen. Wie gut, dass unser erfahrener Reiseleiter an alles gedacht hatte, sonst wäre uns – wie einer Gruppe französischer Touristen – der Grenzgang nicht erlaubt worden. Das Tendaba Safari Camp war mehr als nur einfach, aber dafür toll gelegen. Dafür erinnerte das gambischen Hotel Cape Point mit den feudalen Zimmern eher an ein Luxushotel mit Live-Musik am Abend. Theoretisch hätte man sich sogar in der eigenen Wanne ein Schaumbad einlassen können. Aber wir sparten uns das Wasser lieber und badeten im Ozean, der nur einen Steinwurf entfernt lag. Am super sauberen Strand habe ich zudem viele nette Menschen – vom Barmanager über den Strandpolizisten und der gambischen Hausfrau bis hin zum Künstler – kennengelernt und mich in interessante Gespräche verwickeln lassen.

Ein Ausflug auf die Insel Karabane im Casamance-Delta stand ebenfalls auf unserem Programm. Hier gab es außer Sand, Muscheln und ein paar Souvenirshops einen eindrucksvollen Kalebassenbaum, eine verfallene Kirche aus dem 19. Jahrhundert und das neue christliche Gotteshaus, eine winzige Mosche und ein ehemaliges Sklavenhaus zu entdecken. Die Rückfahrt auf das Festland am kommenden Tag gestaltete sich höchst abenteuerlich, da extremer Seegang herrschte. Weil das Boot nicht ganz bis zum Strand vorfahren konnte, trugen uns ein Hotelmitarbeiter und der Bootsführer buchstäblich auf Händen ins Boot. Auf hoher See mussten wir schließlich mitten in der Schlechtwetterlage von unserem Bringeboot in die größere Piroge umsteigen. Da der Seegang dieses Unterfangen höchst schwierig gestaltete, wurde jeder einzelne von seinem Platz abgeholt und gestützt auf beiden Seiten sicher vom Beiboot in die Piroge hinüber geleitet. Ein echter Abenteuerurlaub eben! Gegen Mittag erreichten wir schließlich Cap Skirring, wo uns in einer wundervollen Unterkunft mit leckeren Cocktails zwei Tage Strand und Erholung erwarteten.

Vom quirligen Dakar zu einem Mahnmal der Sklaverei

Am nächsten Morgen schallte am Frühstückstisch aus dem Lautsprecher der Titanic-Untergangs-Song „My Heart Will Go On“ von Celine Dion. Damit waren wir alle bestens eingestimmt auf unsere Fährüberfahrt nach Dakar. Seit März 2008 verkehrt die Aline Sitoe Diatta nun – ohne das Schicksal der Titanic zu teilen – wöchentlich zweimal zwischen Ziguinchor und Dakar. Nach zahlreichen Pass- und Ticketkontrollen durften wir das Schiff schließlich betreten und waren positiv überrascht von den relativ geräumigen Kajüten, die auch über eine Klimaanlage und ein winziges Bad verfügten. Für das eher mäßige Schiffsessen entschädigten uns die Flussdelfine, die wir vom Oberdeck der Fähre aus sichten konnten. Ausgerechnet da hatte ich meine Kamera einmal nicht dabei… In Dakar angekommen, erwartete uns bereits ein freudestrahlender Ibrahim mitsamt klimatisiertem Reisebus. Bei der anschließenden Stadtrundfahrt durch Senegals Hauptstadt standen u. a. der ausladende Blumenmarkt, die Université Cheikh Anta Dio, das Monument de la Renaissance Africaine, der Palais de la République und der westlichste Leuchtturm des gesamten afrikanischen Kontinents auf dem Programm.

Zum Abschluss der Senegambia-Reise besuchten wir noch die UNESCO-Weltkulturerbe-Insel Gorée. Neben dem eindrucksvollen Mahnmal am Eingang der Stadt, das einen Mann zeigt, der umarmt von einer Frau die Ketten der Sklaverei zerreißt, besichtigten wir die völlig touristenüberlaufene „Maison des Esclaves“. Befanden sich dort über Jahrhunderte im Dunkeln eingepfercht Sklaven, beherbergen die engen Räumlichkeiten heute ein Museum, das an den Sklavenhandel nach Europa und Nordamerika als wichtigen Wirtschaftszweig des Landes erinnert. Am höchsten Punkt der Insel steht zudem noch heute eine alte Kanone, die zur Verteidigung von Gorée im Zweiten Weltkrieg gedient hatte. Die Aussicht zurück bis nach Dakar war von dort oben einfach nur überwältigend.

Beim Abschiedsessen im Relais Sportif ließen wir nochmal unsere famosen Urlaubserlebnisse Revue passieren und gelangten schließlich wieder zum Ausgangspunkt unserer Senegambia-Reise: dem Flughafen Dakar-Blaise Diagne, von wo aus wir in unseren Alltag nach Deutschland mit jeder Menge neuer Eindrücke und Souvenirs im Gepäck zurückflogen.

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