Geschichte Costa Ricas 20. August 2021

Die Niederlassung der afroamerikanischen Bevölkerung an der Karibikküste

WORLD INSIGHT

Historischer Hintergrund zur Besiedlung Costa Ricas

In Costa Rica treffen schon seit über hundert Jahren Ureinwohner und Latinos auf Afroamerikaner und sogar Italiener aufeinander. Wie kommt es, dass die Costa Ricanische Bevölkerung so bunt gemischt ist?

Was die Dänen und eine Meuterei damit zu tun haben

Die erste Bevölkerung afrikanischen Ursprungs hat sich 1710 aufgrund eines Schiffsbruchs in der Nähe vom heutigen Cahuita angesiedelt. Zwei dänische Schiffe waren damals mit Gütern und Sklaven aus Afrika unterwegs nach St. Thomas in der Karibik. Die Schiffe waren aufgrund eines Sturms vom Kurs abgekommen und erlitten Schiffsbruch. Ein Schiff wurde so stark beschädigt, dass es vor der Küste gesunken ist. Nach einer Meuterei der Besatzung setzte man 650 Sklaven an Land bei Cahuita aus und nahm nur die Lebensmittel und Wasservorräte mit dem noch halbwegs intakten Schiff mit und fuhr weiter nach Panama. Dies geht aus den Schiffsbüchern, die später wieder in Dänemark ankamen, hervor. Jedoch wurde darin nicht festgehalten, vor welcher Küste genau das Schiff untergegangen war. Erst vor acht Jahren haben Studenten der Universität von North Carolina in alten Dokumenten geforscht und haben infolgedessen Teile des Wracks gefunden. Zum Zeitpunkt des Schiffsbruchs war die Region um Cahuita noch vollkommen unbewohnt. Die Spanier haben die Karibik nie besiedelt und die Bribri Indianer lebten weit im Landesinneren. Ob sich diese 650 Afrikaner je mit den Bribri Indianern vermischt haben, ist bis heute nicht überliefert.

Der Cahuita-Nationalpark lockt mit Traumstränden. Auf unserer Erlebnisreise mit Verlängerung Tortuguero und Karibik haben wir hier die Möglichkeit die Seele baumeln zu lassen.

Abschaffung der Sklaverei auf den Karibik Inseln

Die zweite Einwanderungswelle von Menschen afrikanischer Herkunft entstand ca. 100 Jahre später um 1821. Zu diesem Zeitpunkt wurden in Jamaika, Kuba und anderen Ländern die Sklaverei abgeschafft. Die Sklaven, die bis dahin auf Baumwoll- und Zuckerrohr Feldern gearbeitet hatten, waren nun frei, jedoch arbeitslos. Daher sind diese von den Inseln aufs Festland gesegelt und zogen die Küsten entlang, um Schildkröten zu jagen und zu fischen. Dabei haben sie erst temporäre Camps errichtet, wovon einige später zu festen Siedlungen wurden. So sind unter anderem die Orte Cahuita, Puerto Viejo und Tortuguero entstanden.

Entspannte Atmosphäre an den Stränden Puerto Viejos

Der Eisenbahnbau

Weitere 50 Jahre später wurde in Costa Rica die erste Eisenbahnstrecke gebaut. Da das Land zu diesem Zeitpunkt nur ca. 600.000 Einwohner zählte, und diese auf den Kaffeeplantagen benötigt wurden, sollten die Bauherren Gastarbeiter engagieren. Zuerst versuchte man es mit 3.000 chinesischen Arbeitern, die zuvor in Kalifornien die Eisenbahnstrecke gebaut hatten (Buchtipp: „Der Chinese“ von Henning Mankell). Diese waren dem tropischen Klima um Limón jedoch nicht gewachsen und die Hälfte der Arbeiter starb an Malaria oder Hitzschlag. Daher wurden die verbliebenen 1.500 Chinesen ins mildere Klima nach San José gebracht, um von dort aus die Strecke weiterzubauen. Aus Jamaika brachte man dann in mehreren Etappen ca. 1.800 Menschen afrikanischen Ursprungs nach Costa Rica, die die Arbeit bei den vorherrschenden Temperaturen bewältigen konnten und anschließend ebenfalls im Land blieben.

Die erste Eisenbahnstrecke verband die zentralen Städte mit der Atlantikküste, dort stellte der Puerto Limón die Anbindung an den Weltmarkt dar.

Der erste Streik – von Italienern angezettelt

Die ehemaligen Sklaven, die für den Eisenbahnbau eingesetzt wurden, konnten aufgrund mangelnder Bildung weder als Ingenieure noch als Vorarbeiter eingesetzt werden.  Daher wurden hierfür aus der Region von Triest ca. 1.200 Italiener, die zu dieser Zeit von einer starken Wirtschaftskrise betroffen waren, engagiert. So bekam Costa Rica zum afrikanischen auch einen italienischen Einfluss. Costa Ricaner mit italienischen Vorfahren rühmen sich übrigens noch heute damit, dass die Italiener beim Bau der Eisenbahnstrecke den ersten Streik Costa Ricas angezettelt haben.

 

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