Myanmar Am Goldenen Felsen von Kyaiktiyo
Myanmar – Von Freiheitsgedanken und Reiseträumen 1. April 2022

Freiheit!

Otfried Schöttle

Myanmar öffnet sich wieder zaghaft für Reisende. Nicht nur wir vermissen seinen Zauber, auch die Burmesen freuen sich, bald mehr Gäste begrüßen zu können, internationale Aufmerksamkeit und so mehr Freiheit zu erhalten.

Momentan kämpfen die Menschen der Ukraine um ihre Freiheit – dabei geht es um viel mehr als um „impfen oder nicht“? Es geht um die Freiheit zu leben, seine Meinung äußern zu dürfen, zu reisen und sein Leben im Rahmen von demokratisch gewählten Regeln selbst zu bestimmen. Auch in Myanmar wird seit Langem um diese Freiheit gekämpft – warum wir das „Goldene Land“ nicht vergessen und was uns Hoffnung macht, schon bald wieder dorthin reisen zu können.

Vergangene Woche hatten wir ein Teams-Meeting mit unseren FreundInnen und GeschäftspartnerInnen in Myanmar. Was uns erstaunt: Die Leitungen stehen perfekt, und wir können auch recht unbefangen reden. Es ist ergreifend, unseren Country Manager Mindin zu sehen sowie seine MitarbeiterInnen Sabai und Myat.

Myanmar Reisen bei World Insight

Erinnerungsfoto aus dem Jahr 2006 – unseren Country-Manager Mindin kenne ich schon viele Jahre.

Informationen aus erster Hand

Auch wenn, anders als in Thailand, Kambodscha oder Vietnam, aktuell noch keine Reisen nach Myanmar möglich sind, so sind wir doch ständig im Gespräch mit „unseren“ Burmesen. Das ist, neben finanzieller Unterstützung, wichtig für die Motivation der Menschen vor Ort, mit denen man vor Covid über viele Jahre erfolgreich zusammengearbeitet hat und auch wieder zusammenarbeiten wird. Und, ganz wichtig, wir sind immer am Puls der Zeit, denn auch in Myanmar tut sich was: Die Straßen Yangons und Manadalays sind wieder weitgehend ruhig. Gestern wurde zum Beispiel die nächtliche Ausgangssperre auf 24 Uhr bis 4 Uhr morgens begrenzt. Wir fragen nach unseren ReiseleiterInnen, stehen aber auch mit diesen direkt in Kontakt. Alle halten sich mit diversen Jobs über Wasser, sie vermissen aber unsere Gäste. Diese haben die Welt nach Myanmar gebracht und nahmen umgekehrt ein wenig burmesische Herzlichkeit und Kultur wieder mit nach Hause.

Ich frage zudem nach dem Freiheitskämpfer Ko Ko Gyi, den ich 2015 interviewen durfte, als ich mit dem Fotografen Martin Buschmann im Land unterwegs war (mehr dazu hier). Nein, dieser wäre nicht in Haft, er lebe sogar in Yangon, dennoch ständen nach wie vor viele demokratische Führer unter Hausarrest, seien im Gefängnis oder im Exil.

Myanmar Reisen mit World Insight Treffen mit dem Menschenrechtsaktivisten Ko Ko Gyi in Yangon

Ein erhebender Moment – Treffen mit dem Menschenrechtsaktivisten Ko Ko Gyi in Yangon.

