Ländertrias 5. Februar 2016

Das Baltikum – Teil 2: Lettland

Christian Greiner

Was machen drei Brüder in Lettland und was ist eigentlich die Laima-Uhr? Ein kleiner Ausflug durch die lettische Hauptstadt und die sakrale, spirituelle und bunte Kultur des Staates an der Ostsee.

Riga_Jugendstil

Bauten im Jugendstil dominieren das Bild der Stadt.

Auf demselben Längengrad wie Tallinn, aber mit rund 300.000 Einwohnern mehr, liegt Riga. Die Hauptstadt Lettlands besticht durch ihre direkte Lage an der Ostsee und eine fantastische Altstadt im Jugendstil. Die größte Stadt des Baltikums ist unter Letten auch als „Kulturhauptstadt des Baltikums“ bekannt. Das äußert sich zum Beispiel am sogenannten „Schwarzhäupterhaus“. In diesem Haus, das im gotischen Stil errichtet wurde, fanden seit dem 14. Jahrhundert wohl Zusammenkünfte der Kaufleute und der deutschen Bevölkerung Rigas statt. Auf der Fassade des Hauses findet man einige deutsche Einflüsse, so sind beispielsweise die Wappen der Städte Bremen, Lübeck und Hamburg neben dem Wappen Rigas vertreten. Dies geht zurück auf die Zeit der Hanse, eine Vereinigung niederdeutscher Kaufleute, gegründet um die Sicherheit der Überfahrt und wirtschaftliche Aspekte zwischen den sogenannten „Hansestädten“ zu sichern. Zu den Hansestädten zählt neben Hamburg, Lübeck und Bremen auch Tallinn.

Riga-Freiheitsdenkmal

Das eindrucksvolle Freiheitsdenkmal Rigas.

Imposant anzusehen ist außerdem das Freiheitsdenkmal in Riga. Es erinnert an die Souveränität des Landes und ist für die Einwohner Lettlands äußerst bedeutsam. Das Denkmal wurde in den 1930er-Jahren zur Zeit der UdSSR erbaut, als Lettland erstmalig als unabhängiger Staat anerkannt wurde. Eine verbreitete Anekdote besagt, dass die Statue ursprünglich wegen ihres zeitweise instabilen Zustands abgerissen werden sollte. Ein Hauptargument dafür war der gefährdete Straßenverkehr, der um die Statue floss. Kurzerhand wies der damalige Bürgermeister Rigas das Gebiet um das Denkmal als Fußgängerzone aus und umging so den Abriss des Monuments. Im Laufe der Zeit wurde die Statue Zeuge vieler wichtiger Anlässe: Am Fuße der Statue hielten schon Politiker wie George W. Bush und Bill Clinton Ansprachen. Auch kommen Studenten und Schüler zur Feier ihres Abschlusses hierher und nach lettischem Brauch legen frisch vermählte Hochzeitspaare Blumen zu Füßen der Statue nieder. Zwischen 9 und 18 Uhr wird das Denkmal zudem noch von einer Ehrengarde bewacht, die stündlich wechselt.

Hort der Spiritualität

Lettland beherbergt eine stattliche Anzahl Kirchen. Die größte davon ist gleichzeitig auch die größte des Baltikums: Der Dom in Riga fasst rund 5.000 Gläubige und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt. Etwa 40 Sakralbauten verschiedenster Religionen beherbergt die lettische Hauptstadt insgesamt. Darunter hauptsächlich Kirchen evangelisch-lutherischer Orientierung, aber auch Baptistenkirchen und neuapostolische Bauwerke sowie eine anglikanische Kirche, die den Anhängern der Church of England als Anlaufpunkt dient. Auch die russisch-orthodoxe Kirche ist hier mit vielen ihrer Bauwerke vertreten, denn rund ein Drittel aller Letten hat russische Wurzeln. Lettland und Riga haben allerdings nicht nur Kirchen zu bieten, sondern auch einige andere architektonische Raffinessen.

Von ungleichen Brüdern und weiteren Kuriositäten

Stöbert man in Riga herum, wird man irgendwann unweigerlich etwas von den „drei Brüdern“ hören. Wer jetzt hofft, dass es sich dabei um ein fantastisches Restaurant handelt, das die meisten Einwohner Rigas kennen und gerne empfehlen, liegt leider nicht richtig. Tatsächlich handelt es sich bei den scheinbar verwandten Kerlen nämlich um Häuser, die direkt nebeneinander liegen. Bei der Lage enden eigentlich auch schon die Gemeinsamkeiten, denn die drei Bauwerke stammen aus komplett unterschiedlichen Zeiten und unterscheiden sich demnach auch im Baustil. Mit einem gotischen Stufengiebel bildet das Haus rechts außen den „großen Bruder“. Es ist gemeinhin als das älteste Haus der Stadt bekannt. Links daneben erhebt sich der „mittlere Bruder“. Der Giebel des Hauses zeigt Anno 1646 als Baujahr an und lässt sich dem holländischen Barock zuordnen. Noch einmal weiter links findet sich der „kleine Bruder“ das letzte, der drei „Geschwisterkinder“. Ein schmales, grünes Haus, gebaut im 18. Jahrhundert.

Ein weiteres architektonisches „Relikt“, das nett anzusehen ist, bildet die Laima-Uhr. Eine große Säulenuhr, die erbaut wurde, damit die Arbeiter pünktlich zur Arbeit erscheinen. Sie wurde 1924 von Laima aufgestellt, dem größten Süßwarenhersteller des Baltikums. Benannt wurde die Firma nach der gleichnamigen lettischen Glücksgöttin. Laima stellt rund 16.000 Tonnen Süßigkeiten im Jahr her. Besonders beliebt ist davon das Schokoladenbonbon Serenāde, dessen Rezeptur seit 1937 unverändert blieb. Heute produziert Laima nahezu konkurrenzlos Süßigkeiten und die von ihnen aufgestellte Uhr dient als beliebter Treffpunkt.

Johannisfest

Einmal im Jahr lassen es alle Letten so richtig krachen. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni eines jeden Jahres begehen sie das Johannisfest. Dabei sind sowohl der 23. als auch der 24. gesetzliche Feiertage in Lettland. Kurz vor Sonnenuntergang wird dafür das traditionelle Johannisfeuer entzündet, das bis Sonnenaufgang durchgängig brennen muss. Der Feuerschein dient der Vertreibung von allem Schlechten aus den Häusern der Menschen. Kulinarisch wird sich traditionsgemäß an Bier und Kümmelkäse gütlich getan. Die ganze Nacht wird außerdem gesungen und getanzt, vornehmlich natürlich lettische Volksgesänge und -tänze.

Dos & Don’ts in Riga & Lettland

Do:

  • Laima-Uhr und Drei Brüder besuchen
  • Ein paar Laima-Bonbons naschen
  • Mit dem Lift den Fernsehturm nach oben „fliegen“ und auf 385 m Höhe die Aussicht genießen
  • Kalter Borschtsch (Rote-Bete-Suppe), wenn das Wetter zum Schwitzen ist

Don’t

  • Elektronische Geräte in russisch-orthodoxen Kirchen. Abschalten!
  • Ehrenwachen am Freiheitsdenkmal veralbern
  • Ohne Karte in Wäldern streunen – die sind zu groß und unübersichtlich!

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