Reisende erzeugen Druck auf Machthaber

Im Volk selbst geschieht nach den ersten massiven Aufständen bezüglich eines demokratischen Wandels ein Umdenken – zu groß ist die Macht des Militärs. Mit dem Ausbruch des Corona-Virus konnte dieses seine Macht im Land wieder ausweiten, wobei es vor allem um Geld und wirtschaftliche Interessen geht. Die meisten Menschen, die zu Beginn dieser neuen Machtdemonstration des Militärs auf die Straße gingen, und deren Aufbegehren in brutalster Weise niedergeschlagen wurde, wünschen sich heute einfach wieder ein normales Leben zurück. Vielleicht einen Neuanfang, wie zu Beginn der 2000er, als das Militär ebenso alle Zügel in der Hand hielt, dann aber nach und nach Freiheiten gewährte – auch aufgrund steigender Touristenzahlen. Diese äußeren Einflüsse erhöhten den Druck auf die Machthaber, Reformen einzuführen, was schließlich im Jahr 2015 zu freien Wahlen führte. Die Speerspitze der Demokraten hieß damals wie heute Aung San Suu Kyi, die weltberühmte Friedensnobelpreisträgerin.

Myanmar Reisen bei World Insight Almosengang der Mönche im Kloster von Amarapura

Almosengang der Mönche im Kloster von Amarapura.

Reisen als Symbol der Freiheit

Was wir bei der Gründung unseres Unternehmens nie gedacht hätten, war, dass wir einmal dazu beitragen könnten, diese Welt für unsere Mitmenschen groß zu halten. Dabei stand kein tieferer moralischer Ansatz im Vordergrund, wir wollten einfach gemeinsam mit anderen Reisefreudigen die Welt entdecken. Nach zwei Jahren Pandemie und diversen Konflikten wissen wir, dass bei unseren Reisenden neben einem sinnvollen Urlaub die Leidenschaft für Entdeckungen wächst. Denn, während sich andere in ihre eigene Umgebung zurückziehen, weil die Welt um sie herum komplizierter wird, gehen wir und unsere Gäste raus, um uns nicht das nehmen zu lassen, was uns „heilig“ ist: im Rahmen der gesetzlichen und zu verantwortenden Grenzen unsere Freiheit zu genießen, fremde Länder und Kulturen zu entdecken, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und neue Eindrücke und Erfahrungen aus erster Hand mit nach Hause nehmen zu können. Wir beanspruchen keine Wahrheit, aber wir gewinnen doch Erkenntnisse, die wir nicht aus Facebook oder Instagram beziehen, sondern aus den Erlebnissen vor Ort. Eine wichtige Rolle spielen dabei unsere Reiseleiterinnen und Reiseleiter als verbindende Brücke zwischen den Kulturen.

Myanmar Reisen World Insight

Mit unserer Reiseleiterin Htet Htet auf Tour im Goldenen Land.

Effekt und Nutzen von Reisenden

Wir werden oft gefragt, warum wir Reisen auch in politisch kritische Länder durchführen – Myanmar ist so ein Beispiel. Ganz einfach, weil wir fest davon überzeugt sind, dass gerade Einflüsse von außen wie eine nachhaltig wirksame Medizin auf diktatorisch geführte Länder wirken. Im Klartext: Du kannst dein Volk nicht vor den Augen der gesamten Welt niedermachen! In Myanmar ging das so weit, dass der Tourismus zu einem solch wichtigen Wirtschaftszweig wurde, dass selbst das Militär diesen Zweig nicht vollständig ignorieren konnte. Wäre es nur abhängig von den Rohstoff-Exporten nach China, wäre Myanmar schon vor Covid nicht zu Reformen bereit gewesen. Mit Covid aber wurde „aufgeräumt“.  Gleiches geschah in China. Wenn man heute auf das Land schaut, das zum totalen Überwachungsstaat mutierte, und den Hongkongern ihre Freiheit raubte, während die Welt mit sich selbst beschäftigt war. Anders verhält es sich meiner Ansicht nach in Saudi-Arabien. Dort lechzt die Regierung nach Anerkennung. Auf dem jüngsten WTM, dem World Travel Mart in London, auf dem sich die touristische Branche weltweit wieder einmal live traf, zelebrierte das Land eine Glamour-Show sondergleichen. Der Tenor: Vergesst Khashoggi, seht unsere landschaftlichen und kulturellen Schätze und verdient mit uns Millionen. Im Gegenzug sagt der Welt, dass die Herrscher des Landes doch ganz sympathisch sind… Nicht mit uns!

Myanmar Reisen mit World Insight

Weltbekannt ist das Volk der Intha am Inle See.

Wann und wie wieder nach Myanmar?

Zurück nach Myanmar. Wir fragen uns, wie wir das Land wieder zurück auf die touristische Weltkarte bringen können. Dass das Land Zauberhaftes zu bieten hat, steht außer Frage. Die wichtigste Voraussetzung ist jedoch die Sicherheit unserer Gäste! Aktuell gibt es noch vereinzelt Aufstände in bestimmten Regionen, diese richten sich jedoch keinesfalls gegen Touristen, versichert Mindin. Zudem: Die wichtigsten Orte für Reisende, wie Yangon, der „Goldene Felsen“ von Kyaiktiyo, der malerische Inle See, Mandalay und Bagan seien nicht davon betroffen, berichtet unser Country Manager. Aus diesem Grund wollen wir uns bei unseren weiteren Planungen auf diese Regionen konzentrieren. Unser zuständiger Bereichsleiter Johannes schlägt vor, dass wir deshalb 2023 verstärkt nur auf eine Erlebnisreise nach Myanmar setzen sollten – auch wegen der Hotels. ComfortPlus macht keinen Sinn, weil in größeren Hotels die Stromversorgung nicht gesichert sei. Kleinere, familiär geführte Häuser verfügten jedoch über Generatoren. Das kommt unserer Art des Reisens entgegen, denn wir lieben solche kleineren Häuser. Ganz wichtig sind natürlich die Flugverbindungen ins Land sowie die Einreise. Ab Mitte April öffnet Myanmar die internationalen Flughäfen. Bezüglich der Einreisebestimmungen sei allerdings noch nichts klar, das müsse man die kommenden Tage und Wochen abwarten. Für uns wichtig ist auch noch die Frage nach der Impfquote im Land: „Diese sei sehr gut“, meint Mindin „man bekomme Impfstoff aus China und westliche Vaccine aus Indien, das im Namen von AstraZeneca produziere.“

Myanmar Reisen World InsightTempelmeer von Bagan

Einfach nur ein Traum – das Tempelmeer von Bagan.

Myanmar frühestens ab Herbst 2022

Während das übrige Südostasien schon jetzt in weiten Teilen wieder gut bereisbar ist, werden Touren nach Myanmar bestenfalls im zweiten Quartal 2022 wieder realistisch sein. Voraussetzung dafür ist eine weitere Stabilisierung der Sicherheitslage und in diesem Fall auch eigene Inspektionsreisen unserer MitarbeiterInnen im ganzen Land, um die Situation vor Ort wirklich einschätzen zu können. Bis dahin werden wir auch unsere Guides auf Tour schicken, um so viel wie möglich Material zum „Goldenen Land“ zu sammeln. Wir haben es im Blick – und am Ende des Gespräches sagt Mindin zu uns: „Thank you very much for our very encouraging meetings. We do need this kind of dedicated partner to bring Myanmar back to the market“ – übersetzt: „Vielen Dank für unsere sehr ermutigenden Gespräche. Wir brauchen diese Art von engagierten Partnern, um Myanmar wieder auf den Markt zu bringen!“ Das macht uns dann auch ein wenig stolz, denn viele Reiseveranstalter scheinen das Land offensichtlich einfach vergessen zu haben, weil man aktuell schlicht nichts daran verdient. Behalten wir es im Fokus, wir schulden es den wunderbaren Menschen in diesem Land, das uns so lange verzaubert hat und uns bald wieder verzaubern wird. Freiheit bedeutet auch, andere nicht im Stich zu lassen ­–  ob in Myanmar, Syrien, Jemen oder ganz aktuell in der Ukraine!

Wahrhaft ein Goldenes Land - Myanmar Reisen mit World Insight

Wahrhaft ein Goldenes Land – Myanmar.

 

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